Der Eselfasching
Mel. Die Pinzgauer wollten wallfahrten gehn.
Die Esel wollten den Fasching begehn,
Das konnt' ohne Masken und Schellen geschehn.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!
Sie hatten einen Narrenkönig sich erkor'n,
Das war geworden
der mit den längsten Ohr'n.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!
Sie hatten einen Hofstaat ihm beigesellt,
So ganz wie es geht in der Mannthierwelt.
Tschahi, tschaha tschaho!
Wie war'n die Esel froh!
Wie jauchzte laut ein Jeder, Jeder, Jeder
Und machte groß Halloh!
Und als nun die Esel so gingen im Zug,
Da kam ein Kettenhund herbei und frug:
»Tschahi, tschaha, tschaho!
Warum seid ihr so froh?
Warum doch jauchzt ein Jeder, Jeder, Jeder
Und macht ein solch Halloh?«
Die Maskenfreiheit die haben auch wir,
Die brauchen wir jetzo nach unsrer Manier.
Tschahi, tschaha, tschaho!
Drum sind wir Esel froh,
Drum jauchzet auch ein Jeder, Jeder, Jeder
Und macht ein solch Halloh.
»Ihr Esel bleibt doch Esel und werdet nie gescheidt,
Was kann euch doch nützen die Maskenfreiheit?
Tschahi, tschaha, tschaheit!
Ihr seid doch nie gescheidt,
Es bleibet doch ein Jeder, Jeder, Jeder
Ein Esel allezeit.«
»So eine Freiheit, närrisch zu sein,
Die habt ihr ja auch mit den Russen gemein.
Tschahi, tschaha, tschahei!
Ja, zeigtet ihr euch frei,
So müßte halt ein Jeder, Jeder, Jeder
Gleich vor die Polizei.«
Der Minister in der Hölle
Ich armer Sündenbock verschmachte
In dieser heißen Höllenglut,
Und doch, wenn ich es recht betrachte,
So geht's mir immer noch zu gut.
Ich habe mit Rescripten weiland
Geplagt die ganze Monarchie:
Ich war gewiß für sie kein Heiland,
Und dennoch plagten sie mich nie.
Ich habe mit Berichterstatten
Gepeinigt manchen braven Mann,
Und was sie dann berichtet hatten,
Das sah ich niemals weiter an.
Ich habe durch Conduitenlisten
Und durch geheime Polizei
Verleitet viele gute Christen
Zu Lug und Trug und Heuchelei.
Ich habe mit Censurerlassen
Gehemmt den Fortschritt unsrer Zeit:
Ich zwang die Welt, mich recht zu hassen,
Und dennoch bracht' ich's nicht so weit.
Ich habe jeden Stand beleidigt,
Und als der Tod mich abgesetzt,
Da haben sie mich noch vertheidigt,
Gelobt und benedeit zuletzt.
Ich habe mit des Fortschritts Schlangen
Gekämpfet wie Laokoon:
Die Zeit ist ruhig fortgegangen,
Mein Herr wie ich hat nichts davon.
Ich hab' an meinen Herren immer,
An unsern Herrngott nie gedacht:
Der liebe Herrgott hätt' auch nimmer
Zum Herrn Minister mich gemacht.
Nun schmacht' ich in der Hölle Schlünden
Geschmückt mit Ordensband und Stern;
Gern möcht' ich büßen meine Sünden,
Doch büß' ich erst für meinen Herrn.
Ich war auf Erden nie mein eigen,
So schlage doch der Teufel drein!
Ich kann mich nicht mehr anders zeigen,
Muß immerfort Minister sein.
Magis und Minus
Sonst wollten unsre großen Geister
Noch mehr als andre Leute sein:
Sie nannten sich auf Deutsch Herr Meister,
Magister aber auf Latein.
Jetzt ist für sie doch ein Magister-
Und Doctor-Titel viel zu klein,
Jetzt möchte jeder ein Minister,
Ein Diener, und kein Meister sein.
Das All-Eine
Alles passet nicht für Einen,
Aber Eines paßt für Jeden,
Eins muß euch als Recht erscheinen:
Freies Denken, freies Reden.
Laßt ihr dieses euch beschränken,
Habt ihr Alles weggegeben -
Leben ist nur freies Denken,
Freies Denken nur ist Leben.
An meinen König
Aus dürrem Stube wird das Laub noch brechen
Und auch der nackte Felsen wird noch grün,
Du darfst ein Wort, ein einzig Wort nur sprechen,
Und unsre ganze Hoffnung wird erblühn.
Nur in der Hoffnung ruht das schönre Leben,
Die Hoffnung ist auch unser Heil und Hort;
Du giebst uns Alles, willst du Hoffnung geben,
Und unser ganzes Hoffen ist Ein Wort.
O sprich Ein Wort in diesen trüben Tagen,
Wo Trug und Knechtssinn, Lüg' und Schmeichelei
Die Wahrheit gern in Fesseln möchte schlagen,
Mein König, sprich das Wort:
das Wort sei frei !