Zum Geburtstag
1. Mit zwei Lampen
Liebe Mutter! Du zählst sie gerne,
deine dreiunddreißig Geburtstagssterne.
Hier stehn sie strahlend; und daneben
siehst du zwei silberne Halbmonde schweben.
Das sind zwei Lampen fürs Klavier,
eine von Vater, die andre von mir.
Kommt nun der Abend mit müden Beinen,
dann läßt du deine Monde scheinen
und spielst; und wir, wir hören und träumen
von den hohen himmlischen Räumen,
von deinem Sternenringelreihn -
Vater wacht noch, ich schlafe ein.
2. Mit einer Handvoll Haselnüsse
Lieber Vater! ich kann dir garnichts schenken,
blos mein kleines Herz und alle meine Küsse,
und - eins, zwei, drei, vier, fünf Haselnüsse,
dabei kannst du dir
was Wunderschönes denken.
Du kannst dir denken, jede Nuß
hat ein kleines Herz, noch kleiner als das meine;
und hätte sie auch zwei kleine Beine,
lief' sie auf dich zu und gäb' dir einen Kuß,
einen wundervollen, herzhaften Geburtstagskuß!
An einem Hochzeitstag
Mit einer Malerei
Hier, liebe Leute, in diesem schönen Wagen
fahren zwei Menschen seit vielen schönen Tagen.
Sie fahren bei Regen wie bei Sonnenschein
immer gradaus ins Blaue hinein.
Auch das schlechteste Wetter ist ihnen nicht grau;
hell lacht der Mann, warm lächelt die Frau.
Sie schaukeln das Glück auf ihren Knien,
und an einem Hochzeitstag fragt sie ihn:
Wenn wir so immer weiter reisen
und lassen die Sterne den Weg uns weisen,
kümmern uns um kein irdisch Ziel,
treiben nur mit dem Glück unser Spiel,
aber endlich wird's uns vom Tod da genommen -
was meinst du wohl, wohin wir kommen?
Der Mann blickt nach den milchweißen Kühen,
die den bunten Wagen ruhig ziehen,
er blickt nach dem Kutscher, der Augen macht
so unergründlich schwarz wie die Nacht -
dann sagt er heiter:
Ich meine, wir kommen immer weiter!
Der Kutscher nickt. Der Himmel ist blau;
warm lächelt der Mann, hell lacht die Frau.
Und die weißen Kühe sagen sich beide:
zwei Menschen fahren auf lebensgrüner Weide.
Aurikelchen
Aurikelchen, Aurikelchen
stehn auf meinem Beet,
und sehn den blauen Himmel an,
wo schon den ganzen Morgen
die goldne Sonne steht.
Aurikelchen, Aurikelchen,
was kuckt ihr denn so sehr?
Ihr seid ja selbst so gelb wie Gold,
und habt ein hellrot Herzchen,
was wollt ihr denn noch mehr!
Puhstemuhme
Krause, krause Muhme,
alte Butterblume,
Puhsterchen, nanu?
wo hast du denn dein Hütchen,
dein gelbes Federschütchen,
worauf wartest du?
Warte aufs Kindchen,
auf ein lieb Mündchen,
ich alte griese
Trauerliese,
puh, puh, puh.
Ach bitte, puhst mich doch
rasch in den Himmel hoch;
tausend kleine Nackedeys
spielen da im Gras,
tausend kleine Nackedeys
lachen sich da was!
Das große Karussell
Im Himmel ist ein Karussell,
das dreht sich Tag und Nacht.
Es dreht sich wie im Traum so schnell,
wir sehn es nicht, es ist zu hell
aus lauter Licht gemacht;
still, mein Wildfang, gib Acht!
Gib Acht, es dreht die Sterne, du,
im ganzen Himmelsraum.
Es dreht die Sterne ohne Ruh
und macht Musik, Musik dazu,
so fein, wir hören's kaum;
wir hören's nur im Traum.
Im Traum, da hören wir's von fern,
von fern im Himmel hell.
Drum träumt mein Wildfang gar so gern,
wir drehn uns mit auf einem Stern;
es geht uns nicht zu schnell,
das große Karussell.
Die Schaukel
Auf meiner Schaukel in die Höh,
was kann es Schöneres geben!
So hoch, so weit: die ganze Chaussee
und alle Häuser schweben.
Weit über die Gärten hoch, juchhee,
ich lasse mich fliegen, fliegen;
und alles sieht man, Wald und See,
ganz anders stehn und liegen.
Hoch in die Höh! Wo ist mein Zeh?
Im Himmel! ich glaube, ich falle!
Das tut so tief, so süß dann weh,
und die Bäume verbeugen sich alle.
Und immer wieder in die Höh,
und der Himmel kommt immer näher;
und immer süßer tut es weh -
der Himmel wird immer höher.