Ausgewählte Gedichte
Gegenliebe
Wenn ich wüßte daß du mich
Lieb und werth ein bischen hieltest
Und von dem, was ich für dich,
Nur ein Hunderttheilchen fühltest;
Wenn dein Danken meinem Gruß
Halbes Wegs entgegen käme,
Wenn dein Mund den Wechselkuss
Gerne gäb' und wiedernähme;
Himmel, Himmel! außer sich
Würde ganz mein Herz zerlodern!
Leib und Leben könnt' ich dich
Nicht vergebens laßen fodern! -
Gegengunst erhöhet Gunst,
Liebe nähret Gegenliebe,
Und entflammt zu Feuersbrunst,
Was ein Aschenfünkchen bliebe.
Klein und artig
Was klein ist, das wird artig oft genannt:
Stax hat gewiss recht artigen Verstand.
Morgen und Mittag
In erster Dämmrung aufgegangen
Sah ich an deinen zarten Wangen
Der Schönheit Morgenroth;
Und sank allmächtig hingerißen
Und zitternd schon zu deinen Füßen
Und ehrte dein Gebot.
Und ganz in deinen Blick verloren
Sah ich dich damals schon erkoren
Der Liebe Königin.
Und ehe du Verehrer fandest
Und eines Herzen Werth verstandest,
Gab ich mein Herz dir hin.
Jedweden Reiz sah ich entstehen
Und konnte nur dein Auge sehen,
Weil sehn noch sicher war;
Und dachte nicht die süße, frohe
Bescheidne, sanfte Minne drohe
Der halben Welt Gefahr.
Unwiderstehlich aber wütet
Der Schönheit Mittag nun, gebietet,
Und Sklaven beten an.
Wer darf um ihre Blicke werben?
Tod folget ihnen und Verderben,
Wenn man nicht hoffen kann.
So hebt sich, wenn die ersten Stralen
Der Sonn' in Gold den Osten malen,
Des Persers Frühgebet,
Der, wenn der Mittag ihren Wagen
In heißrer Glut heraufgetragen,
Erblasset, sinkt, vergeht.
Der Galgen
Ein Kaufmann, welchen Lug und Trug
Und gutes Glück zum Ritter schlug,
Ließ einen Galgen jüngst auf seinen Gütern bauen
Und stand mit stolzem Blick, der Arbeit zuzuschauen.
»O welche Sudelei!« rief er dem Zimmermann.
»Wie lange denkt Ihr wol, daß dieses halten kann?«
Wie lange, gnädiger Herr? versetzte der geschwinder;
Der Galgen hält gewiß für Sie und Ihre Kinder.
Verschiedener Stolz
Still, ohne Pracht, doch sicher daß mans merke,
So schreiten Prinz und Dogg einher in ihrer Stärke.
In Seid und Schellen prunkt, und bellt und flucht mit Zeter
Der Junker und sein Köter.
Der sterbende Landjunker
Gott tröste Sie, gestrenger Herr!
Sprach jüngst des Dorfes Prediger,
Und weihe Sie nach solchem Leid
Zum Bürger seiner Herrlichkeit!
»Zum Bürger? was?« fing jener an:
»Ich bin und bleib ein Edelmann!«
An Werner
Deinen Geburtstag feirt als Gast der beschüßelten Tafel
Mancher gnädiger Herr Ritter und Graf und Baron.
Bürgerlich all anklingend befeuchten sie deinen Geburtstag:
Keinem, o Werner, indess bist du ein Mann von Geburt.
Eselsurtheil
Ich bin, sprach Herr von Pilz, vom ältesten Geschlechte!
Und stemmt an seinen Wanst die Linke und die Rechte.
Sein Esel warf die Schnauz und schrie Iha!
Ich bin von älterem Geschlechte,
Denn schon vor Adam war der Esel Ahnherr da.
Kunz und Hinz
1776.
Kunz.
Hinz, möchtet Ihr im Monde leben?
Es sollen dort auch Leute sein.
Hinz.
Nein! Doch wenn sie dort Streit erheben,
Schickt uns der Prinz für Geld hinein.
Kunz.
In Mond? Was schert der Krieg uns da?
Hinz.
Denkt doch nur an Amerika!
In des Königs Namen
Man warb ihn mit Gewalt und riß ihn von
Dem jungen Weib und lieben Sohn
Zum blut- und thränenvollen Frohn.
Man zwang ihn zur Kapitulation
Auf sieben Jahr. Die hat er treu gedient
Und nicht zu muksen sich erkühnt.
Die Zeit war um. - Nun wollt er von
Dem blut- und thränenvollen Frohn
Zum jungen Weib und lieben Sohn.
Allein umsonst war sein Verlangen.
Er bat, er weint und Prügel war sein Lohn.
Was that er da? Er lief davon,
Ward wieder gefangen
Und in des Königs Namen aufgehangen.
Die Gewißenhafte
Die Gewißenhafte
A.
Er plaget mich, ich soll ihn küssen.
Nein, nein! das würd ich theuer büßen,
Denn Mutter sagt, ich solls nicht thun.
Verbeut ihm seine nichts, ei nun!
So kann er mich ja küssen!
B.
Bärbchen küsse mich! sprach Peter;
Aber schreiend Weh und Zeter,
Beide Hände vors Gesicht
Sagte Barb': »Ich darf ja nicht!
Kömmst du?« - alle Nägel drohten -
»Meine Mutter hats verboten!«
»Aber schaut mir dort den Peter!
Wie ein wahrer Schafskopf steht er,
Beißt die Finger vor Verdruß.
Nehm Er wie er kann den Kuß!
Hat es doch dem dummen Knoten
Seine Mutter nicht verboten.«