Wiegenlied im Freien
Da oben auf dem Berge,
Da rauscht der Wind,
Da sitzet Maria,
Und wieget ihr Kind,
Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen Hand,
Dazu braucht sie kein Wiegenband.
Reiterlied auf des Vaters Knie
Troß troß trill,
Der Bauer hat ein Füll,
Das Füllen will nicht laufen,
Der Bauer wills verkaufen,
Verkaufen wills der Bauer,
Das Leben wird ihm sauer,
Sauer wird ihm das Leben,
Der Weinstock, der trägt Reben,
Reben trägt der Weinstock,
Hörner hat der Ziegenbock,
Der Ziegenbock hat Hörner,
Im Wald, da wachsen Dörner,
Dörner wachsen im Wald,
Der Winter, der ist kalt,
Kalt ist der Winter,
Vor der Stadt wohnt der Schinder,
Wenn der Schinder gessen hat,
So ist er satt.
Die arme Bettelfrau singt
das kranke Kind in Schlaf
Eya popeya popole,
Unser Herrgottche wird dich bald hole,
Kömmt er mit dem gulderne Lädche,
Legt dich hinunter ins Gräbche:
Ueber mich,
Ueber dich,
Kummer mitnander ins Himmelrich!
Wiegenlied einer alten frommen Magd
Ich wollte mich zur lieben Maria vermiethen,
Ich sollte ihr Kindlein helfen wiegen;
Sie führt mich in ihr Kämmerlein,
Da waren die lieben Engelein,
Die sangen alle Gloria!
Gelobet sey Maria!
Ammen-Uhr
Der Mond, der scheint,
Das Kindlein weint,
Die Glock schlägt zwölf,
Daß Gott doch allen Kranken helf!
Gott alles weiß,
Das Mäuslein beißt,
Die Glock schlägt Ein,
Der Traum spielt auf dem Küssen dein.
Das Nönnchen läut
Zur Mettenzeit,
Die Glock schlägt zwei!
Sie gehn ins Chor in einer Reih.
Der Wind, der weht,
Der Hahn, der kräht,
Die Glock schlägt drei,
Der Fuhrmann hebt sich von der Streu.
Der Gaul, der scharrt,
Die Stallthür knarrt,
Die Glock schlägt vier,
Der Kutscher siebt den Haber schier.
Die Schwalbe lacht,
Die Sonn erwacht,
Die Glock schlägt fünf,
Der Wandrer macht sich auf die Strümpf.
Das Hun gagackt,
Die Ente quackt,
Die Glock schlägt sechs,
Steh auf, steh auf du faule Hex.
Zum Becker lauf,
Ein Wecklein kauf,
Die Glock schlägt sieben,
Die Milch thu an das Feuer schieben.
Thu Butter nein,
Und Zucker fein,
Die Glock schlägt acht,
Geschwind dem Kind die Supp gebracht.
Meelämmchen
Mee Lämmchen, mee!
Das Lämmchen lauft in Wald,
Da stieß sichs an ein Steinchen,
That ihm weh sein Beinchen,
Da schrie das Lämmchen mee!
Mee Lämmchen, mee!
Das Lämmchen lauft in Wald,
Da stieß sichs an ein Stöchelchen,
That ihm weh sein Köppelchen,
Da schrie das Lämmchen mee!
Mee Lämmchen, mee!
Das Lämmchen lauft in Wald,
Da stieß sichs an ein Sträuchelchen,
That ihm weh sein Bäuchelchen,
Da schrie das Lämmchen mee!
Mee Lämmchen, mee!
Das Lämmchen lauft in Wald,
Da stieß sichs an ein Hölzchen,
That ihm weh sein Hälschen,
Da schrie das Lämmchen mee!
Die Magd an der Wiege
Hab ich mirs nicht längst gedacht,
Sitz ich an der Wiegen,
Hab den Wedel in der Hand,
Wehr dem Kind die Fliegen.
Wenn die Leut spazieren gehn,
Muß ich an der Wiege stehn,
Muß da machen knick und knack,
Schlaf du kleiner Habersack.