15. An Herrn Heinrich Schützen, Churfürstl. Durchlaucht zu Sachsen Kapellmeistern
1632.
Ists nicht so, berühmter
Schütze?
Deine Mutter war wie schon
an der schwarzen Lethenpfütze
und dem bleichen Phlegethon;
Charon, der erblaßte Man,
schrie sie schon ums Fährgeld an;
die Vernunft war fast verloren,
und sie war nun nicht mehr sie,
der in die halbtauben Ohren
man ihr noch diß Wort einschrie:
Heinrich, euer lieber Sohn,
kommt und seht, hier ist er schon!
Wie erfrischt' ihr diß ihr Leben,
das beinah' erstorben war!
Ihr Geist war ihr wiedergeben,
welcher fast verhauchet gar.
Komm, Sohn, sprach sie, komm herzu!
Meines Todes Tod bist du!
Was ists not, daß, wie vorzeiten
es Äagers Sohn gemacht,
du mit Liedern, Spiel und Saiten
fahrest in den finstern Schacht?
Schütz, auf deinen Namen blos
giebt der Tod die Toten los.
Du machst dir mit deinen Liedern
Hell' und Himmel untertan,
daß dir keines nichts verwiedern,
keines nichts versagen kan,
weil auch, wenn du schon nicht singst,
du sie beide doch bezwingst.
Diß kan eine schöne Seele,
die den Himmel Vater heißt,
die aus der beleibten Höle
über sich und zu ihm reist
und ihm ein Gesetze schreibet
durch das, was doch seine, bleibet.
Hilft mir Gott und will mein Glücke,
daß mirs auch noch wol soll gehn,
daß ich nicht so stets zurücke
und in schlechter Acht muß stehn,
so ist deines Fürsten Gunst
mir nicht, hoffe, gar umsonst.
So will ich einmal auch kommen,
wo ihr schönen Leute seid.
Was ich mir schon vorgenommen,
das eröffnet jene Zeit.
Diß ists, das ich sagen will;
dort ist meiner Hoffnung Ziel.
Vater Mars, laß ab von
Meißen
und vergönn uns deine Ruh'!
Laß sich auch nun Fremde schmeißen,
die uns lange satt sehn zu!
weise nun auch deine Macht
dem, der sie noch itzt verlacht!
Denn so will ich dich erheben,
wenn du weit von uns wirst sein,
und mein
Schütze wird beineben
seine Saiten stimmen drein,
daß die Gegend weit und breit
froh sein wird bei solcher Zeit.
16. An einen guten Freund
1632 Spätherbst.
Laß der Zeit nur ihren Willen
und vergönn ihr ihren Lauf!
Sie wird sich selbst müssen stillen,
wenn wir nichts nicht geben drauf.
Meistes Elend wird verschmerzet,
wenn mans nicht zu sehr beherzet.
Ist es heute trübes Wetter,
morgen wird es heiter sein!
Stimmen doch die großen Götter
stets an Lust nicht überein.
Und wer weiß, wie lang' er bleibet,
der uns itzo so vertreibet?
Ob die Sonne gehet nieder
und den Erdkreis traurig macht,
doch so kömmt sie frölich wieder
nach der überstandnen Nacht.
Herrschen itzund Frost und Winde,
balde wird es sein gelinde.
Unterdessen sei der Deine!
Brich nicht ab der ersten Kost,
labe dich mit altem Weine
und versuch den jungen Most!
Laß uns einen Rausch noch kaufen,
ehe denn wir müssen laufen!
1632.
17. An Herrn Magnus Schuwarten
1633 März-April.
Künftig will auch ich was melden
von den Taten unsrer Zeit
und die ritterlichen Helden,
so man rühmet weit und breit,
in ein solches Buch verleiben,
daß sie sollen ewig bleiben.
Phöbus hat mir Dint' und Feder
schon gegeben in die Hand,
Klio solch Papyr und Leder,
das nur denen ist bekant,
die von solchen Sachen handeln,
die sich nimmermehr verwandeln.
Erstlich werd' ich müssen singen
von des stolzen
Heboms Flucht,
welcher ihm mit seinen Dingen
selbst den Untergang gesucht,
welcher sich und uns betrübte,
als er fremde Bulschaft liebte.
Nachmals wird berichtet werden,
wie der große
Dannefried,
Dannefried, die Furcht der Erden,
auf ein neues Werk geriet,
daß er, da er Fremde plagte,
seine Liebste selbst verjagte.
Margenis, der Preis der Schönen,
doch des Unglücks stetes Ziel,
die so manchen Ritters-Söhnen
wegen Schönheit wol gefiel,
werd' ich auch erraten können
aller deiner Buler Sinnen?
Wie beherzte deine Sache
der getreue
Celetor,
wie auch mit gerechter Rache
schwanger gieng der
Zanefor,
wie die ungetreue
Gile
durch ihr eignes Urteil fiele?
Hier wird man vor Andern hören
den berühmten Held
Vagust,
der von wegen deiner Ehren
mänlich wagte seine Brust,
der, da er dir Fried' erwurbe,
ritterlich zu Felde sturbe.
An der Seiten soll ihm stehen
Herbrand, der gelobte Man,
der den
Stallwein wird bestehen,
wie er schon Beweis getan,
der demnach des Himmels Willen
alles Urteil ganz soll stillen.
Lasse mich nächst nach dir gehen,
Barklai, und verzeih mir diß!
Meine
Margenis soll stehen
neben deiner
Argenis ,
Argenis, dem schönen Wesen,
das so ferne wird gelesen,
wird mir Gott das Glücke geben
und mir Einen wecken auf,
der mich läßt in Ruhe leben
und der Sachen ihren Lauf
durch die Westen milder Sinnen
und der Freiheit wird vergünnen.