Das rote Blümlein
Ein rotes Blümlein auf grüner Au,
Ein kleines Wölkchen an Himmels Blau,
Ein feines Mägdlein im leichten Kahn,
Es eilet, es eilet die Flut hinan.
Das Blümlein zittert auf grüner Au,
Das Wölkchen am Himmel wird schwarz und grau,
Das Mägdlein bebet im leichten Kahn,
Und mächtiger eilet die Flut hinan.
Das Blümlein zerstoben auf grüner Au,
Das Wölkchen verschwunden am himmlischen Blau,
Das Mägdlein versunken im leichten Kahn,
Es steiget die Flut die Höhen hinan.
Was stürmst Du, Flut, den Himmel hinan,
Was willst Du, gräulicher Wassersmann? -
O stolzer Knabe, sei ruhig, sei still,
Dein Spiel und Dein Traum und Dein Lieb ich will! -
Mein Spiel ist hin, und mein Traum ist hin,
Was kömmt Dir, Du törichter Mann, in den Sinn?
Mein Lieb lebt unter der brausenden Flut,
Und nimmer verlischt uns're Liebesglut.
Das rote Blümlein, das war mein Spiel,
Dem Wölkchen am Himmel traut' ich so viel,
Dem Mägdlein folgte mein ganzes Herz,
Durch Hütte und Kerker und Not allerwärts.
Und schlägt die Woge auch über ihm her,
Das Mägdlein erstehet aus Nacht und Meer,
Ich seh' es behalten so wohl auf dem Grund
Als wie es mir nah' vor den Augen stund.
Der deutsche Tribun
Es stand ein zierlicher Jüngling
Auf einem Hügel von Stein,
»O dürfte ich«, - rief er, »hinüber,
Hinüber bis über den Rhein!«
Die Welle zu meinen Füßen,
Da drüben den deutschen Grund!
So steh' ich, mich sehnend am Ufer
Tagtäglich zu jeder Stund'!
Ich bin der echteste Deutsche,
Verbannet, doch ohne Grund,
Ein Deutscher schon tausend Jahre! -
Und spöttisch lächelt sein Mund.
Ein Deutscher, trotz brauner Locken,
Der Falte inmitten der Stirn,
Dem trüben und bleichen Antlitz,
Und meinem so glühenden Hirn.
Wer war's, der sich so sinnig
An jenen Felsen gelehnt,
So wahrhaft sich und innig
Nach Deutschland hat gesehnt?
Er war's, der wackre Börne,
Der Meister vom Rechtsgefühl -
Der Deutschland ernsthaft liebte
Mit heißestem Pflichtgefühl!
Den Deutschland einstens verstoßen,
In Deutschland einstens verpönt,
Und der sich drum nicht minder
Nach Deutschland hat gesehnt.
Die Jagd
Hell der Himmel ist erleuchtet,
Sonnenstrahlen hin und her,
Frischer Tau den Rasen feuchtet,
Silbern glänzt das Jagdgewehr.
Eine Jagd ist's! Blutig jagend
Eilt der Jäger durch den Wald,
Für das Böse Alles wagend,
Mordruf weit und breit erschallt!
Aufgescheucht flieh'n junge Rehe
Von dem blut'gen Schauplatz fort,
Doch der Jäger Todesnähe
Eilet nach von Ort zu Ort.
Mit der Hast, dem wilden Grimme,
Der das Böse gern beschönt,
Der betäubend jene Stimme
Ernsten Mahnens wild verhöhnt.
Bei dem blut'gen Reh daneben
Steht der Schütze, blutig rot:
»Räche Gott, mein schuldlos Leben« -
Fleht das Tier vor seinem Tod.
Trotzig glänzt des Waidmanns Miene
Bei des jungen Rehes Blut
Und es war, als wenn's ihm schiene
Heute hätt' er Glück und Gut! -
»O, daß ich den Bock erwische«
Und so stürzt er rasend fort,
Und bleibt hängen im Gebüsche,
Fremdes Roß, es tummelt dort;
Schleift den Jäger zu der Haide,
Wo das Tier getroffen liegt,
Still am Boden liegen Beide,
Schuldlos Reh hat obgesiegt!
Endlich macht es eine Runde,
Endlich steht das wilde Roß,
Doch in selbiger Sekunde
Geht des Jägers Büchse los!
Jäger schaut's mit stierem Blicke,
Schmerz durchzuckt sein Angesicht:
Jäger, traue Deinem Glücke,
Deiner wilden Jagdlust nicht! -
Amerika
Amerika, Du Land der Träume,
Du Wunderwelt so lang und breit,
Wie schön sind Deine Kokosbäume,
Und Deine rege Einsamkeit!
Mit Deinen blau und roten Vögeln,
Mit Deinem stolzen Blumenheer,
Mit Deinen tausend Schiff' und Segeln,
Von denen voll Dein weites Meer.
Mit Deinen smaragdgrünen Blättern,
Mit Deiner duftig kühlen Nacht,
Zu nah'n Dir auf des Schiffes Brettern,
D'ran hab' als Kind ich schon gedacht!
Trotz Deiner prächtig bunten Schlangen,
Trotz Deiner heißen Sonnenglut,
Gilt Dir mein eifriges Verlangen,
Das mächtig nun und nimmer ruht! -