Nach der ersten Vertreibung der Berliner Volksvertreter
Das Schauspiel ist zu Ende -
Der Henker hat sein Theil;
Das Haupt Maria Stuart's
Fiel unter seinem Beil!
»Elisabeth von England,
Nur sie ist souverain;
Wer nach der Krone tastet,
Muß schmählich untergehn!«
»Elisabeth von England
Hat ihre Gewalt von Gott,
Und wer sie ihr bestreitet,
Der stirbt auf dem Schaffot!«
So hat man dir gerathen,
Rathlose Königin!
So gab man deinen Namen
Der Zeiten Abscheu hin!
In Potsdam
Vom Dome hallen Glockenklänge -
Stille Andacht überall,
Gläubig singt des Volkes Menge
Zu der Orgel hellem Schall;
Dort in einsamer Kapelle
An des Altars heilger Schwelle
Knie'n die
Allerhöchsten Sünder,
Gottes auserwählte Kinder.
Was sie beten, was sie flehen?
Ihre bleiche Lippe spricht:
»Jetzt, da wir am Abgrund stehen,
Jetzt - nur jetzt verlaß' uns nicht!
Unser Purpur will erbleichen,
Unsre Macht zerfällt in Scherben;
Lass' mit Blute sonder Gleichen
Uns den Purpur wieder färben !« -
Mögen sie zum Himmel beten
Und mit neu gestärktem Muth
Eines Volkes Recht zertreten ,
Pochend auf des Höchsten Huth:
Taub und schwach sind ihre Götter,
Taugen nur zum Spiel der Spötter;
Doch der Geist, der ewig freie,
Gibt dem Volk die Siegesweihe !
Der Linken
Weit in die Ferne mögt Ihr flüchten,
Die einst das Volk hierher gesandt,
Ein stattlich Wohnhaus zu errichten,
Wo sonst der Willkür Zwingburg stand.
Auf freier Schweizer freien Bergen
Mögt vor Verrath Ihr sicher sein;
Denn seht! sie suchen schon nach Schergen,
Die
Euch des Hochverrathes zeih'n.
Die Tirannei von Gottes Gnaden
Will nur ein demuthsvoll Gebet; -
Ihr spracht zu kühn von Barrikaden
Und von des
Volkes Majestät. -
Ihr habt, nach Brandenburg entboten,
Den Ukas der Gewalt verlacht,
Ihr habt, als Bajonette drohten,
Nur an des
Volkes Wohl gedacht.
»Fort mit dem eitlen Tand der Orden
Und mit dem Adelspergament,
Das längst der Würmer Raub geworden!«
Wer ist, der den Beschluß nicht kennt?
Das war zuviel der guten Gabe;
Man gibt Euch Fersengeld in Kauf, -
Und grinsend steht aus seinem Grabe
Der alte Landtag wieder auf .
Was soll das Puppenspiel uns frommen,
Bereitet von höchsteigner Hand?
Es
muß der Tag der Ernte kommen -
Die Sonne hat zu heiß gebrannt;
Der Sklaven bunte Weihrauchwolke
Und schöne Worte helfen nicht -
Die
Krone zeigte selbst dem Volke,
Wie leicht ein Wort, ein Eid sich bricht.
Weit in die Ferne mögt Ihr flüchten,
Die einst das Volk hierher gesandt,
Ein stattlich Wohnhaus zu errichten,
Wo sonst der Willkür Zwingburg stand.
Zwar gibt Euch Niemand das Geleite;
Doch pocht im Stillen manches Herz;
Zieht Ihr auch heute in die Weite,
Euch ruft zurück ein schönrer März! -
Lied einer schlesischen Weberin
Wenn's in den Bergen rastet,
Der Mühlbach stärker rauscht,
Der Mond in stummer Klage
Durch's stille Strohdach lauscht;
Wenn trüb die Lampe flackert
Im Winkel auf den Schrein:
Dann fallen meine Hände
Müd in den Schooß hinein.
So hab' ich oft gesessen
Bis in die tiefe Nacht,
Geträumt mit offnen Augen,
Weiß nicht, was ich gedacht;
Doch immer heißer fielen
Die Thränen auf die Händ' -
Gedacht mag ich wohl haben:
Hat's Elend gar kein End? -
Gestorben ist mein Vater, -
Vor Kurzem war's ein Jahr -
Wie sanft und selig schlief er
Auf seiner Todtenbahr'!
Der Liebste nahm die Büchse,
Zu helfen in der Noth;
Nicht wieder ist er kommen,
Der Förster schoß ihn todt. -
Es sagen oft die Leute:
»Du bist so jung und schön,
Und doch so bleich und traurig
Sollst du in Schmerz vergehn?« -
»Nicht bleich und auch nicht traurig!«
Wie spricht sich das geschwind
Wo an dem weiten Himmel
Kein Sternlein mehr ich find'!
Der Fabrikant ist kommen,
Sagt mir: »mein Herzenskind,
Wohl weiß ich, wie die Deinen
In Noth und Kummer sind;
Drum willst Du bei mir ruhen
Der Nächte drei und vier,
Sieh' dieses blanke Goldstück!
Sogleich gehört es Dir!«
Ich wußt' nicht, was ich hörte -
Sei Himmel du gerecht
Und lasse mir mein Elend,
Nur mache mich nicht schlecht!
O lasse mich nicht sinken!
Fast halt' ich's nicht mehr aus,
Seh' ich die kranke Mutter
Und's Schwesterlein zu Haus'!
Jetzt ruh'n so still sie alle,
Verloschen ist das Licht,
Nur in der Brust das Wehe,
Die Thränen sind es nicht.
Kannst du, o Gott, nicht helfen,
So lass' uns lieber gehn,
Wo drunten tief im Thale
Die Trauerbirken steh'n! -