Lobspruch des schönen Geschlechts
1747
Wir Männer stecken voller Mängel;
Es leugne, wer es will!
Die Weiber gegen uns sind Engel.
Nur taugen, wie ein Kenner will,
Drei kleine Stück' - und die sind zu erraten, -
An diesen Engeln nicht gar zu viel!
Gedanken, Wort und Taten.
In eines Schauspielers Stammbuch
Kunst und Natur
Sei auf der Bühne Eines nur;
Wenn Kunst sich in Natur verwandelt,
Dann hat Natur mit Kunst gehandelt.
In ein Stammbuch, dessen Besitzer versicherte,
daß sein Freund ohne Mängel
und sein Mädchen ein Engel sei
1778
Trau keinem Freunde sonder Mängel
Und lieb ein Mädchen, keinen Engel.
[Warum ich wieder Epigramme mache]
1779
Daß ich mit Epigrammen wieder spiele
Ich, armer Willebald,
Das macht, wie ich an mehrerm fühle,
Das macht, ich werde alt.
In ein Stammbuch
Ein Kirchhof ist,
Mein frommer Christ,
Dies Büchelein,
Wo bald kann sein
Dein Leichenstein
Ein Kreuzelein!
Über das Bildnis eines Freundes
Der mir gefällt,
Gefiel er minder gleich der Welt.
In ein Stammbuch
in welchem die bereits Verstorbenen mit einem † bezeichnet waren.
1779
Hier will ich liegen! denn hier bekomm' ich doch
Wenn keinen Leichenstein, ein Kreuzchen noch.
Sittenspruch
1779
Man würze, wie man will, mit Widerspruch die Rede:
Wird Würze nur nicht Kost, und Widerspruch nicht Fehde.
Auf die Katze des Petrarch
Nach dem Lateinischen des Antonio Querci; in den Inscriptionibus agri Pataviani
Warum der Dichter Hadrian
Die Katzen so besonders leiden kann?
Das läßt sich leicht ermessen!
Daß seine Verse nicht die Mäuse fressen.
Sittenspruch
Bav selbst hat manchen guten Schauer;
Wär' Eselstrab auch nur von Dauer.
Grabschrift auf Voltairen
1779
Hier liegt - wenn man euch glauben wollte,
Ihr frommen Herr'n! - der längst hier liegen sollte.
Der liebe Gott verzeih aus Gnade
Ihm seine Henriade,
Und seine Trauerspiele,
Und seiner Verschen viele:
Denn was er sonst ans Licht gebracht,
Das hat er ziemlich gut gemacht.
[An Saal]
An Dir, mein
Saal, als Freund und Richter,
Lob ich Geschmack und Redlichkeit Bekennst
Du von mir ungescheut
Ich sei ein beßrer Freund als Dichter!
Auf das Alter
Dem Alter nicht, der Jugend sei's geklagt,
Wenn uns das Alter nicht behagt.
[Auf Albert Wittenberg und Johann Jakob Dusch]
Wie Ast und Busch:
So Wittenberg und Dusch.
Wie Ries' und Zwerg
So Dusch und Wittenberg.
[In Friedrich Ludwig Schröders Stammbuch]
Daß Beifall dich nicht stolz, nicht Tadel furchtsam mache!
Des Künstlers Schätzung ist nicht jedes Fühlers Sache!
Denn auch den Blinden
brennt das Licht,
Und wer dich
fühlte, Freund,
verstand dich darum nicht.
[Auf Johann von Döring]
Am Körper klein, am Geiste noch viel kleiner,
Schämst du des Salzes dich, drum schämt das Salz sich deiner.
[Grabschrift auf einen Gehenkten]
Hier ruht er, wenn der Wind nicht weht!
[Grabschrift auf Kleist]
O Kleist! dein Denkmal dieser Stein? -
Du wirst des Steines Denkmal sein.
[In Johann Gottlieb Burckhardts Stammbuch]
Des Geists der Wahrheit rühmt sich bald
Die Kirche jedes Ortes;
Und alles zwingende Gewalt
Wird Kraft des wahren Wortes.
[Unvollendeter Entwurf eines Sinngedichts]
Auf heut zu mir zu Gaste dich zu bieten,
Und du, Procill, du kömmst. In Zukunft will
Ich mich für so ein gut Gedächtnis hüten.