Der Schmetterling
Wie soll ich nicht tanzen?
Es macht keine Mühe;
Und reizende Farben
Schimmern hier im Grünen.
Immer schöner glänzen
Meine bunten Flügel,
Immer süßer hauchen
Alle kleinen Blüten.
Ich nasche die Blüten,
Ihr könnt sie nicht hüten.
Wie groß ist die Freude,
Sei's spät oder frühe,
Leichtsinnig zu schweben
Über Tal und Hügel.
Wenn der Abend säuselt
Seht ihr Wolken glühen;
Wenn die Lüfte golden,
Scheint die Wiese grüner.
Ich nasche die Blüten,
Ihr könnt sie nicht hüten.
Die Sonne
Mit lieblichem Bedauern
Sehnt sich der Mutter Auge, und muß trauern.
Noch einmal sie umfangend,
Vergehn die Kleinen, an den Blicken hangend;
Sie soll und muß sich trennen,
Nur eine Mutter kann solch Leid erkennen.
So ström' ich volle Farben,
Daß meine Lieben in der Nacht nicht darben;
Und fort vom ird'schen Bande
Will alles hin zu mir in sanftem Brande.
Ach dürft' ich mich erniedern,
Ihr kindlich Feuer dankbar zu erwidern!
Noch strömen bunte Fluten,
Und heller lodern nur die Lebensgluten;
Die Erde scheint zu rauschen,
Als strebte sie den Wohnsitz zu vertauschen. -
Nun muß ich dennoch scheiden,
Und euer Tändeln bis auf Morgen meiden!
So sauge, Mensch, denn trunken
Der großen Mutter letzte Liebesfunken!
Noch einmal will ich strahlen,
Und dann versinken in der Trennung Qualen.
Die Lüfte
Wie säuseln ach so linde!
Wir in den Blüten,
Und lindern heiße Liebe
In kühlen Düften.
Wenn Blumen süß erröten,
Beschämt sich neigen,
Berührten wir die schönen
In leichter Eile.
Wenn wir dann Scherze säuseln
Dem, der sich grämet,
So wird die leise Freude
Ihn bald beschämen.
Der Dichter
Was wünschen und was streben alle Sinnen? -
Sie möchten wieder in das All verschweben.
Was ist das höchste Ziel von allem Streben?
Es will der Mensch, wenn er verklärt, von hinnen.
Drum wollt ihr, sel'gen Götter! Dank gewinnen
Von dem, der hohem Dienste sich ergeben,
In heiliger Natur nur lebt sein Leben,
So laßt ihn schnell in leichten Duft zerrinnen.
Es schwebt die Seele gern auf süßen Tönen,
Und lauschet sinnend, was es wohl verkünde,
Ob auch die Gottheit schon den Wunsch gewähre.
Sie wünscht sich im Gesang so zu verschönen,
Daß ihren Leib das Flammenspiel entzünde,
Sie selbst in leisen Hauch sich bald verkläre.
Zweiter Teil
Als die Sonne nun versunken,
Blühet noch der Abend rot.
Lange schienen weit die Flammen,
Gegenüber stand der Mond;
Wie zwei Welten gegenüber,
Diese bleich und jene rot,
Mitten inne kleine Sterne,
An des Himmels Gürtel hoch;
Unten dann die große Erde,
Wo im tiefen Dunkel schon
Blumen duften, Bäume rauschen
Bei der Nachtigallen Ton.
Blaß wird jede schöne Glut
Und die Freude sinkt vom Thron;
Fern ist ganz des Tages Mutter,
Lichter scheint der bleiche Sohn.
An dem Schimmer freut der Mensch sich
Und ist auch im Dunkel froh.
Der Wanderer
Wie deutlich des Mondes Licht
Zu mir spricht,
Mich beseelend zu der Reise:
»Folge treu dem alten Gleise,
Wähle keine Heimat nicht.
Ew'ge Plage
Bringen sonst die schweren Tage;
Fort zu andern
Sollst du wechseln, sollst du wandern,
Leicht entfliehend jeder Klage.«
Sanfte Ebb' und hohe Flut,
Tief im Mut,
Wandr' ich so im Dunkel weiter,
Steige mutig, singe heiter,
Und die Welt erscheint mir gut.
Alles reine
Seh' ich mild im Widerscheine,
Nichts verworren
In des Tages Glut verdorren:
Froh umgeben, doch alleine.