An Gott
A nice and subtle happiness I See
Thou to thy self proposest, in the choice
Of thy associates.
Ein stiller Schauer deiner Allgegenwart
Erschüttert, Gott! mich. Sanfter erbebt mein Herz,
Und mein Gebein. Ich fühl', ich fühl' es,
Dass du auch hier, wo ich weine, Gott! bist.
Von deinem Antlitz wandelt, Unendlicher,
Dein Blick, der Seher, durch mein eröffnet Herz.
Sey vor ihm heilig, Herz, sey heilig,
Seele, vom ewigen Hauch entsprungen!
Verirrt mich Täuschung? oder ist wirklich wahr,
Was ein Gedanke leise dem andern sagt?
Empfindung, bist du wahr, als dürf' ich
Frey mit dem Schöpfer der Seele reden?
Gedanken Gottes, welche der Ewige,
Der Weis' itzt denket! wenn ihr den menschlichen
Gedanken zürnet: o wo sollen
Sie vor euch, Gottes Gedanken! hinfliehn?
Flöhn sie zum Abgrund; siehe, so seyd ihr da!
Und wenn sie bebend in das Unendliche
Hineilten; auch im Unbegränzten,
Wärt ihr, allwissende! sie zu schauen!
Und wenn sie Flügel nähmen der Seraphim
Und aufwärts flögen, in die Versamlungen,
Hoch ins Getön, ins Halleluja,
In die Gesänge der Harfenspieler;
Auch da vernähmt ihr, göttliche Hörer! sie.
Flieht denn nicht länger, seyd ihr auch menschlicher,
Flieht nicht; der ewig ist, der weiss es,
Dass er in engen Bezirk euch einschloss.
Des frohen Zutrauns! ach der Beruhigung,
Dass meine Seele, Gott! mit dir reden darf!
Dass sich mein Mund vor dir darf öffnen,
Töne des Menschen herabzustammeln!
Ich wag's, und rede! Aber du weisst es ja,
Schon lange weisst du, was mein Gebein verzehrt,
Was, in mein Herz tief hingegossen,
Meinen Gedanken ein ewig Bild ist!
Nicht heut erst sahst du meine mir lange Zeit,
Die Augenblicke, weinend vorübergehn!
Du bist es, der du warst; Jehova
Heissest du! aber ich Staub von Staube!
Staub, und auch ewig! denn die Unsterbliche,
Die du mir, Gott! gabst, gabst du zur Ewigkeit!
Ihr hauchtest du, dein Bild zu schaffen,
Hohe Begierden nach Ruh und Glück ein!
Ein drängend Heer! Doch Eine ward herlicher
Vor allen andern! Eine ward Königin
Der andern alle, deines Bildes
Letzter und göttlichster Zug, die Liebe!
Die fühlst du selber, doch als der Ewige;
Es fühlen jauchzend, welche du himlisch schufst,
Die hohen Engel deines Bildes
Letzten und göttlichsten Zug, die Liebe!
Die grubst du Adam tief in sein Herz hinein!
Nach seinem Denken von der Vollkommenheit,
Ganz ausgeschaffen, ihm geschaffen,
Brachtest du, Gott! ihm der Menschen Mutter!
Die grubst du mir auch tief in mein Herz hinein!
Nach meinem Denken von der Vollkommenheit,
Ganz ausgeschaffen, mir geschaffen,
Führst du sie weg, die mein ganzes Herz liebt!
Der meine Seele ganz sich entgegen giesst!
Mit allen Thränen, welche sie weinen kann,
Die volle Seele ganz zuströmet!
Führst du sie mir, die ich liebe, Gott, weg!
Weg, durch dein Schicksal, welches, unsichtbar sich
Dem Auge fortwebt, immer ins Dunklre webt!
Fern weg den ausgestreckten Armen!
Aber nicht weg aus dem bangen Herzen!
Und dennoch weisst du, welch ein Gedank' es war,
Als du ihn dachtest, und zu der Wirklichkeit
Erschaffend riefst, der, dass du Seelen
Fühlender, und für einander schufest!
Das weisst du, Schöpfer! Aber dein Schicksal trent
Die Seelen, die du so für einander schufst,
Dein hohes, unerforschtes Schicksal,
Dunkel für uns, doch anbetungswürdig!
Das Leben gleichet, gegen die Ewigkeit,
Dem schnellen Hauche, welcher dem Sterbenden
Entfliesst; mit ihm entfloss die Seele,
Die der Unendlichkeit ewig nachströmt!
Einst löst des Schicksals Vater in Klarheit auf,
Was Labyrinth war; Schicksal ist dann nicht mehr!
Ach dann, bey trunknem Wiedersehen,
Giebst du die Seelen einander wieder!
Gedanke, werth der Seel' und der Ewigkeit!
Werth, auch den bängsten Schmerz zu besänftigen!
Dich denkt mein Geist in deiner Grösse;
Aber ich fühle zu sehr das Leben,
Das hier ich lebe! Gleich der Unsterblichkeit,
Dehnt, was ein Hauch war, fürchterlich mir sich aus!
Ich seh', ich sehe meine Schmerzen,
Gränzenlos dunkel, vor mir verbreitet
Lass, Gott, diess Leben, leicht wie den Hauch entfliehn!
Nein, das nicht! gieb mir, die du mir gleich erschufst!
Ach, gieb sie mir, dir leicht zu geben!
Gieb sie dem bebenden, bangen Herzen!
Dem süssen Schauer, der ihr entgegen wallt!
Dem stillen Stammeln der, die unsterblich ist,
Und sprachlos ihr Gefühl zu sagen,
Nur, wenn sie weinet, nicht ganz verstummet.
Gieb sie den Armen, die ich voll Unschuld oft,
In meiner Kindheit, dir zu dem Himmel hub,
Wenn ich, mit heisser Stirn voll Andacht,
Dir um die ewige Ruhe flehte.
Mit Einem Winke giebst du, und nimst du ja
Dem Wurm, dem Stunden sind wie Jahrhunderte,
Sein kurzes Glück; dem Wurm, der Mensch heisst,
Jähriget, blühet, verblüht, und abfällt.
Von ihr geliebet, will ich die Tugend schön
Und selig nennen! will ich ihr himlisch Bild.
Mit unverwandten Augen anschaun,
Ruhe nur das, und nur Glück das nennen,
Was sie mir zuwinkt! Aber o frömmere,
Dich auch, o die du ferner und höher wohnst,
Als unsre Tugend, will ich reiner,
Unbekant, Gott nur bemerket, ehren!
Von ihr geliebet, will ich dir feuriger
Entgegenjauchzen! will ich mein voller Herz,
In heissern Hallelujaliedern,
Ewiger Vater, vor dir ergiessen!
Dann, wenn sie mit mir deinen erhabnen Ruhm
Gen Himmel weinet, betend, mit schwimmendem
Entzücktem Auge; will ich mit ihr
Hier schon das höhere Leben fühlen!
Das Lied vom Mittler, trunken in ihrem Arm
Von reiner Wollust sing' ich erhabner dann
Den Guten, welche gleich uns lieben,
Christen wie wir sind, wie wir empfinden.
Oden. Zweiter Band
An den Kaiser
Cui tres animas ...
Den Priester rufst du wieder zur Jüngerschaft
Des grossen Stifters; machest zum Unterthan
Den jöchbeladnen Landmann; machst den
Juden zum Menschen. Wer hat geendet,
Wie du beginnest? Wenn von des Ackerban's
Schweiss nicht für ihn auch triefet des Bauren Stirn,
Pflügt er nicht Eigenthum dem Säugling,
Seufzet er mit, wenn von Erndtelasten
Der Wagen seufzt: so bürdet Tirannenrecht
Dem unterdrückten Landeserhaltung auf,
Dienst, den die blutge Faust des stärkern
Grub in die Tafel. Und die zerschlägst du!
Wen fasst des Mitleids Schauer nicht, wenn er sieht,
Wie unser Pöbel Kanaans Volk entmenscht!
Und thut der's nicht, weil unsre Fürsten
Sie in zu eiserne Fessel schmieden?
Du lösest ihnen, Retter! die rostige,
Engangelegte Fessel vom wunden Arm;
Sie fühlen's, glauben's kaum. So lange
Hat's um die elenden hergeklirret!
Wir weinten Unmuth, dass uns der Römer Rom
Zwar nicht beherschte, aber doch peinigte:
Und blutig ist die andre Thräne,
Dass uns der Römlinge Rom beherschet!
Dass Deutschlands Kaiser Biegel des Zelters hielt!
Dass Deutschlands Kaiser nackt um des Buhlen Schloss
Herging, erfror; wenn nicht Matildis ...
Aber du komst kaum, und siehst; so siegst du!
Nun mag der kronentragende Obermönch,
Mit allen seinen purperbemäntelten
Mönchlein, das Kanonsrecht, wie weit es
Walte, beschielen. Du hast gesehen!
Ausgewählte Oden und Elegien
An Herr Schmidten
Der du mir gleich bist, den die Unsterblichen
Höhern Gesängen neben mir auferziehn,
Schau mit mir, Schmidt, auf unsrer Freundschaft
Zärtliche Jugend zurück und fühle,
Was du da fühltest, als in Umarmungen,
Die uns zusegnend der im Olympus sah,
Dein großes Herz mehr deinem Freunde
Als nur gesungene Freundschaft weihte.
Eh wir den Menschen kannten, den göttlichen,
Wenn er durch Taten den, der ihn schuf, verehrt,
Den tiefsten Pöbel aller Geister,
Wenn er sich selbst, wenn er Gott verkennet;
Eh noch des Nachruhms lockender Silberton
Dem Ohre süß klang, eh er allmächtig uns
Mit sich im Wirbelstrome fortriß:
Liebten wir uns unbemerkt und glücklich.
Zwar horcht auch oft schon unser früh waches Ohr
Nicht ganz unschuldig, ganz nicht unwissend mehr,
Wenn von den liedervollen Hügeln
Dichtern die Ewigkeit lächelnd zurief.
Noch jung und furchtsam bebte die Ehrbegier
Durch unser Herz hin. Freund, dann umarmt ich dich,
Da hast du mir die schönsten Tränen,
Welche mir jemals mein Herz durchdrungen,
Auf meine Wangen jugendlich hingeweint:
Tränen der Freundschaft, Tränen der Ehrbegier,
Wenn du mit seelenvollem Auge
Bald mich umarmtest, bald Miltons Schatten
Auf heilgern Bergen, als der Parnassus ist,
Von Seraphinen und von Uranien
Allein besucht, sahst, menscheneinsam
Unnachgeahmt ohne Nebenbuhler.
Ich sah dich still an, und nur Uranien
Allein bemerket, dir aber unbemerkt,
Weissagend, in prophet'schem Geiste,
Segnet ich, Schmidt, dich zum heilgen Dichter.
Verhängnisse
Königen gab der Olympier Stolz, und sklavischen Pöbel
Um den gefürchteten Thron:
Weisheit gab er den Königen nicht; sonst hielten sie Menschen
Nicht für würgbares Vieh.
Philosophen gab er den Traum, da Wahrheit zu suchen,
Wo sie zu finden nicht ist:
Priestern den Wahn, die göttlichste Wahrheit durch alles zu lehren,
Nur durch Tugenden nicht.
Alles dies gab er im Zorn. Sehr wenig Könige weihen
Ihr erhabenes Amt
Durch ein Gott nachahmendes Wohltun, das über die Menschheit
Sterbliche Menschen erhöht.
Wenig Philosophen erreichen die nähere Weisheit,
Die Glückseligkeit ist.
Selten wandeln Priester dem nach, der lebend sie lehrte,
Und viel weniger sprach.
Tugend gab er nicht Menschen, die gab er Engeln. Ihr Bildnis
Ließ er den Sterblichen nur.
Mir gab er die singende Leier, und redliche Freunde.
Wollt ich, was größer noch ist,
Wollt ich der Himmlischen Glück, die selige Liebe noch bitten,
O so bät ich zu viel!
O so bät ich auch Tugend! Die gab er Engeln! Ihr Bildnis
Ließ er den Sterblichen nur.
Ist die Leier der Weisheit nicht heilig, und singet sie jemals
Was Geringers als sie;
Lieb ich die Freunde nicht treu, die so voll Freundschaft mich lieben,
O so sind mir von ihm,
Alles was er mir gab, auch die unvergeltbarsten Gaben,
Auch im Zorne verliehn.
Auf meine Freunde
Wie Hebe kühn, und jugendlich ungestüm,
Wie mit dem goldnen Köcher Latonens Sohn,
Unsterblich, sing' ich meine Freunde,
Feiernd in mächtigen Dithyramben.
Willst du zu Strophen werden, o Lied, oder
Ununterwürfig Pindars Gesängen gleich,
Gleich Zeus erhabnen trunknen Sohne,
Frei aus der schaffenden Seele taumeln?
Die Wasser Hebrus wälzten sich adlerschnell
Mit Orpheus Leier, welche die Haine zwang,
Daß sie ihr folgten, die die Felsen
Taumeln, und himmelab wandeln lehrte.
So floß der Hebrus; großer Unsterblicher,
Mit fortgerissen folgte dein fliehend Haupt
Blutig, mit toter Stirn, die Leier
Hoch im Getös ungestümer Wogen.
So floß der Fluß, des Oceans Sohn, daher;
So fließt mein Lied auch, ernst und gedankenvoll;
Des spott' ich, der es unbegeistert,
Richterisch und philosophisch höret.
Den segne, Lied! ihn segne mit festlichen
Entgegengehnden hohen Begrüßungen,
Der dort an dieses Tempels Schwellen
Göttlich, mit Reben umlaubt, hereintritt.
Dein Priester wartet, Sohn der Olympier!
Wo bleibst du, kommst du von dem begeisternden
Pindus der Griechen? oder kommst du
Von den unsterblichen sieben Hügeln,
Wo Zeus und Flaccus nebeneinander, wo
Mit Zeus und Flaccus, Scipio donnerte,
Wo Maro mit dem Capitole,
Um die Unsterblichkeit, göttlich zankte?
Stolz mit Verachtung sah er die Ewigkeit
Von Zeus Palästen: »Einst wirst du Trümmer sein,
Dann Staub, dann des Sturmwinds Gespiele,
Du Capitol, und du Gott der Donner!«
Wie oder kommst du von der Britannier
Eiland herüber? Göttercolonien
Sendet vom Himmel Gott den Briten,
Wann er die Sterblichen dort beseelet.
Sei mir gegrüßet! Mir kommst du stets gewünscht,
Wo du auch herkommst, Sohn der Olympier!
Lieb vom Homerus, lieb vom Maro,
Lieb von Britanniens Göttereiland!
Aber geliebter, trunken und weisheitsvoll
Von Weingebürgen, wo die Unsterblichen
Taumelnd herumgehn, wo die Menschen
Unter Unsterblichen, Götter werden.
Da kommst du itzt her. Schon hat der Rebengott
Sein hohes geistervolles Horn über dich
Reich ausgegossen, Evan schaut dir,
Ebert, aus hellen verklärten Augen.
Dir streute, Freund, mein Genius Rebenlaub,
Der unsern Freunden rufet, damit wir uns,
Wie in den Elysäer Feldern,
Unter den Flügeln der Freud' umarmen.
Sie kommen.
Cramern geht Polyhymnia
Mit ihrer hohen tönenden Leier vor.
Sie geht und sieht auf ihn zurücke,
Wie auf den hohen Olymp der Tag sieht.
Sing, Freund, noch Hermann. Jupiters Adler weckt
Dein Lied von Hermann schon voll Entzücken auf;
Sein Fittig wird breiter, der Schlummer
Wölkt sich nicht mehr um sein feurig Auge.
Die deutsche Nachwelt, wann sie der Barden Lied -
Wir sind die Barden - künftig in Schlachten singt,
Die wird dein Lied hoch im Getöse
Eiserner Kriege gewaltig singen.
Schon hat den Geist der Donnerer ausgehaucht;
Schon wälzt sein Leib sich blutig im Rheine fort;
Doch bleibt am leichenvollen Ufer
Horchend der flüchtige Geist noch schweben,
Itzt reißt dich Gottes Tochter, Urania,
Allmächtig zu sich. Gott der Erlöser ist
Dein heilig Lied. Auf! segn' ihn, Muse!
Segn' ihn zum Liede der Auferstehung!
Doch, Freund, du schweigst, und siehest mich Weinenden!
Ach! warum starbst du? Göttliche Radikin!
Schön, wie die junge Morgenröte,
Heilig und still, wie ein Sabbat Gottes!
Nimm diese Rosen,
Giseke ! Lesbia
Hat sie mit Zähren heute noch sanft benetzt,
Als sie dein Lied mir, von den Schmerzen
Deiner Gespielin, der Liebe, vorsang.
Du lächelst, Freund! Dein Auge voll Zärtlichkeit
Hat mir dein Herz schon dazumal zugewandt,
Als ich zum erstenmal dich sahe,
Als ich dich sah, und du mich nicht kanntest.
Wenn ich einst tot bin, Freund, so besinge mich!
Dein Lied voll Tränen soll den entfliehenden,
Dir treuen Geist, noch um dein Auge,
Das mich beweint, zu verweilen zwingen.
Dann soll mein Schutzgeist, schweigend und unbemerkt,
Dreimal dich segnen, dreimal dein heilig Haupt
Umfliegen, und nach mir beim Abschied
Dreimal noch sehn, und dein Schutzgeist werden.
Hasser der Torheit, aber auch Menschenfreund,
Allzeit gerechter
Rabner ! dein heller Blick,
Dein lächelnd Antlitz ist nur Freunden,
Freunden der Tugend, und deinen Freunden
Stets liebenswürdig. Aber dem Tor bist du
Stets furchtbar. Lach' ihn ohne Barmherzigkeit
Tot. Laß kein unterwürfig Lachen,
Freund, dich im strafenden Zorne stören!
Stolz und demütig ist der Tor lächerlich.
Sei unbekümmert, wüchs auch der Narren Zahl
Stets; wenn zu ganzen Völkerschaften
Auch Philosophen die Welt bedeckten:
Wenn du nur einen jedes Jahrhundert nährst,
Und weisern Völkerschaften ihn zugesellst;
Wohl dir! wir wollen deine Siege,
Die wir prophetisch sehn, feierlich singen.
Der Nachwelt winkend setz' ich dein heilig Bild
Zu Lucianen hin, und zu Swiften hin.
Hier sollst du, Freund, den Namen (wenig'
Führten ihn) des Gerechten führen.
Lied! werde sanfter! fließe gelinder fort!
Wie auf die Rosen hell aus Aurorens Hand
Der Morgentau träufelt; dort kömmt er,
Heiter, mit lächelnder Stirn, mein
Gellert !
Dich soll der schönsten Mutter geliebteste
Und schönste Tochter lesen, und reizender
Im Lesen werden, dich in Unschuld,
Sieht sie dich etwa wo schlummern, küssen.
Auf meinem Schoß, in meinen Umarmungen
Soll einst die Fanny, welche mich lieben wird,
Dein süß Geschwätz mir oft erzählen,
Und es zugleich an der Hand, als Mutter,
Die kleine Fanny lehren. Die Tugend, Freund,
Zeigt auf dem Schauplatz niemand allmächtiger,
Als du! Da die zwo edlen Schönen,
Voll von gesetzter und stiller Großmut,
Viel tausend Schönen ewig unnachahmbar,
Unter die Blumen ruhig sich setzeten,
Da weint' ich, Freund, da flossen Tränen
Aus dem gerührten, entzückten Auge.
Da stand ich betend, ernst und gedankenvoll.
O Tugend, rief ich, Tugend, wie schön bist du!
Welch göttlich Meisterstück sind Seelen,
Die, dich in sich hervorzubringen, stark sind!
Noch zweene kommen! den hat vereintes Blut
Unsrer Voreltern zärtlich mir zugesellt;
Jenen des Umgangs süße Neigung,
Und du Geschmack mit der hellen Stirne:
Schmidt, der mir gleich ist, den die unsterblichen
Höhern Gesänge neben mir auferziehn,
Und
Rothe, der sich freier Weisheit,
Und der geselligen Freundschaft heiligt.
Ihr Freunde fehlt noch, die ihr mich künftig liebt.
Wo seid ihr! Ach Zeit! schöne Zeit! säume nicht.
Kommt auserwählte süße Stunden,
Da ich sie seh, und sie sanft umarme!
Und du, o Freundin, die du mich künftig liebst,
Wo bist du! dich sucht, Fanny, mein einsames,
Mein bestes Herz, in dunkler Zukunft,
In Ungewißheit und Nacht, da suchts dich!
Hält dich, o Freundin, hält dich die zärtlichste
Unter den Frauen, mütterlich ungestüm,
Wohl dir! auf ihrem Schoße lernst du
Tugend und Liebe zugleich empfinden!
Wie oder ruhst du, wo dir des Frühlings Hand
Blumen gestreut hat, wo dich sein Säuseln kühlt?
Sei mir gesegnet! dieses Auge,
Ach! dein von Zärtlichkeit volles Auge,
Dieser von Zähren schwimmende süße Blick,
An Allmacht, Fanny, gleicht er den Himmlischen,
An Huld, an süßen Zärtlichkeiten,
Gleicht er dem Blick der noch jungen Eva;
Dies Antlitz voll von Tugend, von Großmut voll,
Dies von Empfindung bebende beste Herz,
Dies, o! die du mich künftig liebst,
Dieses ist mein, doch du selber fehlst mir!
Du, Fanny, fehlst mir! Einsam, von Wehmut voll,
Und bang und weinend, irr' ich und suche dich,
Dich, Freundin, die mich künftig liebet,
Ach! die mich liebt, und mich noch nicht kennet!
Siehst du die Tränen, welche mein Herz vergießt,
Freund,
Ebert ! Weinend lehn' ich mich auf dich hin!
Gib mir den Becher, diesen vollen,
Welchem du winkst, daß ich froh wie du sei!
Doch itzt auf einmal wird mir mein Auge hell,
Scharf zu Gesichten, hell zur Begeisterung.
Ich sehe, dort an Evans Altar,
Tief in dem wallenden Opferrauche,
Da seh' ich langsam heilige Schatten gehn!
Nicht jene, die sich traurig von Sterbenden
Loshüllen, nein, die, welch' im Schlummer
Geistig vom göttlichen Trinker düften.
Euch bringt die Dichtkunst oftmals im weichen Schoß
Zu Freunden! kein Aug' unter den Sterblichen
Entdeckt sie; du nur, seelenvolles,
Trunknes, poetisches Auge, siehst sie!
Drei Schatten kommen! neben den Schatten tönts,
Wie Dindymene, hoch aus dem Heiligtum,
Allgegenwärtig niederrauschet,
Und mit gewaltiger Cymbel tönt!
Oder, wie aus den Götterversammlungen,
Mit Agyieus Leierton, himmelab,
Und taumelnd, hin auf Weingebürgen,
Satzungenlos Dithyramben donnern!
Der du dort wandelst, ernsthaft und aufgeklärt,
Das Auge voll von weiser Zufriedenheit,
Die Lippe voll von feinem Scherz, ihm
Horcht die Aufmerksamkeit deiner Freunde,
Ihm horcht entzückt die feinere Schäferin -
Schatten, wer bist du! - Ebert! Itzt neigt er sich
Zu mir, und lächelt! - Ja, er ist es!
Siehe! der Schatten - der - ist mein
Gärtner!
Du deinen Freunden liebster Quintilius,
Der unverstellten Wahrheit vertraulichster!
Ach komme doch,
Gärtner, deinen Freunden
Ewig zurück! doch du fliehest und lächelst!
Flieh nicht! Mein
Gärtner ! flieh nicht! du flohst ja nicht,
Als wir, an jenem traurigen Abende,
Um dich, voll Wehmut, still versammlet,
Da dich umarmten, und Abschied nahmen!
Die letzten Stunden, da du uns Abschied nahmst,
Der Abend soll mir festlich und heilig sein!
Da lernt' ich, Freund, wie sich die Edlen,
Wie sich die wenigen Edlen liebten!
Viel Abendstunden fasset die Nachwelt noch.
Lebt sie nicht einsam, Enkel, und heiligt sie
Der Freundschaft, wie sie eure Väter
Heiligten, und euch Exempel wurden!
In meinen Armen, trunken und weisheitsvoll,
Sprach Ebert: Evoë! Evoë!
Hagedorn!
Da kömmt er über Rebenblättern
Mutig einher, wie Lyäus, Zeus Sohn!
Mein Herze bebt mir! Stürmend und ungestüm
Zittert die Freude durch mein Gebein dahin!
Evoë! mit deinem schweren Thyrsus,
Schone, mit deinem gefüllten Weinkelch.
Dich deckt als Jüngling eine Lyäerin,
Nicht Orpheus Feindin, weislich mit Reben zu!
Und dies war allen Wassertrinkern
Wunderbar, und die in Tälern wohnen,
Wo Wasserbäch' und Brunnen die Fülle sind,
Vom Weingebürgeschatten unabgekühlt!
So schliefst du, sicher vor den Schwätzern,
Nicht ohne Götter, ein mutiger Jüngling!
Mit seinem Lorbeer hat auch Patareus,
Und mit gemischten Myrten dein Haupt umkränzt.
Wie Pfeile von dem goldnen Köcher
Tönt dein Lied; wie des Jünglings Pfeile
Schnell rauschend klangen, da der Unsterbliche
Nach Peneus Tochter durch die Gefilde flog,
Oft wie der Satyrn Hohngelächter,
Da sie den Wald noch nicht laut durchlachten.
Zu Wein und Liedern wähnen dich Priester nur
Allein geboren; denn den Unwissenden
Sind die Geschäfte großer Seelen
Unsichtbar stets, und verdeckt gewesen.
Dir schlägt ein männlich Herz auch, dein Leben ist
Viel süßgestimmter, als ein unsterblich Lied.
Du bist in unsokrat'schen Zeiten
Wenigen Freunden, ein teures Muster.
Er sprachs. Itzt sah ich über den Altar her,
Auf Opferwolken,
Schlegeln mit dichtrischen
Geweihten Lorbeerschatten kommen,
Und unerschöpflich, vertieft und ernsthaft,
Um sich erschaffen. Werdet! - da wurden ihm
Lieder! - die sah ich menschliche Bildungen
Annehmen! Ihnen haucht' er, schaffend
Leben und Geist ein, und ging betrachtend
Unter den Bildern, wie Berecyntia
Durch den Olympus hoch im Triumphe geht,
Wenn um sie ihre Kinder alle
Ringsum versammlet sind; - lauter Götter!
Noch eins nur fehlt dir. Werd' uns auch Despreaux!
Daß, wenn sie etwa zu uns vom Himmel kömmt,
Die goldne Zeit, der Musen Hügel
Leer vom undichtrischen Pöbel da steh!
Komm, goldne Zeit! Komm, die du die Sterblichen
Selten besuchest, komm! laß dich, Schöpferin!
Laß, bestes Kind der Ewigkeiten,
Dich über uns mit verklärtem Flügel!
Tief, voll Gedanken, voller Entzückungen,
Geht die Natur dir, Gottes Nachahmerin,
Schaffend zur Seiten, große Geister,
Wenige Götter der Welt zu bilden.
Natur! dich hör ich durchs Unermeßliche
Wandeln! so wie mit sphärischem Silberton
Gestirne, Dichtern nur vernommen,
Niedrigen Geistern unhörbar, wandeln!
Aus allen goldnen Altern begleiten dich,
Natur, die großen Dichter des Altertums,
Die großen neuern Dichter. Segnend
Seh ich ihr heilig Geschlecht hervorgehn!