Hildegard von Hohenthal
Gerne
hört man dir zu, wenn du mit Worten Musik machst,
Mischtest du nur nicht sogleich hundische Liebe darein.
Herr Schatz, aus dem Reichsanzeiger
Dieser schreckliche Mann rezensierte für Jena, für Leipzig!
Deutschland!! Solche Gewalt konntest du
einem vertraun!
Apollos Bildsäule in einem gewissen Gartentempel
Mit der Linken regiert er die Leier; wen nimmt es noch wunder,
Daß er in diesem Revier immer so linkisch gespielt?
Was mit glühendem Ernst die liebende Seele gebildet,
Reizte dich nicht; dich reizt, Leser, mein Kobold allein.
Eine gesunde Moral empfiehlt dies poetische Werk dir,
Aber ich lobe nur das, welches sich selber empfiehlt.
Zwei Jahrzehende kostest du mir: zehn Jahre verlor ich,
Dich zu begreifen, und zehn, mich zu befreien von dir.
Bürger
Zu den Toten immer das Beste; so sei dir auch Minos,
Lieber Bürger, gelind, wie du es selber dir warst.
Fichte
Hart erscheint noch die kämpfende Kraft, wenn die siegende schonet;
Aber nur weiter, dich führt sicher zum Siege die Bahn.
Spittler
Für die historische Kunst hast du reichlich gesäet, nun sei auch
Künstler in deiner Kunst, ernte, du Trefflicher, selbst.
Die Forderungen
Jener will uns natürlich, der ideal; wir versuchen
Unser möglichstes doch, keines von beiden zu sein.
Das Dorf Döbritz
In der Art versprechen wir euch die sämtlichen Dörfer
Deutschlands, aber es wird dennoch kein Grünau daraus.
Anschlagzettel zum Otto von Wittelspach auf dem Hamburger Theater
Da die Franzosen nunmehr ihr Theater eröffnet, so läßt Herr
Schröder zum letztenmal heut noch als Kaiser sich sehn.
Preisfrage zur Aufmunterung des deutschen Genies
Sechzig Dukaten erhält, wer ein gutes Heldengedicht schreibt,
Aber das Manuskript bleibt der Gesellschaft geschenkt.
E** Hymenäus zu der St** und Sch** Heirat
Arm in Arme nun geht ihr zur Herrlichkeit ein, ihr vermählten
Seelen, ich hüpfe als Spitz hinter euch Glücklichen her.
Archiv der Zeit
Unglückselige Zeit! Wenn aus diesem Archiv dich die Nachwelt
Schätzet, wie bettelhaft stehst du, wie hektisch vor ihr.
Der Bär wehrt die Fliegen
Immer zum Glücke des Volkes befördert Eudämonia
Hochverrätrische Schrift, aber mit Noten, zum Druck.
Besorgnis
Eines wird mich verdrießen für meine lieben Gedichtchen:
Wenn sie die W - Zensur durch ihr Verbot nicht bekränzt.
Flora
Flora Deutschlands Töchtern gewidmet. O brächte Pomona,
Brächte Hymen doch auch Früchte den Guten herbei!
Flüchtlinge
Flüchtlinge, sagt, wer seid ihr? Von wannen trägt euch die Woge?
Habt ihr wo ein Gewerb? Streift ihr als Räuber umher?
Meißners Apollo
»Warum fährst du nicht zu? Es warten die Götter, die Menschen.«
Lieber Himmel, ich kann über die Maut nicht hinaus.
Lyrische Blumenlese
Eine Granate, o Zeus, in dem dürren stygischen Reiche!
Eine Anthologie auf dem berlinischen Sand!
Beckers Taschenbuch
Ha, du bist mir der frechste von allen Schmarotzern im Lande,
Bettelst bei allen, und sie füllen den Ranzen dir voll.
An die Freier
Freier! Seid ihr beleidigt? Hier ist der Bogen Odysseus'!
Spannt ihn, wie wir ihn gespannt, schnellt durch die Äxte den Pfeil.
Ein paar Jahre rühret euch nun, dann kommen wir wieder,
Ist uns günstig Apoll, munter und mutig wie heut.
Im Überfahren
Noch ein Phantom stieg ein. Das las uns eine Gedächtnis-
Rede auf Preußens Monarch, während wir ruderten, vor.
Recensendum
Unbeerdigt irr ich noch stets, mich verschmähet der Fährmann
Bis das Jenaer Blatt meine Gebeine verscharrt.
Der Höllenbund
»Scheusal! Was bellst du?« Mein Herr, es sind unserer zwei, die da bellen:
Spitz Nicolai versieht oben, ich unten das Amt.
Salmoneus
Was? Du hier in der Qual, der welschen Tragoedia König?
Muß ich so übel bestellt, göttlicher Peter! dich sehn?
Antwort
Ach! Mir geschieht ganz recht! Warum hab ich mit witz'gen Tiraden
Nachgepfuscht den Affekt, ach! und den Blitz des Genies.
Tityos
Über Europa hinweg, das ihm huldigte, lag er gebreitet,
Voluminos wie er einst trat aus den Pressen zu Kehl.
Sohn der Erde! So tief liegst du da, der so hoch einst gestanden,
Und das gefräßige Tier, das an der Leber dir pickt!
Ach, das ist Frérons unsterblicher Schnabel, der ewig mich peinigt,
Weil ich mit schlechten Bonmots nach dem... gezielt.
Der ungeheure Orion
Auf der Asphodelos-Wiese verfolgt er die drängenden Tiere,
Die in den Literaturbriefen er lebend gewürgt.
Agamemnon
Nicht der gewaltige Dis, mich tötet' Ägisthos und brachte
In Hexameter mich, daß ich erstickte und starb.
Ovid
Sag doch, Odysseus, das muß ein tüchtig gesegneter Kerl sein,
Der sich von Amors Kunst nach mir zu singen vermaß.
Antwort
Geh doch, ein hektisches Bürschchen, das mit dem Finger nur sündig
Noscitur ex libro quanta sit hasta viri.
Alexandriner
In das Gewölk hinauf sendet mich nicht mit Jupiters Blitzen,
Aber ich trag euch dafür ehrlich zur Mühle den Sack.
Arabesken
In der Schönheit Gebiet sind wir die freiesten Bürger;
Doch da wir sonst nichts sind, sehet, so sind wir nicht viel.
Alle die andern, sie haben zu tragen, zu tun, zu bedeuten;
Wir, das glückliche Volk, brauchen sonst nichts als zu sein.
Architektur
Unter dem leichten Geschlecht erscheinst du schwer und bedächtig,
Aber zu Regel und Zucht winkst du die Schwestern zurück.
Hüpfe nur, leichtes Geschlecht, ich Gefesselte kann dir nicht folgen,
Aber ich weiß zu ruhn und auf mir selber zu stehn.
Freilich kann ich dich nicht in schlängelnden Wellen umspielen,
Aber mein Dasein faßt mächtig wie keines dich an.
Säule
Müßig gelt ich dir nichts, ich gefalle dir nur, wenn ich trage;
Herrlich im glänzenden Reihn schmückt mich die glänzende Last.
Tempel
Fröhlich dienen wir eines dem andern, mich halten die schlanken
Säulen oben, und leicht über uns schwebet das Dach.
Gewölb
Sicher ruhst du auf uns, und warum? Weil wir alle zum Zentrum
Gleich uns neigen und gleich unter uns teilen die Last.
Grenzscheide
Heilig waren vordem die Tore, sie stehen bedeutend
Zwischen der wilden Natur, zwischen dem engen Vertrag.
Die Basreliefs
Seht, was versucht nicht der Mensch, mit dem Tod zu versöhnen das Leben!
Nimmer gelingt's - ach, sie sind schrecklich und ewig getrennt.
Pompeji
Vor der zerstörenden Zeit und vor dem zerstörenden Goten
Flüchtete tief in das Grab mich die Zerstörung hinab.
Verse! Wo irret ihr hin? Zu den Toten? Ins Leben zurücke!
Lacht nicht der Himmel? Im Glas schäumt nicht der purpurne Wein?
Apollo der Hirt
Mächtig führt er den Bogen, doch seine Lust ist die Leier;
Nur wenn er liebt und beglückt, ist er der glückliche Gott.
Die Idealwelt
Alle sind sie entwichen des Lebens Schatten, verschwunden
Sind mir die Menschen, und klar stehet der Mensch nur vor mir
Einmal sollst du dich nur und nur
einem, o Schöne, dich schenken
Wie die Blume der Scham
einer und einmal nur pflückt.
E.v.B.
Alles schreibt, es schreibt der Knabe, der Greis, die Matrone.
Götter, erschafft ein Geschlecht, welchem das schreibende schrei
Enthusiasmus suchst du bei deutschen Lesern? Du Armer;
Glücklich, könntest du auch rechnen auf Höflichkeit nur.
Eines verzeih ich mir nicht. Ich verzeihe mir nicht, daß ich etwas
Höheres über euch, göttliche Musen! gesucht.
Manch verwandtes Gemüt treibt mit mir im Strom des Jahrhunderts;
Aber der Strom zerrinnt, und wir erkannten uns nicht.
Geistige Liebe, sie ist der Seelen seligste Kette,
Wenn sie, merket das wohl, Schönes mit Schönem vereint.
Liebe und Begierde
Recht gesagt, Schlosser! Man liebt, was man hat, man begehrt, was man nicht hat;
Denn nur das reiche Gemüt liebt, und das arme begehrt.
»Falschheit nur und Verstellung ist in dem Umgang der Menschen,
Keiner erscheint, wie er ist.« - Danke dem Himmel, mein Freund.
Die Bedingung
Jede Wahrheit vertrag ich, auch die mich selber zu nichts macht;
Aber das fodr' ich: zu nichts mache mich, eh du sie sagst.
Lebet, ist Leben in euch, und erzählt noch dem kommenden Alter,
Distichen, was wir geehrt, was wir gehaßt und geliebt.
Allgemeine Literaturzeitung
Bliebe das Echte nur stehen auf deinen Kolumnen, verschwände
Schiefes und Halbes! Alsdann wäre die Gabe zu groß.
Qui gravis es nimium potes hinc iam lector abire
Quo libet; urbanae scripsimus ista togae.
Woldemar und Allwill
Euch erhabne Gestalten hat nicht der Künstler gebildet,
Sondern die Tugend hat selbst sich verkörpert in euch.
Fichtes Wissenschaftslehre
Was nicht Ich ist, sagst du, ist nur ein Nicht-Ich. Getroffen,
Freund! So dachte die Welt längst und so handelte sie.
Ramler im Göttinger Musenalmanach
1796
Der an Zeus Ruhebette hängt, hangen wird und hing.
Geh, Karl Reinhard, du lügst. Das ist deine, nicht Ramlers Arbeit
Der an des Nachbars Reim flicken wird, flickte und flickt.
An einen Herrn **tz
Schnell ich den Pfeil auf dich? Nein, du hast Gnade gefunden,
Nimmt sich ja Xenius Zeus selber der Hungrigen an.
W** und J**
Deine Größe, Berlin, pflegt jeder Fremde zu rühmen;
Führt der Weg ihn zu uns, stutzt er, so klein uns zu sehn.
Hesperus oder 45 Hundsposttage
Ist es auch nicht der. Schreiber des Buchs, so ist es vermutlich
Doch der Träger, der Hund, der von dem Buche sich nährt.
Annalen der Philosophie und des philosophischen Geistes
Zum philosophischen Geist schreibt diese Schenke sich. Geist zwar
Dürft ihr nicht suchen, jedoch leidlichen Branntwein und Bier.
Göschen
Einen Helden suchtest du dir, um deinen Charakter
Darzustellen, und fuhrst in den Bedienten Johann.
Reisen ins südliche Frankreich
Wie es hinter dem Mieder beschaffen und unter dem Röckchen,
Lehret, wißt ihr es nicht, zierlich der reisende Freund.
Die gefährlichen Verbindungen
Warnung reizet uns oft, ich seh es, denn jegliche Schöne
Liest und wünscht, insgeheim, sich der Verbindung Gefahr.
Mittelmäßigkeit
»Macht ihr euch Feinde zur Lust?« Im literarischen Deutschland
Gibt's nur
einen, er paßt in den Pentameter nicht.
Nicolai
Zur Aufklärung der Deutschen hast du mit Lessing und Moses
Mitgewirkt? Ja, du hast ihnen die Lichter geschneuzt.
Nicolai auf Reisen
Schreiben wollt er und leer war der Kopf, da besah er sich Deutschland;
Leer kam der Kopf zurück, aber das Buch war gefüllt.
Abschied von Nicolai
Unerschöpflich wie deine Plattheit ist meine Satire,
Doch für das laufende Jahr nimm mit dem Hundert vorlieb.
Donau
Gegen den Aufgang ström ich, der Freiheit, der Musen Gefilde
Laß ich hinter mir lang, eh der Euxin mich noch trinkt.
Rhein und Donau
Warum vereint man zwei Liebende nicht? Euch verhießen aus unserm
Torus die Götter schon längst einen unsterblichen Sohn.
Weser und Elbe
Von der Sonne fliehen wir weg, die Grazien scheuen
Unsre Ufer, von
Thors krächzenden Stimmen geschreckt.
Auf zwei Sudler, die einander loben
Nicht so, nicht so, ihr Herrn. Wollt ihr einander zu Ehren
Bringen, muß vor der Welt einer den andern verschrein.
Die kritischen Wölfe
Wenn sie, von Menschenwittrung gelockt, dich hungernd umheulen,
Wanderer, schlage du nur Feuer, sie laufen davon.
Die Dykische Sippschaft
Weil ihr in Haufen euch stellt, so glaubt ihr mehr zu vermögen?
Desto schlimmer: je mehr Bettler, je fauler die Luft.
Übergang
Aber wie bin ich es müde, durch lauter Fratzen und Larven
Mich zu drängen; o führt, Verse, zu Menschen mich hin.
Charlotte
Hunderte denken an sich bei diesem Namen, er gilt nur
Einer; auf diesem Papier findet sie, sucht sie ihn nicht.
An***
Ja, ich liebte dich einst, dich, wie ich keine noch liebte;
Aber wir fanden uns nicht, finden uns ewig nicht mehr.
An meine Freunde
Heilig wäre mir nichts? Ihr habt mein Leben begleitet,
Freunde, und wißt es, was mir ewig das Heiligste bleibt.
An einen Quidam
Arg genug hab ich's gemacht, ich habe niemand geschonet,
Aber ich schonte doch dich; hab ich nicht viele geschont?
Der Heinsische Ariost
Wohl, Ariosto, bist du ein wahrhaft unsterblicher Dichter,
Denn da du hier nicht starbst, stirbst du, du Göttlicher, nie.
Gedikes Pindar
Wunderlich finden zuweilen sich menschliche Namen zusammen,
Von Herrn Gedikes Hand liest man hier Pindarn verdeutscht.
Der schlechte Dichter
Glaubt nicht der arme Mensch, mit Jupiters Tochter zu leben?
Und ein Knochengeripp folgt ihm zu Tisch und zu Bett.
Nach Martial
»Welch unnützes Geschwätz !« Und leugnen wir denn, was bekannt ist?
Unnütz freilich, doch du - treibst du was Besseres, Freund?
Nach eben demselben
Sieh, dort erblaßt ein Gewisser, errötet, entsetzet sich, gähnt, kocht
Rache! Verse, so recht! Jetzo gefallet ihr mir.
An die Herren D.E.F.
Ja, wie Bileam geht mir's, nur umgekehrt; will ich euch loben,
Siehe, da stößt der Geist scheltende Worte hervor.
Freiheit
Freiheit ist ein herrlicher Schmuck, der schönste von allen,
Und doch steht er, wir sehn's, wahrlich nicht jeglichem an.
Vorwurf
Ha! nun haben wir euch Aristokraten! Es soll euch
Übel ergehen, es liest euch nun halb Deutschland nicht mehr.
An einige Schriftsteller
Tadelt immer die Fürsten! Zwar jeder politische Fehler
Straft sich selber, doch euch werden die Fehler bezahlt.
Sonderbar
Wieviel hundert Gelehrte, vernünftige Männer den Irrtum
Pflegen, werdet ihr sehn, wenn ihr das Spektrum begreift.
Zeugen der Wahrheit
Vier Franzosen nenn ich euch erst, sie sahen den Irrtum
Mehr oder weniger ein, aber der Irrtum bestand.
Vergebene Lehre
»Wiederholt euch doch nicht!« - Ja! Hundertmal sollt ihr dasselbe
Hören, da ihr doch auch ewig ein Einerlei seid.
Der Renegat
Konnte dein starkes Talent die Deutschen niemals entzücken,
Recht so, mit schwacher Schrift zwingst du den Beifall vielleicht