Papa's Geburtstag
Papa's Geburtstag
1.
Wie schön, daß in des Herbstes Tagen
Noch Blumen blüh'n in Pracht und Glanz,
Als wollten sie uns Kindern sagen:
»Wir blühen nur für euch zum Kranz.
Ihr sollt zum Kranz uns heute reihen,
So schön, wie sich es machen läßt,
Und dem Papa als Glückwunsch weihen,
Denn heut ist sein Geburtstagsfest.«
Es ist erfüllt der Blumen Bitte,
Nimm unsern Glückwunsch freundlich an:
O bleib' bei uns in unsrer Mitte
Und freue dich mit uns fortan!
Wir wollen dir auf allen Wegen
Auch liebe gute Kinder sein;
Wir flehen Gott um Seinen Segen,
Und was wir fleh'n, wird Er verleih'n.
2.
Ist kein schönerer Tag doch
In der Welt so wie heut!
Und es hat unser Herze
Sich noch nie so gefreut.
Ja, wir freuen uns Alle
Heissa heissassa sa!
Denn es ist dein Geburtstag,
Lieber, guter Papa!
Und wir wanden dir Kränze,
Und wir flochten hinein
Unsre innigsten Wünsche
Für dein Wohl und Gedeih'n.
Sei so froh wie die Blumen,
Wie die Blätter so grün!
Mag für uns, deine Lieben,
Stets dein Leben so blüh'n!
3.
Heute will ich fröhlich sein,
Heute guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!
Ist der heil'ge Christ ins Haus
Heut schon eingekehret?
Hat der heil'ge Nikolaus
Uns was einbescheeret?
Nein, so hört es denn von mir,
Hört es, lieben Leute!
Den Geburtstag feiern wir
Unsers Papa's heute.
Darum will ich fröhlich sein,
Heißa! guter Dinge,
Und auch du, mein Döckelein,
Komm' und tanz' und springe!
Kinderlieder
Kinderfest im Herbst
Doch ehe der Herbst uns ganz verläßt,
So bringt er uns noch ein Kinderfest:
Sobald es Abend, zieh'n wir aus
Und wandern singend von Haus zu Haus,
Und bitten dem heiligen Martin zu Ehren
Uns kleinen Kindern was zu bescheeren.
Da reicht man uns Aepfel und Nüsse dar,
Zuweilen auch Honigkuchen sogar.
Wir sprechen unsern Dank dafür aus
Und wandern dann in ein anderes Haus.
Nun laßt uns heute singen auch
Wie's ist am Martinstag der Brauch!
Martinslied
Wir kommen daher geschritten
Im Namen des heiligen Martins,
Wir kommen euch zu bitten
Im Namen des heiligen Martins.
Dem Martinstag zu Ehren
Wollt uns Kindern was bescheeren!
Sanct Martin war ein guter Mann,
Er nahm sich der kleinen Kinder an.
Und wenn er auf seinem Schimmel ritt,
So bracht' er den kleinen Kindern was mit.
So mögt ihr unser gedenken,
Uns Kindern auch was schenken:
Nüss' und Aepfel und Honigkuchen.
Ihr dürft nicht lang im Hause suchen,
Ihr habt genug an Speis' und Trank;
Für Nüss' und Aepfel und Honigkuchen
Empfangt ihr unsern schönsten Dank.
Mag Gott auf allen Wegen und Stegen
Euch gnädig sein!
Mag Gott euch immer Heil und Segen
Hienieden verleih'n!
Gänsecantate
Was haben wir Gänse für Kleidung an?
Gi ga gack!
Wir gehen barfuß allezeit
In einem weißen Federkleid,
Gi ga gack!
Wir haben nur Einen Frack.
Was trinken wir Gänse für einen Wein?
Gi ga gack!
Wir trinken nur den stärksten Wein,
Das ist der Gänsewein allein,
Gi ga gack!
Ist stärker als Rum und Rack.
Was haben wir Gänse für eine Kost?
Gi ga gack!
Des Sommers geh'n wir auf die Au,
Des Winters speist die Bauersfrau
Gi ga gack!
Uns aus dem Hafersack.
Was reden wir Gänse für Sprache doch?
Gi ga gack!
Wir könnten Professoren sein:
Wir reden Griechisch und Latein;
Gi ga gack!
Ist unser Schnick und Schnack.
Was machen wir Gänse am Martinstag?
Gi ga gack!
Man führt uns aus dem Stall hinaus
Zu einem fetten Martinsschmaus,
Gi ga gick!
Und bricht uns das Genick.
Martinslied
Die Gänse mit dem Gänserich,
Die machen groß Geschrei:
Die beste Zeit für sie verstrich,
Der Sommer ist vorbei.
Gigack, gigack, gigack.
Der Tag ist kurz, lang ist die Nacht.
Die Weid' ist ohne Gras,
Der Gang zum Born und Weiher macht
Im Winter keinen Spaß.
Gigack, gigack, gigack.
Ihr dürft im Schnee und auf dem Eis
Nicht lang mehr barfuß geh'n,
Laßt euer Schrei'n, es ist, wer weiß
Gar bald um euch gescheh'n.
Gigack, gigack, gigack.
Am Martinsabend wandert ihr
Gebraten auf den Tisch,
Und nichts von euch behalten wir
Als nur den Flederwisch.
Gigack, gigack, gigack.
So ist's und ist nun immerso,
Für uns nur lebtet ihr,
Wir sind des Gänsebratens froh,
Ihr schweigt, doch singen wir
Gigack, gigack, gigack.
Häsleins Klage
Da sitzt ein Häslein an dem Rain,
Und keinem Jäger fällt das ein,
Sitzt und denket an sein Endchen,
Und es schreibt sein Testamentchen,
Schreibt's und weint, schreibt's und weint.
Ich Häslein bin ein Waisenkind:
Was hilft's, daß ich so gut gesinnt?
Keinem thu' ich Leid hienieden,
Ach, ich lasse ja zufrieden
Jedermann, Jedermann.
Ich lasse Weizen Weizen sein,
Und trink' auch keinen Tropfen Wein;
Nur daß ich mal aus dem Kohle
Hie und da ein Blättchen hole,
Nicht wie's thut Ochs und Kuh.
Mein Klagen aber wenig frommt.
O weh, der böse Jäger kommt;
Kaum daß er mich hat gesehen,
Ist es schon um mich geschehen
Und er schießt, piff, paff, puff.
Gebraten werd' ich dann zuletzt
Den Tischgenossen vorgesetzt:
»Frisch gegessen und getrunken!
Schont nicht Lampen, den Hallunken!
Schont ihn nicht! Schont ihn nicht!«