Min herze und min lip diu wellent scheiden,
diu mit ein ander vart nu mange zit.
der lip wil gerne vehten an die heiden:
so hat iedoch daz herze erwelt ein wip
vor al der werlt. daz müet mich iemer sit,
daz sie ein ander niene volgent beide.
mir habent diu ougen vil getan ze leide.
got eine müeze scheiden noch den strit.
Ich wande ledic sin von solher swære,
do ich daz kriuze in gotes ere nam.
ez wære ouch reht deiz herze also da wære,
wan daz sin stætekeit im sin verban.
ich solte sin ze rehte ein lebendic man,
ob ez den tumben willen sin verbære.
nu sihe ich wol daz im ist gar unmære
wie ez mir an dem ende süle ergan.
Sit ich dich, herze, niht wol mac erwenden,
dun wellest mich vil trureclichen lan.
so bite ich got daz er dich ruoche senden
an eine stat da man dich wohl enpfa.
owe wie sol ez armen dir ergan!
wie torstest eine solhe not ernenden?
wer sol dir dine sorge helfen enden
mit solhen triuwen als ich han getan. |
Mein Herz und Leib wollen sich trennen,
die miteinander lange Zeit nun waren.
Der Leib will gerne gegen die Heiden kämpfen:
doch hat das Herz eine Frau erwählt
vor der ganzen Welt. Es plagt mich seither,
dass sie nicht beide einander folgen.
Mir haben meine Augen viel zuleid getan!
Gott allein mag den Streit noch schlichten!
Ich glaubte frei zu sein von solchen Kummer,
da ich das Kreuz zu Gottes Ehre nahm.
Er wäre auch richtig, dass das Herz dabei wäre,
nur dass ihm seine Treue das verbietet.
Ich würde recht ein lebendig Mann sein,
wenn es seinen törichten Willen unterließe.
Nun seh ich wohl, dass ihm ganz gleichgültig ist,
wie es mir schießlich ergehen soll.
Da ich dich, Herz, nicht davon abbringen kann,
mich sehr schmerzlich zu verlassen,
so bitte ich Gott er wolle dich senden
an einen Ort, da man dich wohl empfängt.
O weh, wie soll es dir, du Armes, gehen!
Wie durftest Du Dich zu solcher Gefahr erkühnen?
Wer soll die helfen, deine Sorgen zu beenden,
mit solcher Treue, wie ich es getan hab? |