Johannes Spangenbergs Sammlung Deutscher GedichteGoethe Scherenschnitt

Deutsche Gedichte, eine Anthologie

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Ludwig Achim von Arnim



Band 2





Trinklied


(1500-1550.)

Die liebste Buhle, die ich han,
Die liegt beim Wirth im Keller,
Sie hat ein hölzern Röcklein an,
Und heißt der Muskateller.
Sie hat mich nächten trunken gemacht,
Und fröhlich mir den Tag vollbracht,
Drum wünsch ich ihr ein gute Nacht.

Sie hat mich auch so angelacht,
Daß ich die Sprach verlohren,
Und hat mir gestern Bauchweh gemacht
Wohl zwischen meinen Ohren,
Drum thu ich ihr ein Possen heut,
Und bring zu ihr ein andre Maid,
Die mag mit ihr bestehn den Streit.

Nun Mägdlein halt dein Kränzlein fest,
Daß du nicht kömmst zum weichen,
Mein Wein thut heut gewiß sein Best,
Gar sanft wird er einschleichen.
Mein Herz hält Wasser als ein Sieb,
Mein Buhl, er ist mir gar zu lieb.
Steig ein, schleich ein du lieber Dieb.

Soll ich mein Kränzlein halten fest,
Das sein hängt an der Pforten,
Viel lieber wär ich nie gewest
In diesem schweren Orden.
Dein Buhl dreht mir die Sinnen all,
Das Gläslein hat ein glatten Schall,
Gieb acht mein Knab, daß ich nit fall.

Und wenn er in ein faul Faß käm,
So müßt mein Wein versauren,
Und wenn ich eine andre nähm,
So müßt mein Herz vertrauren;
Drum will mein Buhl mir stehen bei,
Er lehrt mich sagen also frei,
Daß ich dich mein mit steter Treu.

Und wär ein Fäßlein noch so rein,
So findt man Drusen drinnen,
Und wär ein Knabe noch so fein,
Ist er doch falsch von Sinnen.
Mit Spinnen voll ein Zuckerlad,
O Weh, der mich verführet hat
Auf diesen steilen Rebenpfad.

Ach Mägdlein laß dein Weinen seyn,
Bis daß geweint die Reben,
Und bringst du mir ein Knäbelein,
Ein Winzer soll es geben,
Und bringst du ein klein Mägdelein,
Solls nähen mit der Nadel fein
Den Schlemmern ihre Hemdelein.






Das dumme Brüderlein


(1500-1550.)

Wo soll ich mich hinkehren,
Ich dummes Brüderlein,
Wie soll ich mich ernähren
Mein Gut ist viel zu klein;
Wie wir ein Wesen han,
So muß ich bald daran,
Was ich heut soll verzehren
Ist gestern schon verthan.

Ich bin zu früh geboren,
Wo heute ich hinkomm,
Mein Glück das kommt erst morgen,
Hätt ich den Schatz im Dom,
Dazu den Zoll am Rhein,
Und wär Venedig mein,
So wär es all verloren,
Es müßt verschlemmet seyn.

Was hilft, daß ich mag sparen,
Vielleicht verlör ichs gar,
Sollt mirs ein Dieb ausscharren,
Es reute mich ein Jahr,
Ich weis, mein Gut vergeht
Mit Schlemmen früh und spät,
Doch der hat einen Sparren,
Dem was zu Herzen geht.

Ich laß die Vögel sorgen
In diesem Winter kalt,
Will uns der Wirth nicht borgen,
Den Rock geb ich ihm bald,
Sein Wein, der mich erzog,
Hat nur ein hölzern Rock,
Will mich als Faß ihm borgen,
In meinem rothen Rock.

Rück an den Schweinebraten,
Dazu die Hühner jung,
Darauf mag bas gerathen
Ein frischer kühler Trunk,
Mein Freund, du guter Wein,
Willkommen, du bist mein,
Mir ist ein Beut gerathen,
Das muß verschlemmet seyn.

Drey Würfel, eine Karte,
Das ist mein Wappen frey,
Sechs hübsche Fräulein zarte
An jeder Seite drey,
Komm her du schönes Weib,
Mein Herz freut sich im Leib,
Du mußt heut auf mich warten,
Der Wein ist Zeitvertreib.






Trinklied


(1500-1550.)

Dort unten an dem Rheine,
Da ist ein Berg bekannt,
Der trägt ein guten Weine,
Rüdesheimer genannt,
Der hat ein geistlich Art an sich,
Macht äußerlich und innerlich.

Ein Klösterlein wir bauen
Dort aus der Maßen gut,
Von lauter schön Jungfrauen,
Liegt gar in großer Armut,
Darin manch Bruder trinkt kein Geld,
Und ißt kein Wein, daß er den Orden hält.

Ein Abt den thun wir weihen,
Der hat der Hühner viel,
Die gachsen all und schreien,
Wer nur die Eier will,
Ka, ka, ka, ka, ka, ka ney
Backen wir ein Küchelein zu dem Wein.

Kartheuser sind uns zu wider,
Zur Zeit wenn sie aufstehn,
Dann legen wir uns nieder,
Und putzen uns die Zähn.
Kartheuser sind uns ungemäs,
Wir essen kein Brod und sie kein Käs.

Gloria! ihr Brüder alle,
Profiziat ihr Herrn,
Kapitel wollen wir halten,
Bis zu dem Morgenstern.
Nun resonet in Laudibus,
Wer übrig bleibt, bezahlen muß.






Trinklied


(1500-1550.)

Man sagt wohl in dem Mayen,
Da sind die Brünnlein gesund,
Ich glaubs nicht meiner Treuen,
Es schwenkt eim nur den Mund,
Und thut im Magen schweben,
Drum will mirs auch nicht ein,
Ich lob die edlen Reben,
Die bringen uns gut Wein.

Wo Heu wächst auf der Matten,
Dem frag ich gar nichts nach,
Es hab Sonn oder Schatten,
Ist mir geringe Sach.
Gut Heu, das wächst an Reben,
Dasselbig wolln wir han,
Gut Streu thut es auch geben,
Das weiß wohl Weib und Mann.

Und wer es nicht kann kauen,
Der geh auch nicht zum Wein,
Doch seh ich an dem Hauen
Daß wir gut Mäher sein:
Wir rechens mit den Zähnen,
Und worflens mit dem Glas,
Der Magen muß sich dehnen,
Daß ers in Scheuer laß.

Wir han gar kleine Sorgen
Wohl um das römisch Reich,
Es sterb heut oder morgen,
Das gilt uns alles gleich;
Und gieng es auch in Stücke,
Wenn nur das Heu geräth,
Daraus drehn wir ein Stricke
Der es zusammen näht.

Die Specksupp ist gerathen,
Den Schlaftrunk bringt uns her,
Ist noch ein Weck am Laden,
Er ist nit sicher mehr,
Ein Kaiser steckt zum Spiese,
Ein Künglein in Pastet,
Arm Ritter macht recht süße,
Bis daß der Hahn gekräht.

Das Liedlein will sich enden,
Wo ist daheime nu?
Tapt hin nur an den Wänden,
Und legt das Heu zur Ruh,
Der Wagen schwankt hereine,
Sie han geladen schwer,
Er bräch, wenn nicht am Rheine
Der Strick gewachsen wär.

Ich bind mein Schwerdt zur Seiten,
Und mach mich bald davon,
Hab ich dann nit zu reiten,
Zu Fuße muß ich gon,
Ich taumle als ein Gänselein,
Das ziehet auf die Wacht,
Das thut das Heu und auch der Wein,
Ade zur guten Nacht.