Johannes Spangenbergs Sammlung Deutscher GedichteGoethe Scherenschnitt

Deutsche Gedichte, eine Anthologie

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Ludwig Achim von Arnim



Band 2





Die Marketenderin


Mündlich.

Es hat sich ein Mädchen in'n Fähndrich verliebt,
Er spricht ihr von Ehre und heirath sie nicht,
Wenn der Fähndrich die Fahne thut rühren,
Thut sich ihr Herzchen vor Freuden floriren.

Der Tambur die Trummel im Wirbel schon rührt,
O wunderschön Mädchen must leiden groß Noth,
Da heißt es, Soldaten in's Feld müßt marschieren,
Bald haben wir kein Geld, bald haben wir kein Brod.

Bald haben wir kein Brod. bald haben wir kein Geld,
O du wunderschön Mädel! so geht es im Feld,
Und wenn der Feind kommt und bringet uns um,
Bleib bei der Armee und halt dich fein frumm.






Wär ich ein Knab geboren


Mündlich.

Es wollt ein Mädel grasen,
Wollt grasen im grünen Klee,
Begegnets ihm ein Reiter,
Wollts haben zu der Eh.

Ach komm, du hurtig Mädel,
Und setz dich zu mir her.
»Ich wollt ich dürft mich setzen,
Kein Gras hats Zicklein mehr.«

Der Reiter spreit den Mantel,
Wohl über den grünen Klee:
Komm du mein wackeres Mädel,
Und setz dich zu mir her.

»Ich wollt, ich dürfte sitzen,
Das Zicklein hat kein Gras,
Hab gar ein zornig Mutter,
Sie schlägt mich alle Tag.«

Hast du ein zornig Mutter,
Und schlägt dich alle Tag,
Verbind den kleinen Finger,
Und sag, er sey dir ab.

»Wie wollt ich dürfen lügen,
Steht mir gar übel an,
Viel lieber wollt ich sprechen,
Der Ritter wär mein Mann.«

»Ach Mutter, liebe Mutter,
Ach gebt mir einen Rath,
Es reitet mir alle Tage
Ein hurtiger Ritter nach.«

Ach Tochter! liebe Tochter!
Den Rath, den geh ich dir,
Laß du den Reiter fahren,
Bleib du das Jahr bey mir.

»Ach Mutter! liebe Mutter!
Der Rath, der ist nicht gut,
Der Ritter ist mir lieber,
Als all dein Hab und Gut.«

Ist dir der Reiter lieber,
Als all mein Hab und Gut,
So bind dein Kleid zusammen,
Und lauf dem Reiter zu.

»Ach Mutter! liebe Mutter!
Der Kleider hab ich nicht viel,
Gieb mir nur hundert Thaler,
So kauf ich, was ich will.«

Ach Tochter! liebe Tochter!
Der Thaler hab ich nicht viel,
Dein Vater hats verruschelt
In Würfel- und Kartenspiel.

»Hats denn mein Vater verruschelt
In Würfel- und Kartenspiel,
So sey es Gott erbarmet,
Daß ich sein Tochter bin.«

»Wär ich ein Knab geboren,
Ich wollte ziehn ins Feld,
Ich wollt die Trommel rühren,;
Dem Kaiser um sein Geld.«






Abschied für immer


Mündlich.

Heute marschieren wir,
Morgen marschieren wir,
Zu dem hohen Thor hinaus,
Ey du wacker schwarzbraun Mägdlein,
Unsre Lieb ist noch nicht aus.

Reist du schon fort?
Reist du denn schon fort?
Kommst du niemals wieder heim?
Und wenn du kommst in ein fremdes Ländchen,
Liebster Schatz vergiß mein nicht.

Trink du ein Gläschen Wein,
Zur Gesundheit mein und dein,
Kauf mir einen Strauß am Huth,
Nimm mein Tüchlein in die Tasche,
Deine Thränlein mit abwasch.

Es kommt die Lerche,
Es kommt der Storch,
Es kommt die Sonne ans Firmament.
In das Kloster will ich gehn,
Weil ich mein Schätzchen nicht mehr thu sehen,
Weil nicht wiederkommt mein Schatz!

»Dorten sind zwey Turteltäubchen,
Sitzen auf dem dürren Ast,
Wo sich zwey Verliebte scheiden,
Da verwelket Laub und Gras,
Was batt mich ein schöner Garten,
Wenn ich nichts darinnen hab,
Was batt mich die schönste Rose,
Wenn ich sie nicht brechen soll,
Was batt mich ein jung frisch Leben,
Wenn ichs nicht der Lieb ergeb?«






Großer Kriegshymnus in der Gelehrten-Republik


Filipp Zesens Frühlingslust. S. 45.

Sollt ich ein Feldherr seyn und Kriegesheere führen,
So wollt ich stracks auszieren
Das ganze Kriegesheer
Mit einem solchen Volk, das hold den Büchern wär,
Die Studenten müsten seyn
Meine beste Bursch und Führer,
Die Gelehrten Feindausspürer;
Föbus Völker in gemein
Müsten die Feinde verjagen und dämpfen,
Müsten uns helfen und ritterlich kämpfen.

Büchsmeister sollten seyn die süßen Musikanten,
Die Helikons Verwandten,
Der Orgeln Freudenschall,
Sollt an Trompeten statt erklingen überall,
Bachus und sein Kammerad
Ceres sollten uns wohl geben
Brod und Speis und Wein zu leben;
Frischen uns nach Krieges-Rath,
Musen und Grazien müsten mitkämpfen,
Müsten die Feinde verjagen und dämpfen.

Die Feder sollte mir anstatt der Schwerdter dienen,
Wir wollten uns erkühnen
In alle Welt zu gehn.
Mich deucht, ich wollte wohl mit diesem Volk bestehn,
In Gefahr und Kriegesnoth;
Schriftgelehrte und Juristen
Müsten sich zu streiten rüsten,
Die, vor denen flieht der Tod ,
Müsten uns helfen auch ritterlich kämpfen,
Müsten die Feinde verjagen und dämpfen.