8
Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehoben
Holden Lichts der Abendstern!
Alles schwankt ins Ungewisse,
Nebel schleichen in die Höh;
Schwarzvertiefte Finsternisse
Widerspiegelnd ruht der See.
Nun im östlichen Bereiche
Ahn ich Mondenglanz und -glut,
Schlanker Weiden Haargezweige
Scherzen auf der nächsten Flut.
Durch bewegter Schatten Spiele
Zittert Lunas Zauberschein,
Und durchs Auge schleicht die Kühle
Sänftigend ins Herz hinein.
9
Nun weiß man erst, was Rosenknospe sei,
Jetzt, da die Rosenzeit vorbei;
Ein Spätling noch am Stocke glänzt
Und ganz allein die Blumenwelt ergänzt.
10
Als Allerschönste bist du anerkannt,
Bist Königin des Blumenreichs genannt;
Unwidersprechlich allgemeines Zeugnis,
Streitsucht verbannend, wundersam Ereignis!
Du bist es also, bist kein bloßer Schein,
In dir trifft Schaun und Glauben überein;
Doch Forschung strebt und ringt, ermüdend nie,
Nach dem Gesetz, dem Grund,
Warum und
Wie .
11
»Mich ängstigt das Verfängliche
Im widrigen Geschwätz,
Wo nichts verharre, alles flieht,
Wo schon verschwunden, was man sieht;
Und mich umfängt das bängliche,
Das graugestrickte Netz.« -
Getrost! Das Unvergängliche,
Es ist das ewige Gesetz,
Wonach die Ros und Lilie blüht.
12
»Hingesunken alten Träumen,
Buhlst mit Rosen, sprichst mit Bäumen
Statt der Mädchen, statt der Weisen;
Können das nicht löblich preisen.
Kommen deshalb die Gesellen,
Sich zur Seite dir zu stellen,
Finden, dir und uns zu dienen,
Pinsel, Farbe, Wein im Grünen.«
13
Die stille Freude wollt ihr stören?
Laßt mich bei meinem Becher Wein;
Mit andern kann man sich belehren,
Begeistert wird man nur allein.
14
»Nun denn! Eh wir von hinnen eilen,
Hast noch was Kluges mitzuteilen?«
Sehnsucht ins Ferne, Künftige zu beschwichtigen,
Beschäftige dich hier und heut im Tüchtigen.
(Gedichte. Nachlese)
Dem aufgehenden Vollmonde
Willst du mich sogleich verlassen?
Warst im Augenblick so nah!
Dich umfinstern Wolkenmassen,
Und nun bist du gar nicht da.
Doch du fühlst, wie ich betrübt bin,
Blickt dein Rand herauf als Stern!
Zeugest mir, daß ich geliebt bin,
Sei das Liebchen noch so fern.
So hinan denn! hell und heller,
Reiner Bahn, in voller Pracht!
Schlägt mein Herz auch schmerzlich schneller,
Überselig ist die Nacht.
Dornburg
September 1828
Früh, wenn Tal, Gebirg und Garten
Nebelschleiern sich enthüllen,
Und dem sehnlichsten Erwarten
Blumenkelche bunt sich füllen;
Wenn der Äther, Wolken tragend,
Mit dem klaren Tage streitet,
Und ein Ostwind, sie verjagend,
Blaue Sonnenbahn bereitet;
Dankst du dann, am Blick dich weidend,
Reiner Brust der Großen, Holden,
Wird die Sonne, rötlich scheidend,
Rings den Horizont vergolden.
Zahme Xenien
8.
Axiom
Freund, wer ein Lump ist, bleibt ein Lump,
Zu Wagen, Pferd und Fuße;
Drum glaub an keinen Lumpen je,
An keines Lumpen Buße.
Bin ich für 'ne Sache eingenommen,
Die Welt, denk ich, muß mit mir kommen;
Doch welch ein Greuel muß mir erscheinen,
Wenn Lumpe sich wollen mit mir vereinen.
Für und wider zu dieser Stunde
Quengelt ihr schon seit vielen Jahren:
Was ich getan, ihr Lumpenhunde!
Werdet ihr nimmermehr erfahren.
»So sei doch höflich!« - Höflich mit dem Pack?
Mit Seide näht man keinen groben Sack.
Wie mancher Mißwillige schnuffelt und wittert
Um das von der Muse verliehne Gedicht;
Sie haben
Lessing das Ende verbittert -
Mir sollen sie's nicht!
Jedem redlichen Bemühn
Sei Beharrlichkeit verliehn.
Jeder Weg zum rechten Zwecke
Ist auch recht in jeder Strecke.
Wer mit dem Leben spielt,
Kommt nie zurecht;
Wer sich nicht selbst befiehlt,
Bleibt immer ein Knecht.
Gut verloren - etwas verloren!
Mußt rasch dich besinnen
Und neues gewinnen.
Ehre verloren - viel verloren!
Mußt Ruhm gewinnen,
Da werden die Leute sich anders besinnen.
Mut verloren - alles verloren!
Da wär es besser: nicht geboren.
Willst du dir ein gut Leben zimmern,
Mußt ums Vergangne dich nicht bekümmern,
Und wäre dir auch was verloren,
Erweise dich wie neugeboren;
Was jeder Tag will, sollst du fragen,
Was jeder Tag will, wird er sagen;
Mußt dich an eigenem Tun ergötzen,
Was andre tun, das wirst du schätzen;
Besonders keinen Menschen hassen
Und das übrige Gott überlassen.
Bekenntnis heißt nach altem Brauch
Geständnis, wie man's meint;
Man rede frei, und wenn man auch
Nur Zwei und Drei vereint.
Das Opfer, das die Liebe bringt,
Es ist das teuerste von allen;
Doch wer sein Eigenstes bezwingt,
Dem ist das schönste Los gefallen.
Nur wenn das Herz erschlossen,
Dann ist die Erde schön.
Du standest so verdrossen
Und wußtest nicht zu sehn.
Der Zaubrer fordert leidenschaftlich wild
Von Höll und Himmel sich Helenens Bild;
Trät er zu mir in heitern Morgenstunden,
Das Liebenswürdigste wär friedlich ihm gefunden.
Zu verschweigen meinen Gewinn,
Muß ich die Menschen vermeiden;
Daß ich wisse, woran ich bin,
Das wollen die andern nicht leiden.
Der Philosoph, dem ich so gern vertraue,
Lehrt, wo nicht gegen alle, doch die meisten,
Daß unbewußt wir stets das Beste leisten:
Das glaubt man gern und lebt nun frisch ins Blaue.
Der Dichter schaut in Weltgewühle,
Sieht jeden Menschen mit sich selbst befangen,
Bald heitern Sinns, bald bänglicher Gefühle,
Doch hat er Zwecke. Daß er die erlange,
Sucht er den eignen Weg zum eignen Ziele.
Was das bedeute, merkt er sich und allen,
Und was bedeutet, läßt er sich gefallen.
Gar mancher hat sich ernst beflissen
Und hatte dennoch schlechten Lohn.
Es ist ganz eigen: wenn sie wissen,
So meinen sie, sie wüßten schon.
In die Welt hinaus!
Außer dem Haus
Ist immer das beste Leben;
Wem's zu Hause gefällt,
Ist nicht für die Welt -
Mag er leben!
Seh ich zum Wagen heraus
Mich nach jemand um,
So macht er gleich was draus;
Er
denkt, ich grüß ihn stumm,
Und er hat recht.
Annonce
»Ein Hündchen wird gesucht,
Das weder murrt noch beißt,
Zerbrochene Gläser frißt
Und Diamanten.......«
Erwiderungen
Wie mir dein Buch gefällt? -
Will dich nicht kränken:
Um alles in der Welt
Möchte nicht so denken.
Wie mir dein Buch gefällt?
Ich lasse mir's schenken;
Hie und da in der Welt
Mag man wohl so denken.
Es ist nicht zu schelten,
Man laß es gelten!
Ich aber bin kein Haar
Weiter, als ich war.
Welch hoher Dank ist dem zu sagen,
Der frisch uns an das Buch gebracht,
Das allem Forschen, allen Klagen
Ein grandioses Ende macht.
Du, der Gefällige,
Warum du so fürchterlich bist? -
Das zu Gefällige
Ist ähnlich der List.
Jüngling, merke dir in Zeiten,
Wo sich Geist und Sinn erhöht,
Daß die Muse zu
begleiten,
Doch zu
leiten nicht versteht.
Angedenken an das Gute
Hält uns immer frisch bei Mute.
Angedenken an das Schöne
Ist das Heil der Erdensöhne.
Angedenken an das Liebe,
Glücklich! wenn's lebendig bliebe.
Angedenken an das Eine
Bleibt das Beste, was ich meine.
Daß ich bezahle,
Um zu verführen,
Das gilt in Westen,
Das gilt in Osten.
Daß ich bezahle,
Um zu verlieren,
Das sind, ich dächte,
Sehr falsche Kosten.
Seit einigen Tagen
Machst du mir ein bös Gesicht.
Du denkst wohl, ich soll fragen,
Welche Mücke dich sticht.
Das soll nun auch in meinen Sinn:
Zur Majestät ein Luder!
Mir wird für Schrecken siedend heiß,
Wie meine Haare weiß, so weiß
Ist auch gewiß mein Puder;
Und eine Luder-Königin
Ist auch so weiß wie Puder.
Bist eingeladen! Aber dein Gewinn
Ist nicht beim Schmause.
Wie ich eine Schöne los bin,
Bin gleich zu Hause.
Magst du jemand Feste geben,
Dem du schwer verschuldet?
Kannst du doch mit niemand leben,
Der dich allenfalls nur duldet.
Dir, alter Jason, noch so spät
Keimt abermal ein feindlicher Hauf:
Als hätte man K-s Zähne gesät,
Die Saat wächst grimmiger immer auf.
Mir und dir ist niemand hold,
Das ist unser beider Schuld.
»Warum ist denn das Urteil allzu kurz?«
Ein jeder schnuffelt nach dem eignen Furz.
Ich schelt euch nicht, wär es nicht Allgebrauch;
Wenn ich's täte, tätet ihr's denn auch?
Das mußt du als ein Knabe leiden,
Daß dich die Schule tüchtig reckt.
Die alten Sprachen sind die Scheiden,
Darin das Messer des Geistes steckt.
Wer mag denn gleich Vortreffliches hören?
Nur Mittelmäßige sollten lehren.
Viele Kinder, und schöne, werden gezeugt,
Weil sich auch Garstig zu Garstig neigt.
Hier schadet keineswegs das Gesicht:
Denn mit dem Gesichte zeugt man nicht.
Hier aber folgt noch allzuvieles
In meinen Papieren lustigen Spieles;
Da nickt mir ein artig Kind ins Gesicht -
Ich weiß nicht, soll ich? Soll ich nicht?
Zur Strafe, dafür es jeden graut,
Ist der Himmel neben die Hölle gebaut,
Damit die armen, verdammten Seelen
Vergeblich horchend baß sich quälen.
Drum, teure Kinder, seid fromm und gut,
Besonders hütet euch für Wankelmut.
Wer lebenslang dir wohlgetan,
Verletzung rechne dem nicht an.
Auch ich verharre meiner Pflicht;
Der Schatten weicht der Sonne nicht.
Eignes Geschick geht mir nicht nah,
Der ich Königinnen weinen sah.
Und ein Gewebe, sollt es ewig sein?
Zerstört's die Magd nicht, reißt die Spinn es selber ein.
Der einmal ein Zaubrer hieß,
Eben weil er bezaubert war,
Sich von Seelchen beseelen ließ,
Weil ihm dies behagte gar,
Jetzt mit Wörtlein eingeschlungen
Steigert er des Liedes Drang,
Zeugnis, wie er selbst durchdrungen
Fühlet, was man fühlend sang.
Was soll der Stolz,
Das Gerede, der Spott?
So nimm doch Holz
Und schnitz auch einen Gott.
Um niemand zu schelten, um niemand zu preisen,
Darf ich euch nur aufs Alte verweisen:
Denn das ist klassisch im echten Sinn,
Was ihr jetzt seid und ich jetzt bin.
Den Dichter könnt ihr mir nicht nehmen,
Den Menschen geb ich euch preis;
Auch der darf sich nicht schämen,
Greift doch an euren Steiß.
Sie werden so lange votieren und schnacken,
Wir sehen endlich wieder Kosaken;
Die haben uns vom Tyrannen befreit,
Sie befrein uns auch wohl von der Freiheit.
Läßt sich einer zur Tafel läuten,
Das Essen hat wenig zu bedeuten.
Kann die Vorsicht größer sein,
Das Unheil zu entfernen!
Ich seh bei hellem Mondenschein
Nachtwächter mit Laternen.
Ämtchen bringen Käppchen,
Ämtchen bringen Läppchen;
Reißen oft die Kappen
Und das Kleid in Lappen.
Die Mächtigen wollte Gott verschönen -
Warum sollt ihnen das Volk nicht frönen?
Der Zeitungsleser sei gesegnet,
Der liest, was heute mir begegnet.
Wollte Gott die Menschen belehren,
Mußt er ihnen nicht den Rücken kehren;
Und sollten sie auf ihr Bestes passen,
Mußt er sich nicht schlecht behandeln lassen.
Euer Geflüster und leises Fispeln
Mag ich am Ende nicht mehr ertragen.
Nur, stille nur! wenn alle lispeln,
Wird einer es auch am Ende sagen.
Die Zwei Marien. Zwei Romane
Der hat's den Engeln,
der den Teufeln abgelauscht;
Franzos und Deutscher haben die Rollen getauscht.
Quodlibet
Treib es mit ihm, wie dir's gefällt,
Auch Grobheit wird dir was erwerben.
Er ist der gründlichste Schuft von der Welt,
Man kann es nie mit ihm verderben.
So sehr dir auch der Topf gefällt,
Was nutzen dir zuletzt die Scherben?
Er ist der gründlichste Schuft von der Welt,
Man kann es nicht mehr mit ihm verderben.
Fahre fort im Sündenleben,
Wirst den vier Winden noch Tritte geben.
Trauerreglement
Dieses Heft Persönlichkeiten
Spar ich euch auf späte Zeiten:
Scheidend will ich nicht betrüben,
Ihr sollt lachen, meine Lieben.
Er ist noch weit vom Schluß entfernt,
Er hat das Ende nicht gelernt.
Die ihrem Mann allein gewährt vergnügte Stunden,
Ich gehe noch herum! ich hab sie nicht gefunden.
Du nimmst zuletzt doch auch
Für deine Schriften,
So wie es ist der Brauch,
Reichliche Giften.
An den neuen Sankt Antonius
Herr Bruder,
Welch ein Luder
Bringst du in deine Einsiedelei!
Ohne Zweifel,
Dich versucht der Teufel.
Gott steh uns bei!
Die Pest an Herrn Posselt
Man sucht mich von des Meeres Strand,
Von Landes Grenze zu entfernen,
Doch hoff ich sehr, dein Vaterland
Soll mich auch nächstens kennenlernen.
Der Bettler jammert wie der Fürst,
Die Kleinen heulen wie die Großen;
Doch hoff ich, daß du mich so höchlich preisen wirst
Wie meine Vettern, die Franzosen.
Willst du noch die Teufel bannen
Mit dem Fluch aus deutschem Herzen,
Da Tyrannen nach Tyrannen
Mark erdrücken und verscherzen?
Ihr Bestien, ihr wolltet glauben,
Ich sollte höflich sein?
Der Hund, der seine Steine kennt,
Er scheißt auch auf den Stein.
Dem Hülfsbedürft'gen immerdar bereit!
J.
Und du versprichst, es gilt für alle Zeit?
R.
Jetzt heiß ich Rom, dann heiß ich Menschlichkeit.
Ein jeder lese, was der
eine schrieb,
Ein jeder sage dir: du bist uns lieb.
Gott, heißt es, schied die Finsternis vom Licht,
Doch mocht es ihm nicht ganz gelingen,
Denn wenn das Licht in Farben sich erbricht,
Mußt es vorher die Finsternis verschlingen.
Wer aber das Licht in Farben will spalten,
Den mußt du für einen Affen halten.
Sie sagen's auch nur, weil sie's gelernt;
Das Untersuchen ist weit entfernt.
Einer machte das Hokuspokus,
Die andern fanden's großen Jokus
Und tanzen nun zu unsrer Plag
Taranteltanz bis auf diesen Tag.
Bei Saadi, gedenk ich mich,
Ist hundertsechzehn Jahr alt worden.
Er hat mehr ausgestanden als ich,
Und ich bin doch von seinem Orden.
9.
»Sag, was enthält die Kirchengeschichte?
Sie wird mir in Gedanken zunichte;
Es gibt unendlich viel zu lesen,
Was ist denn aber das alles gewesen?«
Zwei Gegner sind es, die sich boxen,
Die Arianer und Orthodoxen.
Durch viele Säkla dasselbe geschicht,
Es dauert bis an das Jüngste Gericht.
Der Vater ewig in Ruhe bleibt,
Er hat der Welt sich einverleibt.
Der Sohn hat Großes unternommen:
Die Welt zu erlösen, ist angekommen;
Hat gut gelehrt und viel ertragen,
Wie das [?] noch heut in unsern Tagen.
Nun aber kommt der Heilig Geist,
Er wirkt am Pfingsten allermeist.
Woher er kommt, wohin er weht,
Das hat noch niemand ausgespäht.
Sie geben ihm nur eine kurze Frist,
Da er doch Erst' und Letzter ist.
Deswegen wir treulich, unverstohlen
Das alte Credo wiederholen:
Anbetend sind wir all' bereit
Die ewige Dreifaltigkeit.
Mit Kirchengeschichte was hab ich zu schaffen?
Ich sehe weiter nichts als Pfaffen;
Wie's um die Christen steht, die Gemeinen,
Davon will mir gar nichts erscheinen.
Ich hätt auch können Gemeinde sagen,
Ebensowenig wäre zu erfragen.
Glaubt nicht, daß ich fasele, daß ich dichte;
Seht hin und findet mir andre Gestalt!
Es ist die ganze Kirchengeschichte
Mischmasch von Irrtum und von Gewalt.
Ihr Gläubigen! rühmt nur nicht euren Glauben
Als einzigen! Wir glauben auch wie ihr.
Der Forscher läßt sich keineswegs berauben
Des Erbteils, aller Welt gegönnt - und mir.
Ein Sadduzäer will ich bleiben! -
Das könnte mich zur Verzweiflung treiben,
Wenn von dem Volk, das hier mich bedrängt,
Auch würde die Ewigkeit eingeengt;
Das wäre doch nur der alte Platsch,
Droben gäb's nur verklärten Klatsch.
»Sei nicht so heftig, sei nicht so dumm!
Da drüben bildet sich alles um.«
Ich habe nichts gegen die Frömmigkeit,
Sie ist zugleich Bequemlichkeit;
Wer ohne Frömmigkeit will leben,
Muß großer Mühe sich ergeben:
Auf seine eigne Hand zu wandern,
Sich selbst genügen und den andern
Und freilich auch dabei vertraun,
Gott werde wohl auf ihn niederschaun.
Wer Wissenschaft und Kunst besitzt,
Hat auch Religion;
Wer jene beiden nicht besitzt,
Der habe Religion.
Niemand soll ins Kloster gehn,
Als er sei denn wohl versehn
Mit gehörigem Sündenvorrat,
Damit es ihm so früh als spat
Nicht mög am Vergnügen fehlen,
Sich mit Reue durchzuquälen.
Laßt euch nur von Pfaffen sagen,
Was die Kreuzigung eingetragen!
Niemand kommt zum höchsten Flor
Von Kranz und Orden,
Wenn einer nicht zuvor
Derb gedroschen worden.
Den deutschen Mannen gereicht's zum Ruhm,
Daß sie gehaßt das Christentum,
Bis Herrn Carolus' leidigem Degen
Die edlen Sachsen unterlegen.
Doch haben sie lange genug gerungen,
Bis endlich die Pfaffen sie bezwungen
Und sie sich unters Joch geduckt;
Doch haben sie immer einmal gemuckt.
Sie lagen nur im halben Schlaf,
Als Luther die Bibel verdeutscht so brav.
Sankt Paulus, wie ein Ritter derb,
Erschien den Rittern minder herb.
Freiheit erwacht in jeder Brust,
Wir protestieren all mit Lust.
»Ist Konkordat und Kirchenplan
Nicht glücklich durchgeführt?« -
Ja fangt einmal mit Rom nur an,
Da seid ihr angeführt.
Ein lutherischer Geistlicher spricht:
Heiliger, lieber Luther,
Du schabtest die Butter
Deinen Gesellen vom Brot,
Das verzeihe dir Gott!
Den Vereinigten Staaten
Amerika, du hast es besser
Als unser Kontinent, das alte,
Hast keine verfallene Schlösser
Und keine Basalte.
Dich stört nicht im Innern
Zu lebendiger Zeit
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.
Benutzt die Gegenwart mit Glück!
Und wenn nun eure Kinder dichten,
Bewahre sie ein gut Geschick
Vor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten.
Bei einer großen Wassersnot
Rief man zu Hülfe das Feuer,
Da ward sogleich der Himmel rot,
Und nirgend war es geheuer:
Durch Wälder und Felder kamen gerannt
Die Blitze zu flammenden Rotten,
Die ganze Erde, sie war verbrannt,
Noch eh die Fische gesotten.
Und als die Fische gesotten waren,
Bereitet' man große Feste;
Ein jeder brachte sein Schüsselein mit,
Groß war die Zahl der Gäste;
Ein jeder drängte sich herbei,
Hier gab es keine Faule;
Die Gröbsten aber schlugen sich durch
Und fraßen's den andern vom Maule.
Die Engel stritten für uns Gerechte,
Zogen den kürzern in jedem Gefechte;
Da stürzte denn alles drüber und drunter,
Dem Teufel gehörte der ganze Plunder.
Nun ging es an ein Beten und Flehen!
Gott ward bewegt, hereinzusehen.
Spricht Logos, dem die Sache klar
Von Ewigkeit her gewesen war:
Sie sollten sich keineswegs genieren,
Sich auch einmal als Teufel gerieren,
Auf jede Weise den Sieg erringen
Und hierauf das Tedeum singen.
Das ließen sie sich nicht zweimal sagen,
Und siehe! die Teufel waren geschlagen.
Natürlich fanden sie hinterdrein,
Es sei recht hübsch, ein Teufel zu sein.
Wenn auch der Held sich selbst genug ist,
Verbunden geht es doch geschwinder;
Und wenn der Überwundne klug ist,
Gesellt er sich zum Überwinder.
Die reitenden Helden vom festen Land
Haben jetzt gar viel zu bedeuten;
Doch stünd es ganz in meiner Hand,
Ein Meerpferd möcht ich reiten.
Am Jüngsten Tag vor Gottes Thron
Stand endlich Held Napoleon.
Der Teufel hielt ein großes Register
Gegen denselben und seine Geschwister,
War ein wundersam verruchtes Wesen:
Satan fing an, es abzulesen.
Gott Vater oder Gott der Sohn,
Einer von beiden sprach vom Thron,
Wenn nicht etwa gar der Heilige Geist
Das Wort genommen allermeist:
»Wiederhol's nicht vor göttlichen Ohren!
Du sprichst wie die deutschen Professoren.
Wir wissen alles, mach es kurz!
Am Jüngsten Tag ist's nur ein....
Getraust du dich, ihn anzugreifen,
So magst du ihn nach der Hölle schleifen.«
Ich kann mich nicht betören lassen,
Macht euren Gegner nur nicht klein:
Ein Kerl, den alle Menschen hassen,
Der muß was sein!
Wolltet ihr in Leipzigs Gauen
Denkmal in die Wolken richten,
Wandert, Männer all und Frauen,
Frommen Umgang zu verrichten!
Jeder werfe dann die Narrheit,
Die ihn selbst und andre quälet,
Zu des runden Haufens Starrheit,
Nicht ist unser Zweck verfehlet.
Ziehen Junker auch und Fräulen
Zu der Wallfahrt stillem Frieden,
Wie erhabne Riesensäulen
Wachsen unsre Pyramiden.
Die Sprachreiniger
Gott Dank! daß uns so wohl geschah:
Der Tyrann sitzt auf Helena!
Doch ließ sich nur der eine bannen,
Wir haben jetzo hundert Tyrannen.
Die schmieden, uns gar unbequem,
Ein neues Kontinentalsystem.
Teutschland soll rein sich isolieren,
Einen Pestkordon um die Grenze führen,
Daß nicht einschleiche fort und fort
Kopf, Körper und Schwanz von fremdem Wort.
An die T... und D...
Verfluchtes Volk! kaum bist du frei,
So brichst du dich in dir selbst entzwei.
War nicht der Not, des Glücks genug?
Deutsch oder teutsch, du wirst nicht klug.
Ein ewiges Kochen statt fröhlichem Schmaus!
Was soll denn das Zählen, das Wägen, das Grollen?
Bei allem dem kommt nichts heraus,
Als daß wir keine Hexameter machen sollen,
Und sollen uns patriotisch fügen,
An Knittelversen uns zu begnügen.
Sagst du »Gott«, so sprichst du vom Ganzen;
Sagst du »Welt«, so sprichst du von Schranzen.
Hofschranzen sind noch immer die besten -
* * * schranzen fürchte, die allerletzten.
Hatte sonst einer ein Unglück getragen,
So durft er es wohl dem andern klagen;
Mußte sich einer im Felde quälen,
Hatt er im Alter was zu erzählen.
Jetzt sind sie allgemein, die Plagen,
Der einzelne darf sich nicht beklagen;
Im Felde darf nun niemand fehlen -
Wer soll denn hören, wenn sie erzählen?
Die Deutschen sind recht gute Leut,
Sind sie einzeln, sie bringen's weit;
Nun sind ihnen auch die größten Taten
Zum ersten Mal im Ganzen geraten.
Ein jeder spreche amen darein,
Daß es nicht möge das letzte Mal sein.
Die Franzosen verstehn uns nicht;
Drum sagt man ihnen deutsch ins Gesicht,
Was ihnen wär verdrießlich gewesen,
Wenn sie es hätten franzö'sch gelesen.
Epimenides' Erwachen. Letzte Strophe
Verflucht sei, wer nach falschem Rat,
Mit überfrechem Mut,
Das, was der Korse-Franke tat,
Nun als ein Deutscher tut!
Er fühle spät, er fühle früh,
Es sei ein dauernd Recht;
Ihm geh es, trotz Gewalt und Müh,
Ihm und den Seinen schlecht!
Was haben wir nicht für Kränze gewunden!
Die Fürsten, sie sind nicht gekommen;
Die glücklichen Tage, die himmlischen Stunden,
Wir haben voraus sie genommen.
So geht es wahrscheinlich mit meinem Bemühn,
Den lyrischen Siebensachen;
Epimenides, denk ich, wird in Berlin
Zu spät, zu früh erwachen.
Ich war von reinem Gefühl durchdrungen;
Bald schein ich ein schmeichelnder Lober:
Ich habe der Deutschen Juni gesungen,
Das hält nicht bis in Oktober.
Was die Großen Gutes taten,
Sah ich oft in meinem Leben;
Was uns nun die Völker geben,
Deren auserwählte Weisen
Nun zusammen sich beraten,
Mögen unsre Enkel preisen,
Die's erleben.
Sonst, wie die Alten sungen,
So zwitscherten die Jungen;
Jetzt, wie die Jungen singen,
Soll's bei den Alten klingen.
Bei solchem Lied und Reigen
Das Beste - ruhn und schweigen.
Calan empfahl sich Alexandern,
Um jenen Rogus zu besteigen.
Der König fragte, so die andern
Des Heeres auch: »Was willst du zeigen?«
»Nichts zeigen will ich, aber zeigen,
Daß vor dem Könige, dem Heere,
Vor blinkend blitzendem Gewehre
Dem Weisen sich's geziemt zu schweigen.«
»Warum denn aber bei unsern Sitzen
Bist du so selten gegenwärtig?«
Mag nicht für Langerweile schwitzen,
Der Mehrheit bin ich immer gewärtig.
Was doch die größte Gesellschaft beut?
Es ist die Mittelmäßigkeit.
Konstitutionell sind wir alle auf Erden;
Niemand soll besteuert werden,
Als wer repräsentiert ist.
Da dem also ist,
Frag ich und werde kühner:
Wer repräsentiert denn die Diener?
Wie alles war in der Welt entzweit,
Fand jeder in Mauern gute Zeit:
Der Ritter duckte sich hinein,
Bauer in Not fand's auch gar fein.
Wo kam die schönste Bildung her,
Und wenn sie nicht vom Bürger wär?
Wenn aber sich Ritter und Bauern verbinden,
Da werden sie freilich die Bürger schinden.
Laßt euch mit dem Volk nur ein,
Popularischen! Entschied' es,
Wellington und Aristides
Werden bald beiseite sein.
Besonders, wenn die Liberalen
Die Pinsel fassen, kühnlich malen,
Man freut sich am Originalen;
Da zeigt sich nun ein jeder frei:
Er ist von Kindesbeinen tüchtig,
Besieht sich Erd' und Himmel richtig,
Sein Urteil ist ihm nur gewichtig,
Die Kunst ist selbst schon Tyrannei.
Ich bin so sehr geplagt
Und weiß nicht, was sie wollen,
Daß man die Menge fragt,
Was einer hätte tun sollen.
Mir ist das Volk zur Last,
Meint es doch dies und das:
Weil es die Fürsten haßt,
Denkt es, es wäre was.
»Sage mir, was das für Pracht ist?
Äußre Größe, leerer Schein!« -
O zum Henker! Wo die Macht ist,
Ist doch auch das Recht, zu sein.
Bürgerpflicht
Ein jeder
kehre vor seiner Tür,
Und rein ist jedes Stadtquartier.
Ein jeder
übe sein' Lektion,
So wird es gut im Rate stohn.
»Warum denn wie mit einem Besen
Wird so ein König hinausgekehrt?«
Wären's Könige gewesen,
Sie stünden alle noch unversehrt.
Geburt und Tod betrachtet ich
Und wollte das Leben vergessen;
Ich armer Teufel konnte mich
Mit einem König messen.
»Der alte, reiche Fürst
Blieb doch vom Zeitgeist weit,
Sehr weit!« -
Wer sich aufs Geld versteht,
Versteht sich auf die Zeit,
Sehr auf die Zeit!
»Geld und Gewalt, Gewalt und Geld,
Daran kann man sich freuen;
Gerecht- und Ungerechtigkeit,
Das sind nur Lumpereien.«
Die
gute Sache kommt mir vor
Als wie Saturn, der Sünder:
Kaum sind sie an das Licht gebracht,
So frißt er seine Kinder.
Daß du die
gute Sache liebst,
Das ist nicht zu vermeiden;
Doch von der schlimmsten ist sie nicht
Bis jetzt zu unterscheiden.
Grabschrift, gesetzt von A.v.J.
Verstanden hat er vieles recht,
Doch sollt er anders wollen;
Warum blieb er ein Fürstenknecht?
Hätt
unser Knecht sein sollen.
Nachlese
Propst Hee
Bald leuchtest du, o Graf, in engelheiterm Schimmer.
Graf Brandt
Mein lieber Pastor, desto schlimmer.
Die Herren blendt gar oft zu vieles Licht,
Sie sehn den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Sind Könige je zusammengekommen,
So hat man immer nur Unheil vernommen.
Bedenkt, man will euch hören;
So seid nicht redefaul;
Und wollt ihr euch erklären,
So nehmt nicht Brei ins Maul.
Bist zu schwach geschäftet,
Kannst dich selbst nicht tragen,
Erst ans Kreuz geheltet,
Dann aufs Rad geschlagen.
Denn mit dem himmlischen Küchenzettel
Ist's immer wieder der alte Bettel.
Wer Bedingung früh erfährt,
Gelangt bequem zur Freiheit.
Wem Bedingung sich spät aufdringt,
Gewinnt nur bittre Freiheit.
Ich habe die Tage
Der Freiheit gekannt,
Ich hab sie die Tage
Der Leiden genannt.
Es hange eben nicht zusammen,
Nicht mit Wartburgs Bücherflammen,
Nicht mit Verruf [?] von Geor[gia?];
Das stehe alles nur einzeln da,
Und müsse jedermann sich schämen,
Die Sache gar für ernst zu nehmen.
Ein abgestumpft Gesicht:
Zeig doch den Bloßen!
Wer ohne Nase spricht,
Hat die Franzosen.
Wie magst du ruhig fort erfahren,
Daß sie dich schelten? -
Ich rede zu! In funfzig Jahren
Wird es schon gelten.
Was einer denn wüßte? was wissen man kann?
Darob verwirrt sich, überwirft sich der Mann.
»Was
einer wissen konnte, und was er nun weiß,
Er selber wiß es! Nichts macht ihm dann heiß.«
O bleibe ruhigen Bezirken
Treu, deiner Lampe Nachtrevier.
Auf Menschen ist nicht leicht zu wirken,
Doch auf das willige Papier.
Und so im Wandlen eigentlichst belehrt:
Unschätzbar ist, was niemals wiederkehrt.
Und hätt er's auch gesehn, der höchste Blick
Kehrt nur ins Herz zur Herrlichkeit zurück.
Und wie der Mensch dem Menschen Weg' bereitet,
Dem Menschen ist's der Mensch, der sie bestreitet.
Es ist nicht hübsch, wenn man den Hof so sehr zum besten hat
Behüte Gott den Hof! Es gibt auch Land und Stadt.
Willst du wirksam sein,
Bediene dich deiner Kraft,
Jung in Gesellschaft,
Alt allein.
Wenn euch vor unsrem Namen graut,
Gleichgültig ist's, wie er heißt.
Wir haben die Natur mit einem Blick beschaut,
Der Lust und Lieb Sophias beweist.
Kirschkerne wird niemand kauen,
Man kann sie verschlucken, doch nicht verdauen.
Zu wünschen hab ich nichts, mich fördert alles,
Doch denk ich jetzt des ganz besondern Falles.
Doch kann sich einer pfiffiger erweisen,
Mein guter Freund, so will auch das nichts heißen.
Du hast so vielen schon den Hals gebrochen,
Und keiner hat so viel für dich getan.
So willst du, Teufel, doch einmal uneigen -
Uneigennützig dich, der Teufel! zeigen.
Ich wünschte wohl, dich anders zu staffieren,
Doch weil du's bist, so laß ich dich passieren.
Man weiß nicht wie, man tue nur das Rechte,
Am Ende fällt, am Ende dient der Schlechte.
Das Haus ist wohl gegründet,
In dem sich ein Knab oder Mägdlein findet,
Das weiß mit redlichem Bemühn
Der Eltern Feh[ler] zurechtzuziehn.
Besonders Eulen, die verdrießt,
Daß etwas Tag in die Ritzen fließt.
Wir sollen auf unsern Lorbeern ruhn,
Nichts weiter denken, als was wir tun.
Den offnen Mann beschämt ein Fehler nicht;
Der schäme sich, der heuchlend immer fehlt.
Was muß man doch im Alter nicht
An gutem Ruf verlieren:
Herr Spicker spickt gar mein [?] Gesicht
Am Festtag mit Geschwüren.
In Jena weiß man viele Sachen,
Nur nicht aus Essig Wein zu machen.
Catalani tat, was auch andre taten;
Große Talente sind schlecht beraten.
Daß die Bibelgesellschaft
Das wunderliche Buch in die Welt schafft,
Das kann ich gar nicht überwinden,
Wenn es auch vielen Leuten gefällt;
Nur die Krämer in aller Welt
Werden sich freuen, Christen zu finden,
Denen sie denn einen Rosenkranz
Verkaufen mögen oder andern Tanz.
Wenn du nicht hättest gut reimen wollen,
Andern Tand hättest du sagen sollen.
Dreieinigkeit hab ich auch gesehn
Lebendig durcheinanderwehn!
Der Heilige Geist fuhr hin und her,
Als wenn er flatternde Taube wär.
Gott der Sohn gab sein Wort dazu,
Der Vater blieb in ewiger Ruh,
Denn er wußte schon ungefähr,
Was an der ganzen Sache wär.
Christus ein Gott vom Himmel kam,
Ein Mensch auf Erden wundersam;
Als Gott und Mensch, als Mensch und Gott
Anbetung ward ihm, Schand und Spott;
Zuletzt zu unserer Seligkeit
Ging er durchs Grab zur Herrlichkeit.
Glücklich, wenn nach außen ich die Augen wende,
Nur die Krätzigen besehen ihre eignen Hände.
Thema
»Für den Kammerdiener
Gibt's keinen Helden!«
Ausführung
Held ist kein Kammerdiener,
Das muß ich melden.
Der Diener aber beweist
Sich nur gegen den Helden,
Wenn dieser pißt und scheißt.
Will doch auch was gelten.
Da sagt sodann der Knecht
Zu lausigen Leuten:
»Mein Herr ist mir eben recht,
Hat nichts zu bedeuten.«
Seid mir willkommen, süße Buhlerinnen,
Denn ihr allein verschönt uns doch die Welt;
Ihr lasset uns im Augenblick gewinnen,
Was Prüderie uns jahrelang verhält.
Was sie nicht fühlt, sie weiß es zu ersinnen,
Wie selbstgefällig froh sie sich verstellt;
Von Eva her geschaffen zum Betrügen,
Sie kleidet nichts so gut, als wenn sie lügen.
An Venus Medicis ruht es in Frieden
Und am Apoll von Belveder desgleichen;
Doch beide sind entschieden so geschieden,
Daß sie sich möchten gar zu gern erreichen.
So wird für Gott und Göttin, Mann und Weib
Die allerhöchste Pflicht ein Zeitvertreib.
Doch wo das Gleiche mit dem Gleichen wechselt,
An
einem Körper wunderlich zu schauen,
Eins in das andre so hineingedrechselt,
Da überfällt mich Angst und quälend Grauen.
Und also, ein für allemal,
Der Lingam ist mir ganz fatal!
Es hat ein hübsches Maidel
Nur allzuviel zu tun,
Der Bursche trinkt manch Seidel
Und kann hernach nicht ruhn.
Und wenn sie dann sich trafen,
Wer kann dann was dafür?
Er hat den Rausch verschlafen,
Der Rausch, er schläft mit ihr.
Was gibst du dir mit Lieb und Ehre
Und andern Dingen so viele Pein!
Wenn ein tüchtiger S... nur wäre,
Die Weiber würden sämtlich zufrieden sein.
Und was bleibt denn an dem Leben,
Wenn es alles ging zu Funken,
Wenn die Ehre mit dem Streben
Alles ist im Quark versunken.
Und doch kann dich nichts vernichten,
Wenn, Vergänglichem zum Trotze,
Willst dein Sehnen ewig richten
Erst zur Flasche, dann zur...
Was uns gefällt und scheinet fein,
Muß erst mit Müh erworben sein.
Was der Mensch als Gott verehrt,
Ist sein eigenstes Innere herausgekehrt.
Gleichnisse dürft ihr mir nicht verwehren,
Ich wüßte mich sonst nicht zu erklären.
Denkt nicht, ich geh euch dummem Volk zu Leibe;
Ich weiß recht gut, für wen ich schreibe.
So wie ich weiß,
Hieß es Granit-Gneis.
Jetzt heißt[s] Gneis-Granit;
Das ist ein wichtiger Schritt!
Als wenn ich sagte: Seel und Leib,
Mann und Weib!
Weib und Mann, Leib und Seele:
Gott gebe, daß es am Besten nicht fehle!