Johannes Spangenbergs Sammlung Deutscher GedichteGoethe Scherenschnitt

Deutsche Gedichte, eine Anthologie

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Ludwig Achim von Arnim



Band 2





Trinklied


Mitgetheilt von H.C. Bertuch.

Ich ging einmal nach Graßdorf nein,
Da kam ich vor die Schenke,
Und da ich vor die Schenke kam,
Da fing mich an zu dursten.
Der Wirth der sezt mich oben an,
Er dacht ich wär der beste.
Ey Mutter Gottes ja
Maynblümlein bla,
Wie lachten die andern Gäste.

Und weil ich nun gegessen hatt'
Da sollt' ich auch bezahlen,
Da fragt ich, was die Mahlzeit kost',
Da sprach der Wirth: ein Thaler,
Ey Mutter Gottes ja
Maynblümlein bla,
Da hatt' ich keinen Thaler.

Der Wirth der zog mein Röckle aus,
Und jagt mich in die Scheune,
Ey Mutter Gottes ja, Maynblümlein bla,
Wie lang war mir die Weile.
Und als es gegen Morgen kam,
Da träufelts von dem Dache,
Ey Mutter Gottes ja
Maynblümlein bla,
Da mußt ich selber lachen.
Und als es gegen Mittag kam,
Da zog der Wirth mir's Käpple aus,
Und jagt mich auf die Straße.
Und als ich auf die Straße kam,
Die Schuh warn sehr zerbrochen,
Ey Mutter Gottes ja
Maynblümlein bla,
Da lief ich auf den Socken.






Trinklied


Kriegers Arien. Dresden 1676.

Der edle Wein
Ist doch der beste Schieferdecker,
Sein schiefer Schein
Macht alle Menschen etwas kecker,
Ich wundre mich,
Daß er so klettern kann und steigen,
Und macht daß sich
Die großen Häupter vor ihm neigen.

Der muntre Trank
Kann ohne Leiter weiter kommen,
Wenn er so blank
Die Stirnenburg hat eingenommen,
Als mancher, der
Mit Hülfe sich hinan will bringen,
Und ohn Gefahr
Die Hälfte noch weiß zu erzwingen.
Drum bleibts dabey,
Er hegt ein recht vergöttert Leben,
Weil er so frey
Kann in die Lüfte schweben.
Und wenn wir ihn
In unsre hohlen Hälse lassen
Mit Pracht einziehn,
Empfinden wir ihn gleichermassen.

Dann manches Haus,
So schwer es sonst auf Säulen stehet,
Fährt mit hinaus,
Es merket, daß es leichter gehet,
Sobald der Wein
Durch seine Pfort ist eingezogen,
So stimmt es ein,
Und meint es sey schon hochgeflogen.

Wenn dies geschicht,
So könnte doch kein Haus bestehen,
Wenn Morpheus nicht,
Der Baukunst an die Hand zu gehen,
Vor andren wär
Erfahren und so weit gekommen,
Daß ihm die Ehr
Von Sterblichen noch nie genommen.

Dann wenn der Wein
Aufleget gar zu schwere Dächer,
So muß es seyn,
Daß sie beschweren die Gemächer,
Macht er Verdruß,
So mag er Schieferdecker bleiben,
Dach Morpheus muß
Den Bau erhalten und forttreiben.






Hum fauler Lenz


Mitgetheilt von H. Spangenberg.

Es wollt eine Frau zu Weine gahn. Hum fauler Lenz.
Und wollt den Mann nicht mit sich han. Ha ha ha.

Du mußt zu Hause bleiben. Hum usw.
Sollst Küh und Kälber treiben. Ha usw.

Ach Mann, was hast du dann gethan. Hum usw.
Du hast den Rahm gefressen ab. Ha usw.

Und hast die Molken lassen stahn. Hum usw.
Dafür mußt du jezt Prügel han. Ha usw.

Die Frau ergrif den Plaul. Hum usw.
Und schlug den Mann aufs Maul. Ha usw.

Der kroch zum Hühnerloch hinaus. Hum usw.
Wohl in das nächste Nachbarhaus. Ha usw.

Ach Nachbar, ich muß klagen. Hum usw.
Mein Frau hat mich geschlagen. Ha usw.
So ist mir gestern auch geschehn. Hum usw.
So will ich wieder heime gehn. Ha usw.






Trinklied


Poetisches Lustgärtlein. Gedruckt 1645. S. 21.

Wer fragt danach,
Aus dem Gelag,
Hab ich mir vorgenommen,
Den ganzen Tag,
So lang ich mag,
Auch morgen nicht zu kommen.
Herr Wirth, gebt Ihr
Die Freyheit mir,
Mich lustig zu erzeigen,
So seht nur an,
Wie wohl ich kann
Die frischen Gläser neigen.

Dies ist der Trank,
Der Unmuth zwang,
Durch den wir lustig werden,
Der unsern Geist
Der Pein entreißt,
Giebt freudige Geberden.
Er thut uns kund
Des Herzens Grund,
Macht Bettler gar zu Fürsten,
Wir werden kühn
Und frisch durch ihn,
Daß uns nach Blut muß dürsten.

Sein süßer Saft
Giebt denen Kraft
Zu reden, die sonst schweigen,
Macht uns bereit,
Barmherzigkeit
Den Armen zu erzeigen,
Wie auch beherzt,
Das was uns schmerzt
Zu eifern und zu lästern,
Ertheilt die Kunst
Und alle Gunst
Der dreymal dreyen Schwestern.

Daher man sieht,
Wenn wir hiemit
Die Nase schon begossen,
Wie dann der Fluß
Des Pegasus
Kommt auf uns zugeschossen,
Der will dann ein
Poete seyn,
Der kann viel Streitens machen
Von der Natur,
Der redet nur
Von Gottes hohen Sachen.

Dort hat ein Paar
Sich bey dem Haar,
Der greift nach seinem Degen,
Der steht und speit,
Der jauchzt und schreit
Und kann sich kaum noch regen.
Der säuft dem zu
Auf einen Du,
Der schwatzt von seinen Kriegen,
Der sitzt und weist
Wo er gereist,
Und scheut sich nicht zu lügen.

Auch mir wird izt
Der Kopf erhitzt,
O Wein, von deinen Gaben,
Die Zunge singt
Die Seele springt,
Die Füsse wollen traben,
Wohlan noch baß
Durch dieses Glas
Will ich auf dich jezt zielen.
Du deutsches Blut
Laß mir ein gut
Rundadinella spielen.