Welch' Schreckenstille herrschet hier,
Bin ich allein, ich bin allein!
Entsetzen, ach, ein Grauen schier
Erfaßt mich, so allein zu sein. -
Es nahm mir viel, - fast rätselhaft
Ist des Geschickes Grausamkeit,
Beeil dich, Mut, beeil dich, Kraft,
Zu kürzen mir die öde Zeit.
Der Menschheit Traum - die Kunst - verhindert hin -
Nichts als des Daseins anspruchsvoller Sinn!
Doch halt, doch nein; das Größte ist bei Dir:
Gott ist, ist überall, und ist auch hier.
Prall nicht an, prall nicht an,
Steine gibt es überall,
Und man kann, und man kann
Haben einen bösen Fall;
Stoß nicht an, stoß nicht an,
Böse Menschen gibt es viel,
Und man kann, und man kann
Kommen in ein böses Spiel;
Halt zurück, halt zurück
Deine Meinung, deinen Blick
Und die Klugheit, und das Glück
Leiten weise dein Geschick.
Wanderlied
Türe auf, Türe zu,
Niemals Rast, niemals Ruh',
Schöne Damen, liebe Herr'n
Kaufet freundlich, kaufet gern,
Brauch's auf Brot, und brauch's auf Bier,
Und das gönnt ihr sicher mir.
Türe auf, Türe zu,
Niemals Rast, niemals Ruh',
In der Kälte, in der Glut,
Keiner meiner Füße ruht,
Such' am Herde einen Platz,
Finde keinen, keinen Schatz.
Schöne Damen, liebe Herr'n
Kaufet freundlich, kaufet gern,
Komm aus fernem Lande her
Und dem Fremdling wird's so schwer:
Türe auf, Türe zu,
Niemals Rast, niemals Ruh'!
Der Goldfischer
Am Rande des Meeres
Am Rande der Flut,
Da weilet der Knabe,
Gar freundlich und gut;
Er stahl seinem Vater
Die Goldfischlein sein
Und wirfet sie wieder
Ins Meer hinein.
Der Vater, er jaget
Dem Ufer entlang,
Da wird ach dem Knaben,
So ängstlich und bang;
Er fürchtet den Vater,
Es sinkt ihm der Mut,
Fast möchte er lieber
Hinab in die Flut.
Da färbt sich das Wasser,
Wird schwarz und wird grün
Und weiße Gespenster
Darüber hinziehn;
Die Tiefe, sie donnert,
Der Abgrund geht auf,
Die Fluten beginnen
Den rasenden Lauf.
Sie stoßen den Knaben
Den Goldfischlein nach:
Das rufet des Vaters
Gewissen erst wach.
An den Lorbeer
Ich liebe Dich - ich will's gestehen
Mehr als das erste Frühlingswehen,
Dein süßer Duft, der ewig währt -
Ist in der ganzen Welt geehrt -
Doch nicht des Siegeslorbeers Blatt -
Wer es empfängt, getötet hat -
Der schmale, schön gezackte ist's:
Du dunkelgrüner Lorbeer bist's.
Du lässest den Menschen steigen
Hinauf bis zum höchsten Berg,
Dann lässest Du ihn sinken
Hinab bis zu einem Zwerg. -
Menschenliebe, Zauberwort,
Das die Welt vereinet,
Menschenhaß ist Seelenmord,
Guter Engel weinet -
Leidenschaften wilde Glut
Unbewußt verheeret, -
Unbewußt sie Böses tut,
Bis sie sich zerstöret.
Sie ist nicht von Gott gesandt,
Der die Güte einst erfand,
Flammen in den Abgrund bannt.
Sein und gut ist, was da ist -
Unser ist nur eine Frist,
Ob man gut, ob böse ist. -
Ströme, milde Frühlingsluft
In das Haus hinein,
Ströme, milder Frühlingsstrahl
Auch ins Herz hinein. -
In die Herzen hart wie Stein,
Kalt wie Kupfergeld,
Schmelze drei Lawinen drein,
Hochmut, Selbstsucht, Geld!