Johannes Spangenbergs Sammlung Deutscher GedichteGoethe Scherenschnitt

Deutsche Gedichte, eine Anthologie

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Ludwig Uhland



Balladen und Romanzen





Gretchens Freude


Was soll doch dies Trommeten sein?
Was deutet dies Geschrei?
Will treten an das Fensterlein,
Ich ahne, was es sei.

Da kehrt er ja, da kehrt er schon
Vom festlichen Turnei,
Der ritterliche Königssohn,
Mein Buhle wundertreu.

Wie steigt das Roß und schwebt daher!
Wie trutzlich sitzt der Mann!
Fürwahr! man dächt es nimmermehr,
Wie sanft er spielen kann.

Wie schimmert so der Helm von Gold,
Des Ritterspieles Dank!
Ach! drunter glühn vor allem hold
Die Augen, blau und blank.

Wohl starrt um ihn des Panzers Erz,
Der Rittermantel rauscht:
Doch drunter schlägt ein mildes Herz,
Das Lieb um Liebe tauscht.

Die Rechte läßt den Gruß ergehn,
Sein Helmgefieder wankt;
Da neigen sich die Damen schön,
Des Volkes Jubel dankt.

Was jubelt ihr und neigt euch so?
Der schöne Gruß ist mein.
Viel Dank, mein Lieb! ich bin so froh,
Gewiß, ich bring's dir ein.

Nun zieht er in des Vaters Schloß
Und knieet vor ihm hin
Und schnallt den goldnen Helm sich los
Und reicht dem König ihn.

Dann abends eilt zu Liebchens Tür
Sein leiser, loser Schritt,
Da bringt er frische Küsse mir
Und neue Liebe mit.






Das Schloß am Meere


Hast du das Schloß gesehen,
Das hohe Schloß am Meer?
Golden und rosig wehen
Die Wolken drüber her.

Es möchte sich niederneigen
In die spiegelklare Flut;
Es möchte streben und steigen
In der Abendwolken Glut.

»Wohl hab ich es gesehen,
Das hohe Schloß am Meer,
Und den Mond darüber stehen
Und Nebel weit umher.«

Der Wind und des Meeres Wallen
Gaben sie frischen Klang?
Vernahmst du aus hohen Hallen
Saiten und Festgesang?

»Die Winde, die Wogen alle
Lagen in tiefer Ruh,
Einem Klagelied aus der Halle
Hört ich mit Tränen zu.«

Sahest du oben gehen
Den König und sein Gemahl?
Der roten Mäntel Wehen,
Der goldnen Kronen Strahl?

Führten sie nicht mit Wonne
Eine schöne Jungfrau dar,
Herrlich wie eine Sonne,
Strahlend im goldnen Haar?

»Wohl sah ich die Eltern beide,
Ohne der Kronen Licht,
Im schwarzen Trauerkleide;
Die Jungfrau sah ich nicht.«






Vom treuen Walther


Der treue Walther ritt vorbei
An Unsrer Frau Kapelle.
Da kniete gar in tiefer Reu
Ein Mägdlein an der Schwelle.
»Halt an, halt an, mein Walther traut!
Kennst du nicht mehr der Stimme Laut,
Die du so gerne hörtest?«

»Wen seh ich hier? Die falsche Maid,
Ach! weiland, ach, die Meine!
Wo ließest du dein seiden Kleid,
Wo Gold und Edelsteine?« -
»O daß ich von der Treue ließ!
Verloren ist mein Paradies,
Bei dir nur find ich's wieder.«

Er hub zu Roß das schöne Weib,
Er trug ein sanft Erbarmen;
Sie schlang sich fest um seinen Leib
Mit weißen, weichen Armen.
»Ach, Walther traut! mein liebend Herz,
Es schlägt an kaltes, starres Erz,
Es klopft nicht an dem deinen.«

Sie ritten ein in Walthers Schloß,
Das Schloß war öd und stille,
Sie band den Helm dem Ritter los;
Hin war der Schönheit Fülle.
»Die Wangen bleich, die Augen trüb,
Sie sind dein Schmuck, du treues Lieb!
Du warst mir nie so lieblich.«

Die Rüstung löst die fromme Maid
Dem Herrn, den sie betrübet:
»Was seh ich? ach! ein schwarzes Kleid!
Wer starb, den du geliebet?« -
»Die Liebste mein betraur ich sehr,
Die ich auf Erden nimmermehr
Noch überm Grabe finde.«

Sie sinkt zu seinen Füßen hin
Mit ausgestreckten Armen:
»Da lieg ich arme Büßerin,
Dich fleh ich um Erbarmen.
Erhebe mich zu neuer Lust!
Laß mich an deiner treuen Brust
Von allem Leid genesen!«

»Steh auf, steh auf, du armes Kind!
Ich kann dich nicht erheben;
Die Arme mir verschlossen sind,
Die Brust ist ohne Leben.
Sei traurig stets, wie ich es bin!
Die Lieb ist hin, die Lieb ist hin,
Und kehret niemals wieder.«