Johannes Spangenbergs Sammlung Deutscher GedichteGoethe Scherenschnitt

Deutsche Gedichte, eine Anthologie

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Felix Dahn



Zweites Buch





Kaiser Rudolf von Habsburg und der Graf von Falkenstein


Vorm Falkenstein, vor'm Falkenstein des Reiches Herold rief:
»Herr Ruppert, laßt das Rauben sein! Lest Kaiser Rudolfs Brief:
Wer Friede bricht im Land und Recht mit Schwertgewalt und Zwang,
Der hängt, sei's Ritter oder Knecht, als Räuber an dem Strang.«
Da warf vom hohen Falkenstein der Graf ein hänfen Seil:
»Dem kleinen Schweizergräfelein, dem Krämerkaiser Heil!
Er hänge mich mit meinem Strang in meinem eignen Tor:
Doch bring' den Galgen, stark und lang, er hier heraus zuvor.«
Der Herold nahm das Seil und ging. Der Graf schickt Boten aus:
»Vogt Geierstein, Graf Drachenring, ich lad' euch in mein Haus.
Die Etschbrück' hält mein Bruder gut, sonst führt kein Paß herein:
So lang noch Wasser ersäufen tut, ist sicher der Falkenstein.«
Und es zog mit zwanzigtausend Mann der Kaiser landaus, landein:
Zwölf Richter zogen ihm voran, zwölf Henker hinterdrein.
Er zog mit Macht durch alles Land: er kam wie Sonnenschein,
Und wo er eine Raubburg fand, - gebrochen mußte sie sein;
Und es segneten Witwen und Waisen ihn, was schwach und schirmlos war
Und alle Geier mußten fliehn vor dem kaiserlichen Aar.
Doch als er kam gen Falkenschloß, ein Wolkenbruch geschah:
Die Etsch geschwellt wie wütend schoß, kein Steg war fern und nah.
Da hob der Kaiser fromm und rein die Hände gen Himmel auf:
»Laß hemmen nicht dies Wässerlein, Herr, deines Rechtes Lauf.
Ich selbst, der ich kann kein Wunder tun, mein Roß einst schenkt' ich dir: -
Du hilf mir durch dies Wasser nun, wie in der Schweiz ich dir.«
Sieh, da kam goldner Sonnenschein und vom Himmel kam Mittagsbrand:
Die wilde Etsch war zahm und klein, eh' der Abend ging ins Land.
Am zweiten Tag durch ihr Bette ging der Kaiser trocken und heil,
Am dritten Tag Graf Ruppert hing in seinem eignen Seil:
In seinem eignen Tor er hing: doch hing er nicht allein:
Es hing dabei Graf Drachenring und der Vogt von Geierstein.




Die Schlacht von Sempach


Sie zogen aus, ein stolzes Heer, die Bauern zu zertreten:
Ein Schallen ging vor ihnen her mit Hörnern und Trompeten:
Wohl hundertsiebzig Fehdebrief' sind auf uns eingeflossen:
Ein Schrecken durch die Lande lief: »Weh euch, ihr Eidgenossen.«

Die Ritterschaft von Österreich, Friaul, Tirol und Schwaben,
Viel mächt'ge Grafen, stolz und reich, viel übermüt'ge Knaben, -
Sie rühmten sich, ihr Banner hie auf jeden Berg zu pflanzen:
Ein Meer von Helmen brachten sie und einen Wald von Lanzen.

Uns bot nur Einer Hilfe dar, als alle Freund' uns irrten:
Der Gott, der David gnädig war, der alte Gott der Hirten:
Der blies mit seinem Hauch uns an, der hat's uns eingegeben:
»Viel lieber fallen Mann für Mann, als in der Knechtschaft leben.«

Bei Sempach in dem Seegefild stand hell im Strahl der Sonne
Mit Pfauenhelm und Adlerschild der Ritter Stolz und Wonne:
Das war von Östreich Leopold: - der Haß selbst muß ihn preisen: -
Sein Helm, sein Herz, sein Harnisch Gold, sein Langschwert kärntisch Eisen.

Er warf empor sein breit Panier und stolz rief er vor allen:
»Mit dieser Fahne will ich hier heut' siegen oder fallen.«
Der Ritter Horn ruft laut vor Lust, wie sich die Lanzen färben:
Und jeder Stoß in Bauernbrust und jeder Stoß zum Sterben.

Wir wichen nicht, doch Leib an Leib sank wie geschnittne Garben:
Sie dachten noch an Kind und Weib und seufzten, wie sie starben.
Da war's Herr Arnold Winkelried: - Gott lohnt ihm jetzt im Himmel: -
Der sterbend auseinander schied der Speere dicht Gewimmel.

Und in die Lücke, wo er fiel, sprang kühn vorauf uns allen
Herr Ammann Sigetrost von Biel, - den preist das Land mit Schallen:
Der schlug mit seinem Zimmerbeil den Truchseß Waldburg nieder
Und hinter ihm drang unser Keil zermalmend in die Glieder.

Jetzt half kein Harnisch mehr den Herrn, kein Helm blieb ungebrochen,
Schwer schlug die Axt, der Morgenstern durch Eisen und durch Knochen,
Dem flinksten Ritter frommt da nicht sein Fechten und Turnieren:
Das war ein Mordkampf eng und dicht, kein lustig Buhurdieren.

Bis er sein langes Schwert gezückt, stak ihm im Leib das Messer,
Nah war ihm unser Haß gerückt: - je näher, desto besser.
Und mancher sank, noch unverletzt, konnt' nimmer sich erraffen,
Bis elend ihn erstickt zuletzt der Stolz der eignen Waffen.

Da Markgraf rechts! Da Wildgraf links! Da Rauhgraf in der Mitten!
So mordend immer weiter ging's: - wir hatten Bauernsitten.
Jetzt freut euch, Mädchen von Luzern, von Schwyz und Unterwalden:
Da liegen schmucke reiche Herrn tot auf den blut'gen Halden.

Heut' hat der Tod hier ausgestellt die hellste Augenweide:
Gelb Gold und Seide deckt das Feld der armen Schweizerheide:
Wir bringen's euch in Händen nicht, nein, scheffelvoll nach Hause:
Hei Helmbusch bunt, hei Spange licht, hei Kette, Kron' und Krause!

Und mancher floh, vor Schrecken bleich, der lustig zog zur Fehde:
Doch Leopold von Österreich stand treu zu seiner Rede:
»Mit meinem Banner fall' ich hier!« so rief er unerschrocken:
Aus offnem Helm floß ihm die Zier der langen Fürstenlocken.

Es fällt sein Roß, sein Goldschild bricht, die Panzerringe klaffen,
Er aber läßt vom Stolze nicht und nicht von seinen Waffen:
Sein Schwert traf tödlich Zug um Zug, sein Trotz war nicht zu bannen,
Bis krachend er zusammenschlug gleich einer Edeltannen.

Und über ihn fiel sein Panier: - da war der Tag zu Ende
Und Gott im Himmel dankten wir und hoben fromm die Hände:
Denn er nur bot uns Hilfe dar, als alle Freund' uns irrten,
Der Gott, der David gnädig war, der alte Gott der Hirten!




Geißlerlied


Die Sünde der Welt ward allzu stark,
Gott will sie nun treffen in Nieren und Mark:
Der Engel der Pest hält schreckliche Runde:
Achthundert fielen in einer Stunde,
Die Häuser voll Jammer, die Straßen voll Leichen,
Am Himmel lodern flammende Zeichen,
Der pfundschwere Hagel die Saaten zerdrosch,
Es bebte die Erde, die Sonne verlosch: -
Tut Buße und geißelt das sündige Blut: -
Nur Blut allein macht den Herrgott gut.

Wir haben vergessen Herrn Christi Tod,
Die Dornen, die Nägel, die Wunden rot,
Wir haben gezecht und geküßt und geschlafen,
Des sollen nun ewige Flammen uns strafen;
Auf siebenmal lachen kam einmal beten,
Drum soll'n in den Abgrund die Teufel uns treten:
Schon strömen herab unerschöpflichen Borns
Die schrecklichen Schalen des göttlichen Zorns:
So büßet und opfert in Strömen von Blut:
Nur Blut macht den grollenden Herrgott gut.

Auf, hurtig am Markte die Scheiter entfacht
Und brecht in die Häuser der Reichen mit Macht,
Schleppt Sammet und Seiden und Zobel zusammen
Und Schmuck und Geschmeide, hei, werft's in die Flammen,
Und zerrt an den Glocken, daß heulend sie tosen,
Zerstampfet die Reben, zertretet die Rosen,
Wir künden ein neues, ein Bußtestament:
»Wer lächelt, der hänget, wer singet, der brennt!«
Ein Tropfe macht sieben Jahr Hölle gut:
Doch die Hölle ist ewig und wenig das Blut.




Die Mette von Marienburg


1.

»Nachtlockiges Weib, jagellonisches Blut,
So siegte doch endlich die süße Glut!
Lang' blieb ihr verhaßt der Deutsche, der Fremde,
Mit dem weißen Mantel auf schuppigem Hemde:
Doch endlich ward sie inne
Der siegenden Frau Minne,
Daß sie mir freud'ge Botschaft schrieb:
»O, komme, so wahr dir dein Leben lieb,
In der Christnacht auf Podol, mein Schloß.«
Nun, Greif, mein Rappe, mein wackres Roß,
Die schöne Feindin soll nicht warten!«

Und er zieht geheim in den Burgwallgarten
Am Zügel das leise wiehernde Tier:

»Schweig, trauter Greif, das rat' ich dir!
Wenn uns die Gebiet'ger erlauschten, die frommen,
Wir würden in sichern Verwahr genommen,
Und wir flögen wohl niemals wieder, wir beide,
Auf Minnefahrt durch Wald und Heide.«

Und sacht und rasch auf beschneitem Rasen
Führt er das Roß an die Ausfallpforte:

»Still, alter Hans, keine Predigtworte!
Willst du vielleicht das Lärmhorn blasen
Und den Priestern deinen jungen Herrn
Verraten, daß sie ihn fahn und sperrn
Sein Leben lang zu Brot und Wasser,
Die gottseligen Burgunderprasser?«

Da lachte Hans, dann sprach er ernst:

»Daß du doch niemals Sitte lernst!
O lieber Falk, mein Junker wert,
Weit ist gerühmt dein rasches Schwert:
Jedoch du läss'st nicht von der Minne!
Die frommt dem Deutschherrnritter nicht!

Wohin stehn dir heut' nacht die Sinne,
Heut' nacht, da heil'ge Christenpflicht
Uns alle ruft zur Mittnachtmette?«

»Auf Hans, rasch fort die Riegelkette!
Vielschönes Weib berief mich heiß!«

»Die Nogat geht in Trümmereis!« -

»Greif schwimmt gleich einem Neckarhecht!«

»Im Weichselwalde fährt sich's schlecht:
Dort rennen rudelweis die Wölfe.«

»Nicht fürcht' ich ihrer zehn und zwölfe!«

»Im Tanne von Podol verhohlen
Masuren bergen sich und Polen.«

»Gleich ihren Wölfen acht' ich sie:
Zwölf gegen einen fürcht' ich nie!
Rasch auf das Türlein! Greif, nun lauf:
Frau Aventiure, nimm mich auf!« -

2.

»Gesteh, du wilder, geliebter Mann,
Ob Zauber dir mein Herz gewann?
Du bist wie Sturm und Glut und Gewitter,
Bist heißer als all' die blonden Ritter,
Bist mark'ger als die Polenknaben:
Aus deinen dunklen Augen und Locken
Sprüht's und knistert's wie Feuerflocken,
Du bist wie Gold und Stahl und Flamme« -

»Schön Lieb, das rührt von meinem Stamme!
Ich bin vom freud'gen Volk der Schwaben,
Ich bin aus Deutschlands wonn'gem Süd,
Wo heißer Blut und Minne glüht!
Wer suchte wohl den Falk von Stauf
Heut' nacht bei schön Lodoiska auf!«

»Wie kamst du in den frommen Orden?«

»Der Heimat war ich urdrüß worden:
Mein Schwert schlief ein auf leichten Siegen:
Da drang der Ruf ins Neckarland:
- ›Die deutschen Herrn erliegen!
Marienburg wird heiß berannt,
Sie schüttelt kaum vom Nacken
Die Wölfe, die Polacken,
Und Tag um Tag tobt grimmes Morden.‹ -
Da dacht' ich: ›Falk, flieg aus nach Norden.‹
So trat ich in den frommen Orden:
Traun, nicht fürs Werk der Pfaffen,
Fürs freud'ge Werk der Waffen.«

»So magst du leichtern Herzens hören,
Was ich erst jetzt enthüllen kann:
Du kannst den Plan nicht mehr zerstören,
Der meinem Volk den Sieg gewann:
Als ich dich sterben sollte wissen,
Da ward mein Lieben grell mir klar:
Geliebter Mann, dich hat entrissen
Lodoiska sichrer Todgefahr:
Weißt du, weshalb ich dich beschworen
Heut' aus Marienburg hieher?
All' deine Brüder sind verloren,
Sie schaun den nächsten Tag nicht mehr!
Verrat erschließt das Nogattor
Beim letzten Schlag der Mitternacht:
Sechstausend Polen stehn davor:
Was drinnen lebt wird umgebracht.
So siegt mein Volk - die Deutschen fallen:
Doch du, der Einz'ge, sollst von allen,
Du wilder Edelfalke mein,
Durch mich, für mich gerettet sein:
Ich liebe dich! Komm an mein Herz« -

Auf fuhr der Stauf in Schreck und Schmerz:

»Marienburg! der Brüder Leben!
Gott, Flügel mußt du jetzt mir geben!«

Und eh' die Polin sich's versehn,
War schon der kühne Sprung geschehn
Vom Erkerfenster in den Schnee:

»Jetzt renne, Greif! sonst, ewig: Weh!«

3.

Den Nacken gesenkt, die Zügel verhängt,
Durch die Nacht kommt der rasende Reiter gesprengt.

Längst ließ er die Straße, verlor er den Pfad,
Nach Süden, nach Süden nur pfeilgerad!

Über der Heiden endlos Weiß,
Über der Bäche krachendes Eis,
Über die Schluchten von mürbem Schnee,
Über den spiegelglatten See,
Hinab die Halden, hinan die Hügel
Trägt ihn das Roß wie Adlerflügel:
Die Dornen reißen im heißen Hetzen
Vom flatternden, weißen Mantel Fetzen,
Schon gewann er den dichten Wald von Podol:
Zu seinen Häupten lacht es hohl: -
Das sind in den Föhrenwipfeln die Eulen.
Doch näher und immer näher heulen
Die Wölfe zur Rechten, die Wölfe zur Linken:
Dem Rappen wollen die Kniee sinken,
Es schnaubt, es zittert das edle Tier:

»Greif, Freund Greif, nicht bange dir!
Halt' aus, halt' aus! es gilt viel mehr
Als unser Leben: es gilt die Ehr'!
Laß sie nur kommen, die Hunde, die feigen:
Ich will ihnen schwäbisches Eisen zeigen.«

Und er klopft ihm den Hals - ausgreift das Roß -:
Ganz nah schon rennt der heulende Troß:
Zur Linken, zur Rechten sieht er sie jagen,
Doch den Ansprung will keiner wagen:
Herr Stauf zieht jetzt sein breites Messer:
Er schwingt's im Mondlicht - das scheucht sie besser:
Aber die eine, die Wölfin, die magre,
Die graue, die große, die hungrige, hagre,
Reißt endlich hin die lechzende Gier:
Sie springt auf den Bug dem schnaubenden Tier: -
Da fährt durch die Gurgel ihr scharfer Stahl,
Und die Sterbende schleudert Herr Falk zur Erde -
Und sofort sie zerfleischen die andern zumal
Und lassen vom Reiter und seinem Pferde. -
Der weiße Mantel ward blutig rot:
»Vorüber, Freund Greif, die Wolfesnot -

Aus dem Tann in das Freie jagt der Stauf; -
Was stutzt der Rappe? was hält ihn auf?
Vor ihnen welch' Gurgeln! der Mond tritt grell
Aus dunklem Gewölk: er leuchtet hell
Und ringsum kracht's und knistert und dröhnt:
Die Nogat ist's, die im Eisgang stöhnt!
Im Strahl des Monds, weiß, grün und grau,
Wogt Wasser und Eis - welch' grimme Schau!
Bald Fluten schwarz wie Todesnacht,
Bald Eisgezack kristallner Pracht:
Es rauscht, es knirscht, es zieht, es kracht: - -
Falk spornt das Roß: doch der treue Greif
Er sperrt sich todesbang und steif:
Die Vorderfüße vorgestemmt,
Den Hinterbug zurückgehemmt,
Die Mähne weht kopfüber wirr, -
So starrt er in das Eisgeklirr;
In die dunkle Flut, in den kalten Wind: - -

»Greif aus, mein Greif, geschwind, geschwind!
Schwimm durch! schwimm durch! es gilt viel mehr
Als unser Leben: es gilt die Ehr'!
Nun spring' und schwimm! es muß, es muß!«

Und in den eisigen, grollenden Fluß
Setzt der Rappe mit edlem Schwung:
Er springt und watet und schreitet und klimmt
Ans Ufer, ans steile, mit sichrem Sprung!
Da grüßet schon - das ist kein Stern! -
Das Licht Marienburgs von fern,
Das rote Licht vom Remterturm! -

Doch vor der Burg, wie ein ringelnder Wurm,
Was kauert und schleichet und lauert dort?

»Halt, Reiter, gib das Losungswort«
So ruft's in zischelndem Slawenton! -

»Der Teufel ist's, du Wolfessohn,
Der Teufel kömmt euch holen,
Ihr gottverfluchten Polen!«
So ruft Herr Falk und jagt vorbei:
Da hallt ein halb verhalt'ner Schrei:
»Nach, nach! mit allen Rossen!
Mit sausenden Geschossen,
Doch leis, daß von der Zinne
Man unser nicht wird inne.«

Und hinter dem keuchenden, schäumenden Rappen
Die kleinen polnischen Hufe klappen:
Und verrät der Mond den weißmant'ligen Reiter,
Dann schwirren die Pfeile: weit und weiter
Schon jagt er voraus: - noch einmal ein Schwarm
Von Geschossen auf Schulter und Rücken und Arm: -
Da hält er auch schon vor dem Nogattor:
Tot stürzt das Roß: - aus dem Sattel empor
Der Reiter springt und mit letzter Kraft
Schlägt er ans Tor das Schwert mit Macht,
Ein-, zweimal, drei: - und geisterhaft
Anschlägt die Glocke Mitternacht.
Er ruft: »Verrat! auf! auf!
Euch Brüder warnt der Stauf,
Laßt jetzt Gebet und Metten,
Das Leben gilt's zu retten!
Verrat erschließt das Nogattor
Beim letzten Schlag der Mitternacht -
Sechstausend Polen stehn davor -
Ich kann nicht mehr - es ist - vollbracht!«

Ein lauter Hornruf scholl vom Wall,
Rings Fackeln, Waffen überall:
Bald brachen wie Gewitter
Hervor die deutschen Ritter.
Die Polen flohn mit Eilen: -
Doch tot, mit sieben Pfeilen,
Hob man den Warner auf,
Den Schwaben Falk von Stauf!