Sonnenuntergang und Aufgang
Ein Sonnenuntergang, der Untergang
Desjenigen Volks, das einst so hoch gestrahlt,
Siehst Du die Streifen, purpurrot und lang,
Den jeder Untergang am Himmel malt -
El fresco , blutig halb, halb rosenrot,
Als zögen Schmerz und Unschuld Hand in Hand -
Ein stürmisch Leben, ein erhabner Tod -
Ein siegreich Dulden, das nichts überwand.
Welch' großes Bild! im Hintergrunde Tag,
Im Vordergrunde tiefe Nacht man sieht,
Ein Volk, das tief im Staube kniet -
Hoch über seinem Haupt die Prüfung lag -
Und Tränen, Dornen, Ketten, aller Art -
Und harte, gift'ge Zungen lauern dort -
Und Herzen, ihnen gegenüber, hart
Wie Stein, und wie der stille Mord.
Und Angst und jähe Flucht und bleiche Not
Mit tausend Schrecken, Qualen, wechseln ab,
- Ein Schatten-Leben und ein rascher Tod, -
In düsterm Flammen-, frischem Wellengrab.
Das Volk sieht lange sich die Prüfung an:
Das Unglück, wie es leibt und lebt und stirbt,
Und wie es, demütig auf steilem Pfad hinan,
Um einen kalten Blick des Mitleids wirbt!
Im Vordergrunde Nacht - im Herzen Licht,
Im Herzen jenes Morgenrot
Des Glaubens und der Zuversicht -
Erhaben über Finsternis und Tod -
Sie überdauernd, überdauernd Raum und Zeit,
Sie umgestaltend in den ewigen Tag -
Sie umgestaltend in Unsterblichkeit:
Das gläub'ge Volk hofft es bei jedem Schlag;
Das Volk sieht in den Abgrund tief hinab,
Und ruft: ich werde leben! Gott mit mir!
Geb't mir zur Reise um die Welt den Stab,
- Den Glauben - ihn allein nehm' ich mit mir.
Und überall verkünd' ich Gottes Wort,
Ein Weltalls-Prediger, bewährt durch Tat,
Als Glaubensbild weil' ich an jedem Ort,
Ein Gotteslehrer und - der Völker Rat. -
Hier steht das Mißgeschick, doch dicht der Glaube,
Dort steht das irdsche Glück, mit ihm das Nichts -
Hier bist Du jedem irdschen Schmerz zum Raube,
Allein Du bleibst ein Sohn des ew'gen Lichts -!
So rief ein Engel unter Lorbeerzweigen,
Und zeigte nochmals Tag und Nacht zugleich,
Und todesmutig sie die Häupter neigen,
Und rufen laut:
wir wählen ew'ges Reich .
Auf meinen am 15. November 1890 dahingegangenen Papagei
Allgeliebter Vogel Du,
Gingest auch zur ewigen Ruh
Liebenswürdig zahm und zart
Und von selten geistiger Art!
Warst mir zweiundzwanzig Jahr,
Was kein Anderer mir war,
Steter Freund, ach lebenslang,
Nehme meinen heißen Dank.
Mancher hat Dich arg betrübt,
Weil Du allgemein beliebt,
Gönnte diesen Trost mir nicht,
- Das ist Wahrheit im Gedicht -
Nochmals Dank für Deine Treu!
Lebe dorten auf, auf's neu -
Jeder Geist er lebet fort,
Glücklich sei an jedem Ort!
An denselben
Den ersten Gruß am Morgen
Empfing ich stets von Dir,
Und Herz und Geist und Seele
Lag in dem Ton zu mir.
Du wirst mir immer fehlen,
Stets bange bleibt's nach Dir,
Du süßer Jakob, Kobusch
Bleibst unvergessen hier.
Seit zweiundzwanzig Jahren,
Seit meiner Mutter Tod,
Warst Du mein treu Gefährte
In Freude, Schmerz und Not!
Du bist nicht fortgewichen
Von ihrem Totenbett
Und warst Dein ganzes Leben
Stets geistvoll, klug und nett.
Du wirst mir immer fehlen,
Stets bange bleibt's nach Dir,
Du süßer Jakob, Kobusch
Bleibst unvergessen hier.
Und mehr warst Du beweinet,
Als mancher Mensch vor Dir,
O, Koberle, o Jakob,
Bleibst unvergeßlich mir.
Eine Blume ist gebrochen,
Hier für immerdar, -
Und die edle Fürstin zählte
Vierundzwanzig Jahr.
Wer des Lebens Glück gekostet
Und dann rasch entflieht,
Kennt nicht seine Dissonanzen,
Hörte nur sein Lied.
Und mich dünkt, in solcher Jugend
Enden leichter sei,
Wie die Töne leicht sich lösen
Einer Melodei.
Nach dem Gesetz über die Pensionierung der Arbeiter
Das Echo schall' es weit,
Es tagt Gerechtigkeit,
Es lauschet Menschlichkeit:
Kommt eine bessere Zeit?
Ob Not und Elend flieht
Aus mächtigstem Gebiet.
Es war ein Hohenzollernwort, -
Und Kaiser Friedrich freut sich dort.