Soldatenglück
Fliegendes Blat
Frisch auf ins weite Feld!
Zu Wasser und zu Lande
Bin ich Soldat für's Geld.
Wenn alle Menschen schlafen,
Soldaten müssen wachen,
Dazu sind sie bestellt.
Der König trägt die Kron,
In seiner Hand den Scepter,
Wenn er sitzt auf dem Thron,
Ein langes Schwerdt zur Seite,
Zu gehen mit zum Streite,
Auf Frieden und Pardon.
Ein Adeliche Dam,
Die schläft bei ein'm Soldaten,
Aus lauter Liebes-Flamm.
Es klingt ihr in den Ohren
Soldaten sind gebohren
Aus ritterlichem Stamm.
Soldat du edles Blut,
Weil du bist hochgebohren
Aus lebensfrischem Muth,
Wenn schon die Kugeln sausen
Laß dir davor nicht grausen,
Wems glückt, der kommt davon.
Das Lustlager
Mündlich.
Reiter.
Hör Bauer, was ich sage,
Das Quartier und das ist aus,
Wenn du'n Trompeter hörst blasen,
So komm und weck mich auf.
Und sattle mir mein Pferdchen
Und leg zur Hand mein Schwerdt,
Den Mantel thu drauf binden,
Daß ich bald fertig werd.
Mädchen.
Wer stehet draußen vor meinem Fenster,
Wer steht draußen vor meiner Thür?
Ist es der Schönste, der Angenehmste,
Der noch heute will von hier?
Reiter.
Jungfrau, ich bitt sie ganz unterthänig,
Ach eröffnen sie mir die Thür,
Dieweil nunmehr die Zeit verflossen,
Und ich abscheiden muß von hier.
Mädchen.
Mein Vater liegt im obern Zimmer,
In sein Schlafkämmerlein ruhet er,
Er hat ein Brieflein in seiner Tasche,
Die Antwort steht geschrieben darin.
Reiter.
Trübe Wolken an dem Himmel,
Tausend Seufzer schick ich zu dir,
Dieweil ich muß fort an einen andern Ort,
Lebe wohl zu tausend guter Nacht.
Mädchen.
Ich trage Ketten mein ganzes Leben,
Wer mich kann retten aus meiner Qual,
Dem will ich zeigen, daß ich sein eigen,
Und ihm getreu will seyn bis an mein Grab.
Reiter.
Sterbe nicht mein Kind, das bitt ich dich,
Sonst ist verlohren all mein Freud,
Alle Berge und Thäler zusammenfallen,
Eh ich dir mein Kind untreu will seyn.
Der Tag kommt hergeschlichen,
Die Sonne blickt herfür,
Nachdem die Nacht verstrichen.
Der Bauer tritt an die Thür.
Bauer.
Sie blasen wacker drauf,
Herr mein Soldat! steh auf,
Das Pferd ist schon gesattelt,
Der Mantel gebunden drauf.
Das Pferdchen muß ihn tragen
Wohl vor das hohe Haus,
Mit ihren schwarzen Augen
Schaut Liebchen zum Fenster n'aus.
Was thät er ihr zu Ehren?
Schoß Pulver in die Luft,
Daß man den Knall thät hören,
Wie ein Pistole pufft.
Reiter.
Hör Pferdchen, was ich sage,
Hör Pferdchen, was ich sag,
Heut Nacht must du mich tragen
Zurück vor Liebchens Thür.
Reiterlied
Venusblümlein von Metzger. Nürnberg 1612.
Nach Reitersbrauch ich reite
Mein Rößlein in das Feld,
Tumml das auf grüner Heide
Werfs rumm auf alle Seiten,
Mit Spornstreich mach' ich's springreich,
Das mir dann wol gefällt.
Wann es höflich thut traben,
Lacht mir das Herze mein,
Artlich Tugend und Gaben
Mein Roß an sich thut haben,
Auf alle Weis' erlangt es Preiß,
Zierlich sein Sprünge sein.
Im Rennen nicht seines gleichen,
Schnell läuft es wie der Wind,
Männlich sichs thut erzeigen,
Mit Schlagen und mit Beissen;
Gegen sein Feind ich sage heint,
Seinesgleichen man nicht findt.
Wenn ich bin ans heimreiten,
Schenk ich meim Buhl ein Trab,
Dann wirfts den Kopf auf die Seiten,
Trit auf mit engem Schreiten,
Und trabet vor meins Buhlens Thür,
Sie schaut zum Fenster r'aus.
Thut mich freundlich anlachen,
Wünscht mir einen guten Tag,
Was sollt mich in den Sachen
Denn dies frölicher machen.
Mein Roß und Schatz bei mir han Platz,
Ohn die ich nicht seyn mag.