Ein Stück Rheinfahrt
Ich habe nach dem langweiligen Rhein
Und den kitschigen Burgschutthaufen
Gar nicht gesehn, zog es vor, zu saufen -
Nein: Wir tranken einen vorzüglichen Wein.
Wir benahmen uns auf jeder Station
Am Fenster wie Gesindel,
Schimpften in ordinärem Ton
Über angebliches Kindergewindel.
Und infolgedessen
Und berechnenderweise
Haben wir während der ganzen Reise
Allein im Kupee gesessen.
Und was ergibt dann sich?
Ach, ein Loch im Strumpf kann sich
Durch alle Größen
Bis in ein randloses Glück auflösen.
Das Glück schlägt manchen Kegelpurz.
Die Reise war zu kurz.
Der Rhein und die Burgen gähnten.
Wir wähnten
Beide Prinzen zu sein.
Unbestreitbar ausgezeichnet ist der Wein.
Nach kurzer Fahrt getrennt
Es reimt sich was,
Und es schleimt sich was,
In den Austern im Kölner September.
Ich sitze - und niemand sonst ist dabei -
Vor blinkenden Lichtern in der Bastei,
And I remember.
Heute wird nicht gegeizt,
Wird mit Champagner geheizt,
Für dich söffe ich Tinte.
Paris ist nicht weit von hier.
Könnten wir! - Wollen wir
Uns dort treffen, Lobintte??
Ferngruß von Bett zu Bett
Wie ich bei dir gelegen
Habe im Bett, weißt du es noch?
Weißt du noch, wie verwegen
Die Lust uns stand? Und wie es roch?
Und all die seidenen Kissen
Gehörten deinem Mann.
Doch uns schlug kein Gewissen.
Gott weiß, wie redlich untreu
Man sein kann.
Weißt du noch, wie wir's trieben,
Was nie geschildert werden darf?
Heiß, frei, besoffen, fromm und scharf.
Weißt du, daß wir uns liebten?
Und noch lieben?
Man liebt nicht oft in solcher Weise.
Wie fühlvoll hat dein spitzer Hund bewacht.
Ja unser Glück war ganz und rasch und leise.
Nun bist du fern.
Gute Nacht.
Anstachelung beim Zahnstochern
Ich biete euch Troglodyten die Spitze.
Heraus mit euch! Wer sich in Löcher
Verkrümelt, ist feig. Ich besitze
Der Pfeile genug in meinem Köcher.
Mit dem Pfeil, dem Bogen
Durch Gebirg und Tal
Kommt Odysseus gezogen
Und säubert den Augiasstall.
Nein, ich schieße euch freche
Brut nicht. Ich steche!
Ihr macht mich krank
Mit eurem Gestank.
Ihr freßt an mir, anstatt
Mich zu nähren. Ich bin noch nicht satt.
Heraus aus dem Loch!
Ich hülle in Spucke euch
Und schlucke euch -
Pieks-quieks - doch.
Oder schnipse euch aufs Geratewohl
In ein unbekanntes Hilfdirselber. -
Ach mein Backenzahn ist schrecklich hohl
Und wird täglich bröckliger und gelber.
Keine Hand vors Gesicht.
Komm, Zahnstöcherchen,
Piek die Peiniger
Aus den Löcherchen!
Schäme dich nicht,
Denn du bist ein kluger Reiniger.
Immer wacker gespießt!
Wenn auch mal Blut fließt.
Ich bin nicht bang.
Gesegnete Mahlzeit beim letzten Gang.
Die Lupe bietet sich an
Ich will euch dienen,
Will euer Auge sein,
Wenn ihr im Allzuklein
Suchet wie Bienen.
Ich deute euch jederzeit
Falsches und Wahres,
Und Wunderbares
Der bunten Winzigkeit.
Die spiegelt geheimnisvoll
Das große Treiben. -
Und im kleinsten Winkel soll
Kein Schmutz bei euch bleiben.
Ich kann, aber will nicht gern
Euch Löcher brennen.
Haltet mir Blendlicht fern!
Ihr sollt mich kennen.
Ihr sollt mich durchschaun,
Wie ich die Spitzbübchen,
Sollt ganz mir vertraun,
Eurem konvexen Lins'chen Lüpchen.