Johannes Spangenbergs Sammlung Deutscher GedichteGoethe Scherenschnitt

Deutsche Gedichte, eine Anthologie

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August Wilhelm Schlegel



Lieder und Romanzen





Das Feenkind


An die Schauspielerin Friederike Bethmann.


Ich kannt' ein seltsam Feenkind
Es war so klein und zart,
Und wechselte wie Luft und Wind
Gestalt und Sinnesart.

Dem Feenkinde nur gefällt
Was Spiel ist bunt und kraus;
So zog es durch die weite Welt
Auf Zaubereien aus.

Es schien ein feiner Knabe bald,
Und bald ein zierlich Weib;
Nun knapp umschließt, nun frei umwallt
Gewand den schlanken Leib.

Bald wählt sie Edelstein und Gold,
Der Stickereien Pracht,
Das Reichste, was die Erde zollt,
Scheint nur für sie gemacht.

Doch giebt ihr nichts der fremde Glanz,
Er leiht den Reiz von ihr:
Ihr Haar ist der Juwelen Kranz,
Ihr Arm der Spange Zier.

Bald, wie die Blumen auf der Au,
Thut sie auf Schmuck Verzicht,
Und es beschämt der Augen Blau
Nur das Vergißmeinnicht.

Verwandelt und verwandelnd eilt
Sie weit durch Zeit und Raum.
Erfreut, betrübt, verwundet, heilt,
Und wie, das weiß man kaum.

Jetzt hoch an Sinn und edlem Blut
Winkt sie, ein Rittersweib,
Vom Helmbusch ihren Knappen Muth,
Und fällt des Feindes Leib.

Als Alpenhirtin scherzt und singt
Sie munter bei der Müh,
Und in ihr kleines Hüttchen dringt
Der Liebe Kummer nie;

Der jetzo sie in irrem Wahn
Durch Hain und Wildniß treibt:
Sie sieht nicht den Geliebten nahn,
Sie fragt noch, wo er bleibt.

Im Wunderland als Wilde dann,
Mit hüpfend leichtem Tritt,
Neckt sie den eifersücht'gen Mann
Und alle Männer mit.

Ist jetzt des Helden liebend Herz,
Der kühn um Nachruhm wirbt,
Und flieht als Freiheit himmelwärts,
Da er für Freiheit stirbt.

Sie wohnt als fromme Königin
Im Kerker, still und groß,
Und jeder stürzte willig hin
Für sie zum Todeslooß.

Jüngst kam sie, gramzerrüttet ganz
Bald trug man dann den Sarg,
Der unter Blumen, unterm Kranz,
Das blüh'nde Leben barg.

Ach, soll's unwiderruflich sein?
So bangte mir das Herz.
Zu schaudervoll ist dieser Schein,
Zu grausam dieser Scherz.

Doch ist umsonst mit Feenmacht
Die Holde nicht begabt:
In frischer Jugend morgen lacht,
Die eben ihr begrabt.

Dem Wechsel, der sie sonst erfreut,
Setzt sie wohl selbst ein Ziel:
Ein leichter Wink von ihr zerstreut
Der Bühne Gaukelspiel.

Klug, sittig, edel, schlingt sie nun
Der Freundschaft zartes Band.
Das, sagt' ich, ist ihr wahres Thun,
Das Ruh hat und Bestand.

Doch unter Zutraun, unter Scherz,
Fällt oftmals nebenbei
Doch der Gedanke mir auf's Herz
An ihre Zauberei.

Die feinen Thierchen um sie her
Bestärken mich darin:
Sie sind nicht da von ungefähr,
Das hat geheimen Sinn.

Wenn in dem Ringe wunderlich
Ihr schöner Cacadu
Sich wiegt, und ruft mit Namen sich:
Jaquot! Jaquot! ihr zu;

Wenn ihr das Möpschen in's Gesicht
Aus schlauen Augen gafft,
Und mit der Pfote bittend spricht,
Und eifersüchtig klafft;

Wenn unter der behenden Last
Das Roß sich stolzer hebt;
Und jeden ihrer Winke faßt,
Und ihr zu dienen strebt;

Dann denk' ich: immer gleich gesinnt
Sind sie, verwandelt, noch,
Und tragen um das Feenkind
Verschmähter Wünsche Joch.

Drum hüte sich wer sie nur sieht!
Mit einem Blicke bloß
Weiß er nicht mehr wie ihm geschieht,
Und kommt wohl nimmer los.

Doch warn' ich vor Bezauberung,
Und bin verzaubert schon?
Stimmt sie des ernsten Liedes Schwung
Nicht zum Romanzenton?

So leg' ich ihr zu Füßen dar,
Die leichte Melodie,
Die meines Liedes Inhalt war,
Und meine Muse, sie.




An Friederike Unzelmann bei Uebersendung meiner Gedichte


Der Dichter will zur fernen Nachwelt dringen,
Doch auf den todten Blättern schläft sein Lied,
Bis eine seelenvolle Stimm' es weckt
Und freundlich in der Hörer engem Kreiße
Für ihn um einen stillen Beifall wirbt.
Der Bühne Kunst glänzt vor der Mitwelt Augen,
Die Zauber einer fremden Welt umstrahlen
Den Augenblick des Jubels, der Entzückung,
Und tausend hingeriß'ne Herzen glüh'n.
Doch ach! sie lebt nur in des Künstlers Leben,
Und sein unsterblich Werk stirbt hin mit ihm.
Die Nachwelt muß die schönen Wunder glauben,
Die sie nicht sah; kein Bild, kein schildernd Wort
Vermag des Lebens zarten Hauch zu faßen,
Die mächt'ge hochbeseelte Gegenwart.
Drum ist des Dichters Pflicht, davon zu zeugen,
Denn er allein entflammt die Phantasie,
Daß sich in ihr Gestalten frisch bewegen
Von nie geseh'nen Dingen: und so weckt er
In fernen ungebornen Menschenaltern
Zuschauer noch dem Liebling der Thalia.

Beschämt biet' ich dir diese Lieder an,
Wovon sich keins noch an dein Lob gewagt.
Wenn ich es leis' und schüchtern wohl versuchte,
Nahmst du die Huldigung, die dir gebührt,
Des abgedrungenen Gefühls Tribut,
Wohlwollend auf wie eine freie Gabe.
Wär' dieß ganz deiner würdig mir gelungen,
So hätt' ich wohl den schönsten Sieg errungen:
Denn aller Gunst ist sicher das Gedicht,
Das deinen Geist in holder Bildung spricht;
Der Grazien Geheimniß wird's entfalten,
Und sichtbar eine Muse drinnen walten.




Die Schauspielerin Friederike Unzelmann an das Publicum, als sie am Schluß des Schauspiels herausgerufen wurde


Geht in Frieden nur nach Haus,
Denn ich komme nicht heraus.
Schreit ihr doch bei jedem Plunder
Immer gleich: heraus! heraus!
Tobt nicht oft das ganze Haus,
Wie ein schwangrer Berg, o Wunder!
Und es kommt nur eine Maus.
Wer so willig kommt heraus,
Käme wahrlich bald herunter.
Drum, und machtet ihr's noch bunter,
Gieng' es drüber auch und drunter,
Bräch' mit Krachen ein das Haus
Von dem tollen Saus und Braus:
Heute regt sich keine Maus.
Meine Herrn, es wird nichts draus;
Geht in Frieden, geht nach Haus!
Lampenputzer, lösch' nur aus.




An Friederike Unzelmann als Nina


Von des Grames Träumereien,
Von verlornen Schwärmereien,
Nina, wurdest du geheilt.
Doch du hast die zarten Schmerzen
Und den Wahn bethörter Herzen
Allen Hörern mitgetheilt.




An Friedrich Schlegel


Im Herbst 1802.

O Bruder, mir entzogen
Durch fremder Länder Weiten,
So ungern eingebüßt!
Hat mich der Wunsch betrogen,
Dich immer zu begleiten
In Wißenschafts-Bezirken,
Und in der Kunst Gefilden
Gemeinsam stets zu bilden:
Sei mir auch so gegrüßt!
Obwohl gesellig Wirken
Die Tage mehr versüßt.

Du folgest deinen Zielen,
Und jedes Unternehmen
Des Forschersinns ist dein.
Uns gilt kein müßig Spielen:
Die schwache Zeit beschämen
Kann nur ein mächtig Streben;
Drum nährst du dich, der Starke,
Mit aller Zonen Marke
Und saugst die Vorwelt ein.
So muß ein vielfach Leben
In deiner Brust gedeihn.

Derweil dich Morgenblüthe,
Medschnuns und Leila's Liebe
In Persiens Gärten zieht;
Und schon dich dein Gemüthe
Hinlockt mit kühnerm Triebe,
Gleich weltumfahrnen Schiffern,
Zu lauschen, wie am Ganges
Getönt voll sel'gen Klanges
Manch indisch Blumenlied,
Und Weisheit zu entziffern
Aus heiliger Sanskrit:

Hält auf Hispaniens Fluren
An Manzanares Ufer
Mein Calderon mich fest.
Fantastischer Naturen
Viel Labyrinthe schuf er,
Doch triumphier'nder ringen
Die Lieder noch, entschleiert
Mysterien er, und feiert
Sein Phönix-Opferfest;
Daß mich ihm nachzusingen
Die Sehnsucht nie verläßt.

Und was wir beide ernten
Dem andern aufzuspeichern,
Ist uns willkommne Pflicht.
So mögen wir Entfernten
Einander doch bereichern.
Wie uns Natur gepaaret,
Als Brüder uns gesendet,
Und diesem mehr gespendet
Was jenem mehr gebricht:
Das hat mir offenbaret
Jüngsthin ein Traumgesicht.

Mir war, als hielt' zusammen
Uns Eine Rind' umschloßen
In hoher Baumgestalt.
Das Blut, von dem wir stammen,
Fühlt' ich, durch uns ergoßen,
In allen Pulsen rege;
Wie einst die umgeschaffne
Lorbeer-umgrünte Daphne
Gefühlt der Wurzeln Halt,
Da noch des Busens Schläge
Den weichen Bast durchwallt.

Und in dem engen Düster
War mir's, als ob mein Reden
In eins mit deinem schmolz.
Es wollte solch Geflüster
Uns wechselnd überreden
Zu theilen unsre Kräfte.
Ich sagte: Laß die Wurzeln
Fest in den Boden wurzeln
Zu gründen unser Holz.
Du sagtest: Treib die Säfte
Hinan zum Wipfel stolz.

Alsbald begann ein Brausen,
Ein Kreißen wurde munter
In Adern unsers Baums.
Du senktest ohne Grausen
Dich in die Nacht hinunter,
Und fandst den Weg ohn' Augen
Durch ehrne Felsenklammern
Zu kühler Waßer Kammern
Voll eisenschwangern Schaums.
Mich labte mit das Saugen
Des letzten Fasernsaums.

Ich aber ließ zum Gipfel
Empor die Keime sproßen
In heitrer Füll' umlaubt.
So schlang sich dicht der Wipfel
Aus Aesten, Zweigen, Sproßen;
Den Sternen, Mond und Sonne,
Den Lüften, Thau und Regen,
Streckt' ich die Arm' entgegen,
Und liebevoll das Haupt.
Du fühltest mit die Wonne,
Wie ich entzückt geglaubt.

Wir dachten froh: solch Walten
Der Eintracht soll uns schirmen,
Daß nie die Pflanz' erkrankt;
Es wird kein Blitz sie spalten,
Sie sinkt vor keinen Stürmen,
Und hören wir den Schatten
Von manchem Wandrer loben,
So spricht ein Wehn von oben,
Das säuselnd niederwankt:
Der Geister inn'gem Gatten
Wird solcher Wuchs verdankt.

O Bruder! wie verbündet
Wir schon so gut gerungen,
Daß nur der Neid es schilt;
Uns tiefer stets gegründet,
Uns höher stets geschwungen,
Uns weiter stets gebreitet,
Zwar mit getheilter Stärke,
Doch dienend Einem Werke:
Sagt es dir jenes Bild?
Ich habe mir's gedeutet,
Daß dieß auch ferner gilt.

Laß uns auf Fahrten denken,
Um Bahnen aufzuspüren
Im offnen Ocean.
Du sollst das Steuer lenken,
Du sollst das Senkblei führen,
Und auf die Nadel blicken;
Ich will die Anker lichten,
Ich will die Segel richten;
Wenn Stürm' und Wolken nahn,
Seh' ich, was sie uns schicken,
Den flücht'gen Wimpeln an.

Wenn wir dann glücklich landen
An eines Eilands Küsten,
Dem laue Düft' entwehn,
Erspähn wir, was vorhanden
In seinen holden Wüsten.
Ich Blum' und Kraut der Fluren,
Und Wild und bunt Gefieder;
Du läß'st zum Erze nieder
Die Wünschelruthe gehn,
Und kannst der Vorzeit Spuren
Im Steingepräge sehn.

Zur Heimat endlich eilend
Soll ruhig uns erfreuen
Jeglicher Müh' Ertrag.
Auch hier die Sorgen theilend,
Will ich die Saaten streuen,
Will Gärtner, Winzer werden,
Und gern der Reben warten;
Du thust indeß im harten
Gesteine manchen Schlag,
Und förderst aus der Erden
Edles Metall zu Tag.

Das giebst du meinen Händen,
So bild' ich künstlich Schalen
Und Trinkgefäße draus.
Wenn an des Hügels Wänden
Die Trauben purpurn strahlen,
Sollst du sie überkommen.
Dir gährt der Most im Keller,
Und sprudelt er nun heller,
Dann bringst du ihn heraus.
Ihr Freunde, seid willkommen
Zum festlich frohen Schmaus!

O Lust des edlen Schaffens!
O Wonne, nie zu schätzen,
Des freien Geistvereins!
Statt des Zusammenraffens
Von todten ird'schen Schätzen
Die Gottheit zu erkunden
In Welten und Naturen,
Der Dinge Signaturen,
Wie alles ewig eins.
Dieß Thun zu allen Stunden
Sei deines so wie meins.




An A.W. Schlegel


Wohl mancher leuchtende Frühling grünte,
Und mancher Sturmwind hat getobt,
Seit jugendlich sich der Muth erkühnte,
Und wir den hohen Bund gelobt;
Es brach die Welt sich wandelnd, schwankte,
Daß irrend alles abwärts wankte,
Doch unsre Freundschaft blieb erprobt.

Es rührt erquickend die Liebesfreude
In Sturm des Lebens an die Brust,
Ja hier ist vor des Geschickes Neide
Die schönste Freistaat uns bewußt.
Nur ist das holde Glück vergänglich,
Die ird'sche Blüthe zart und kränklich,
Ein Hauch ertödtet ihre Lust.

So wandelt alles, was blüh't und schwindet,
Nur Eines steh't unwandelbar.
Wie sich die brausende Woge windet,
Der Himmel wölbt sich fest und klar;
So strahlt in uns die starke Treue,
Frei von Begier und frei von Reue,
Durch allen Wandel hell und wahr.

Laß' Wellen denn über Wellen fliehen,
Wir haben's höher wohl gemeint;
Laß' wilder den Sturm zusammenziehen,
Wir bleiben eines Ziels vereint.
Wenn wir den Muth nicht sinken laßen,
So dürfen wir den Glauben faßen,
Daß noch ein heller Stern uns scheint.

So wie zwei Kämpfer, die heimlich steigen
Zur Nacht die Felsenkluft empor,
Den Waffenbrüdern den Weg zu zeigen,
Und zu erspäh'n das stille Thor;
Wenn sie dann endlich durchgedrungen,
Des Sieges Fahne hoch geschwungen,
Da strahlt die Sonne licht hervor;

So wandelten wir dem Ziel entgegen
Wohl einsam auf dem steilen Pfad;
Nun laß' sich freudig den Muth bewegen
Und herrlich blüh'n die volle Saat.
Der Schätze sind noch viel verborgen,
Wie sollten wir noch ängstlich sorgen,
Da der Erfüllung Stunde nah't.

Wie sollte der Unmuth sich dein bemeistern
Ob eitler Knaben schnödem Spiel,
Ob einer auch von den beßern Geistern
In Knechtes Wahn erniedert fiel!
Laß' unverzagt uns vorwärts schreiten!
Dir schlummern in den goldnen Saiten
Noch unbekannter Kräfte viel.

So wie der Gießbach über die Klippen
Mit wildem Strom zur Tiefe flieh't,
So braust begeistert mir von den Lippen
Ein ungeregelt Heldenlied;
Weil dir der Dichtkunst Füll' entfaltet,
Dem Auge rein und klar gestaltet,
Die Seelen magisch an sich zieh't.

Laß nicht die Schwermuth den Geist bezwingen,
Weil noch der Himmel donnernd droh't;
Auf sah man herrlicher stets sich schwingen
Den deutschen Geist aus Sturmesnoth:
Wie nach des Blitzes Flammenschlägen
Der Erd' entquillt der vollste Segen,
Ein neuer Frühling aus dem Tod.

Laß' denn hervor die Thaten wallen
Der alten und der neuen Zeit,
Und frei den vollen Gesang erschallen
Zu unsers Volkes Ruhm geweiht!
Die Vorwelt sei der Zukunft Spiegel,
Die Zeit empfängt in diesem Siegel
Die Weihe der Unsterblichkeit.

Ein jedes freue sich seiner Stelle,
Der Zeiten Streit verwirrt uns nicht;
Ein jeder labe sich an der Quelle
Und hell sei jedes Angesicht.
Dort, wo sich alle Zweifel lösen,
Trennt sich das Gute von dem Bösen
In ewig heiterm klaren Licht.

Friedrich Schlegel.





In der Fremde


Oft hab' ich dich rauh gescholten
Muttersprache, so vertraut!
Höher hätte mir gegolten
Südlicher Sirenenlaut.

Und nun irr' ich in der Ferne
Freudenlos von Ort zu Ort,
Und vernähm', ach wie so gerne!
Nur ein einzig deutsches Wort.

Manches regt sich mir im Innern,
Doch wie schaff' ich hier ihm Luft?
All mein kindliches Erinnern
Findet in mir seine Gruft.

Einsam schweif' ich in die Felder,
Such' ein Echo der Natur;
Aber Bäche, Winde, Wälder
Rauschen fremd auf dieser Flur.

Unverstanden, unbeachtet,
Wie mein deutsches Lied verhallt,
Bleibt es, wann mein Busen schmachtet,
Und in bangem Sehnen wallt.




Auf der Richtstätte der Jungfrau von Orleans zu Rouen


Hier schlugen dir die Flammen
Hoch überm Haupt zusammen,
Du heil'ges Heldenweib!
Doch ihrer Lohe Qualmen
Durchwehten Himmelspalmen,
Kühlend den reinen Leib.

Kein Wahn war das Gesichte,
Das einst in innerm Lichte
Dich machte glaubensstark:
Wie 's dich zum Sieg erlesen,
Sollt du im Tod genesen,
Edle Johanna d'Arc!

Mit göttlichem Erbarmen
Und liebend offnen Armen
Lehnt sich Maria hin,
Und Engelsflügel schlagen
Zu ihr empor zu tragen
Die holde Dulderin.

O falscher Lohn der Erde!
Wer strebt, daß der ihm werde,
Wie trügt ihn seine Wahl!
Die Frankreich hat errettet,
Seht hier sie festgekettet
Am schnöden Marterpfahl.

Zum Dank für hohe Thaten
Vom eignen Volk verrathen
Gespielt in Feindes Hand;
Beschuldigt und gerichtet
Nach dem, was Bosheit dichtet,
In Lügenkunst gewandt.

Dennoch die Magd unschuldig
Blieb standhaft und geduldig,
Erröthend nur der Schmach,
Wie sich von wüsten Rotten
Der Heiland ließ verspotten,
Und betend für sie sprach.

Dieß ist der Arm, der muthig
Das Banner trug, doch blutig
Gefärbet nie das Schwert.
Dieß ist die Brust, das Herze,
So schwellend unterm Erze
Nur keuschen Trieb genährt.

Verflogen nun zu Aschen,
Vom Fluß hinweggewaschen.
Aus diesem Sündenland;
Des hohen Geistes Spuren
Aus den erlös'ten Fluren
Vom Leichtsinn längst verbannt.

Ein Dichter, nein, ein Schmäher
Der frommen Gottesseher,
Verhöhnt das reine Weib:
Die Glorie der Geschichte
Dient euch im Schandgedichte
Zu eklem Zeitvertreib.

Fühllos Geschlecht, vermeßen
In eitelm Selbstvergeßen
Und kalter Schwindelei!
Der Treue fremd, dem Rechte,
Bald Dränger und bald Knechte,
Doch niemals mild' und frei!