18. Als Herr Görge Ernst Kademan Magister wurde
1633 Mai 2.
Hylas saß im feuchten Rasen
und ließ seiner Heerde Schaar
um die aufgelaufne
Paar'
in dem jungen Klee grasen.
Sein gefreundter
Sylvius
war gleich auch um selben Fluß:
als der Chor der Kastalinnen
eben da vorüber flog
und auf seinen Pindus zog.
Hylas ward der Sachen innen
und schrie nach ohn' Unterlaß:
»Göttinnen, verehrt mir was!«
Klio ließ ein Kränzlein fallen
in des
Hylas braunes Haar.
Sylvius, der rufte klar:
O du Seliger für Allen!
Und der Lämmer froher Hauf'
hüpfte dreimal frölich auf.
19. Auf Verreisen Eines seiner guten Freunde
1633.
Damon ging in tiefen Sinnen
um der sanften
Pleißen Rand,
wo sie und der
Elster Strand
holdreich in einander rinnen.
Die Gesellschaft sprach ihm zu:
»
Damon, was besinnest du?«
»Seit ich,« sprach er, »in den Orden
eurer Kundschaft kommen bin,
ist der Sommer fünfmal hin,
fünfmal ist es Winter worden:
und so lange bin ich hier.
Ich will weg aus der Revier.
Kein Leid stößt mir zwar zu Handen.
Die Gesellschaft halt' ich wert.
So ist baßlich meine Heerd'
hübsch bei feister Kost gestanden.
Mein geehrtes Vaterland,
das ists, das mir beut die Hand.
Grünet wol, ihr bunten Matten,
seid, ihr Lüfte, seid geküßt,
Rosental, du sehr gegrüßt,
sehr ihr Bäche, sehr ihr Schatten,
und du dreibeströmte Stadt,
die mich wol bewirtet bat!
Ihr auch, gute Nacht, ihr Brüder!
Gute Nacht, du liebes Vieh!
Seid gesegnet ie und ie!
Gott weiß, ob wir uns sehn wieder.« -
Und so machet' er sich fort.
Niemand sprach vor Leid ein Wort.
Sylvius nur, und mit Weinen
schrie ihm nach: »Zeuch, Bruder, hin!
Ich verbleibe, wer ich bin;
du vergiß auch nicht der Deinen!«
Alle sahn ihm sehnlich nach,
bis er ihnen ganz entbrach.
20. Auf einer Jungfrauen in Holstein ihren Tag
1633 October.
Eben der Tag, der ist der,
da vor sechsmal dreien Jahren
alle Götter um euch her
und um eure Wiege waren,
die mit ihrer Güter Pracht
euch so haben reich gemacht.
Jovis Schwester und Gemahl
gab euch Gut, Minerva Tugend,
Charis aller Zierde Wahl,
Venus Preis der frischen Jugend.
Alles ward in euch gesetzt,
was der Himmel himmlisch schätzt.
Billich ists, daß wir mit euch
eurer Trefligkeit uns freuen,
die euch macht an Wolfart reich
und auch itzt erquickt vom neuen,
da sie den Tag wiederbringt,
an dem ihr zu sein anfingt.
Schönste, lebet, wie ihr tut!
Für uns Andern ist das Sterben.
Euer unverweslichs Blut
kan nichts minder als verderben.
Um den Himmel bitten wir:
euer Himmel seid selbst ihr.
21. An die Holsteinischen Herren Abgesandten
1633 October 14.
Nunmehr bricht die Zeit heran,
daß du, Christ, dich einst solst rächen
und dem seine Kräfte brechen,
der dir alles Leid tut an,
der so oft dein Blut gelecket
und mit bloßem Namen schrecket.
Der versöhnte Himmel weist,
wie er wieder wolle segnen,
läßt uns seine Gunst begegnen,
wo uns noch sein Eifer schmeißt.
Was uns itzt noch denkt zu dämpfen,
soll vor unser Leben kämpfen.
Diese Zwei, diß treue Paar,
das die höchsten Häupter lieben
und an ein solch Werk verschrieben,
dem gleich keines wird noch war,
dieses Paar hat Gott versehn
zu dem, was soll bald geschehn.
Das Verhängnüß ist bedacht
dieses lange Kriegeswetter,
das der frommen Rauten Blätter
kaum nicht ganz hat umgebracht,
über ein solch Kraut zu treiben,
das ihm ewig denkt zu bleiben.
Gnug, ihr Brüder, werdet Freund'!
Dortnaus, dort, wo Phöbus zäumet,
wenn uns hier noch süße träumet,
dortnaus, dort ist unser Feind.
Künftig laßt uns wieder holen,
was der Dieb uns abgestolen!
Was ernährn wir unsern Tod?
Laßt uns ihm den Vorteil nehmen
und die starken Nerven lähmen!
Her die Rüstung, Kraut und Lot!
Wachet, wie Soldaten ziemet!
Zeit und Ort wird itzt beniemet.
Deucht michs oder seh' ichs schon,
wie die lauten Feld-Posaunen
und die donnernden Kartaunen
untermengen ihren Ton,
daß des
Bosphors seine Wellen
furchtbar sich als Steine stellen?
Der entfärbte
Hellespont
schlingt in sich die blassen Heiden.
Fahnen, Spieße, Schwert und Scheiden
führt der bebende
Propont .
Sions Wurzeln,
Jebus Spitzen
werden zitternd für uns schwitzen.
Unsre
Donow fleußt uns vor,
leitet mit erfreuten Wellen
unsre dapfern Bundsgesellen
bis fast vor des
Hundes Tor .
Bizanz, du solst unser heißen,
eh' daß du dich denkst zu schmeißen!
Landsman,
Deutscher, tu alsdan,
was du bist an dir gewohnet!
Es gilt hier nicht, daß man schonet.
Itzund hast du deinen Man!
Vor und itzt noch schlägst du, Blinder,
auf dich selbst und deine Kinder.
Diß Schwert, das du itzuod schon
hast auf deinen Freund gezücket,
soll dem, der sich kaum drauf schicket,
geben seinen wahren Lohn.
Das auf dich gegoßne Stücke
soll ihm brechen sein Genicke.
Tut indessen, was ihr tut,
o ihr zwei getreuen Wächter,
bähnt den Weg vor unsre Fechter!
Diß fängt an kein feiges Blut.
Was ihr großen Leute dichtet,
ist, als wär' es schon verrichtet.
Was ist eurem Ruhme gleich?
Ihr seid unbesorgt, das Leben
in fast nahen Tod zu geben
für das heilge Christenreich.
Dieses Lob kan nicht verderben
und läßt ewig euch nicht sterben.
Äol und Neptun stehn hier,
schwören mit gebotnen Händen,
daß sie Alles wollen wenden,
was sich euch will schützen für.
Belt und
Bach u sind verbunden,
euch zu liefern alle Stunden.
Das bewohnt' und öde Land
will euch allen Vorschub schaffen.
Ganz kein
Tarter soll die Waffen
nehmen wider euch zur Hand.
Euch hat Gott, der vor euch wachet,
auch das Wilde zahm gemachet.
Die gemeine Christenheit
läßt nicht ab für euch zu bitten.
Euch folgt nach auf allen Schritten,
was ihr wollt und sie erfreut.
Es wird euch auf allen Seiten
manch beseufzter Wundsch begleiten.
Zieht, zieht hin, ihr Frommen, ihr!
Gott und Fürsten, die euch schicken,
lassen Alles wol gelücken!
Und stellt euch diß stetig für:
Was der Himmel heißt vollbringen,
wird und soll und muß gelingen!